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Die Kunst der Kritik – Über die Form der politischen Auseinandersetzung

Seit jeher ist die Kunst des richtigen Kritisierens, ja genauer gesagt die Form der politischen Auseinandersetzung ein hart umkämpftes Feld. Wir wollen hiermit aus gegebenen Anlass einige allgemeine Standpunkte zur Art und Weise und der Form der richtigen politischen Auseinandersetzung innerhalb der kommunistischen und revolutionären Linken erläutern und zur Diskussion stellen.

Zunächst einmal wollen wir das Offensichtliche noch einmal betonen: Die revolutionäre und kommunistische Bewegung ist heute auf der ganzen Welt im allgemeinen zersplittert und gespalten. Dies gilt ganz besonders für Europa und im speziellen Deutschland. Die revolutionäre und kommunistische Bewegung in Deutschland ist heute kein bestimmender gesellschaftlicher Faktor. Eine einzelne Gruppe oder Organisation schon gar nicht. Ganz im Gegenteil erleben wir in den letzten Jahren einen massiven Aufschwung faschistischer Bewegungen und eine Verschiebung gesellschaftlicher Diskussionen nach rechts. In diesem gesellschaftlichen Spannungsfeld entwickeln wir und alle anderen revolutionären und kommunistischen Gruppen und Organisationen Politik in Theorie und Praxis.

Dabei ist es vollkommen klar, dass unterschiedliche Organisationen entsprechend ihrer weltanschaulichen Grundlage unterschiedliche Positionen vertreten. Es ist klar, dass marxistisch-leninistische, guevaristische, maoistische, autonome oder gar revisionistische Organisationen nicht in allen Fragen zu den selben Antworten gelangen können oder diese unterschiedlich gewichten.

Ebenso ist es für uns selbstverständlich, dass jede Ideologie, dass jede Organisation versucht ihre Ansichten zu verbreiten und auch in einen Wettstreit mit anderen Ansichten und Meinungen tritt. Auch Polemiken waren und sind immer Teile der streitbaren revolutionären und kommunistischen Bewegungen gewesen. Es soll uns jedoch nicht darum gehen, wie die Nadel im Heuhaufen Unterschiede zu suchen oder offensichtlich bestehende Unterschiede mehr zu betonen als die überwiegenden Gemeinsamkeiten.

Dort, wo wir uns in allen grundlegenden, das heißt prinzipiellen Fragen einig sind, ist es unsere Aufgabe, die Einheit der KommunistInnen anzustreben und dafür zu kämpfen. Dafür ist nicht nur die Klärung ideologischer, politischer und organisatorischer Fragen notwendig, sondern auch die Überwindung des traditionellen Zirkelwesens und der eigenen Organisation als Selbstzweck. Doch wie wollen und sollten wir diskutieren und kritisieren?

Kritische politische Auseinandersetzungen sind keine großen Schlachten. Es gewinnt auch nicht der, der am lautesten Schreit oder die wüstesten Beleidigungen von sich gibt. Und doch werden politische Diskussionen oftmals genau so geführt. Dabei ist die Art und Weise der Beschimpfungen, Schärfe der Polemik und Unsachlichkeit der Kritik oftmals um ein vielfaches größer und aggressiver als wenn der eigentliche politische Gegner, der Klassenfeind angegriffen wird. Da wird sich benommen, als hätten wir schon ganze Städte oder Viertel „erobert“ und für uns gewonnen, während direkt daneben faschistische Gruppen und Mafia-Banden Teile unserer Klasse terrorisieren.

Viel zu leichtfertig wird heute eine andere politische Organisation bzw. politische Strömung als feindlich betrachtet und „zum Abschuss freigegeben“. Dabei bleiben die geäußerten Kritiken meist allgemein oder beziehen sich gar nicht auf politisch/ideologische Aspekte, sondern entspringen persönlichen Feindschaften. Patriarchales Platzhirschgehabe und das wahllose Absprechen der subjektiven Ehrlichkeit aufgrund von inhaltlichen Fehlern und Differenzen haben keinen Platz in einer revolutionären Streitkultur.

Hier muss es um eine Differenzierung in der Kritik und politische Feinfühligkeit gehen. Insbesondere wenn Kritik in der Öffentlichkeit (auch dem Internet oder politischen Publikationen) geäußert wird, muss ihr Inhalt wie auch ihre Form gut überlegt sein. Bei öffentlichen „Schlammschlachten“ linker und revolutionärer Gruppen schaut nicht zuletzt der Staat lachend zu. Werden dabei noch gleich Interna von Gruppen und Organisationen veröffentlicht, so hat der Staat gleich doppelt gewonnen. Ebenso schädlich sind Beleidigungen, Verleumdungen und Desinformationen. Dadurch hat letztendlich niemand von uns etwas zu gewinnen. Kommt dann noch beim Stand der revolutionären und kommunistischen Bewegung in Deutschland Gewalt untereinander ins Spiel, so kann das nicht in unserem Interesse sein.

Lasst uns wetteifern, lasst und streiten, lasst uns polemisieren, aber dabei immer das Maß halten und uns in der revolutionären und kommunistischen Bewegung zur Solidarität in der Kritik erziehen. Lasst uns überall dort zusammenkommen, wo wir uns einig sind und taktische und strategische Bündnisse gegen den gemeinsamen Feind schmieden. Lasst uns dort diskutieren und kritisieren, wo wir uneins sind und gleichzeitig Solidarität über ideologische und organisatorische Grenzen hinweg leben.

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