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Die Struktur des Kapitalismus in Deutschland

Wenn wir ernsthaft über den Sturz des Kapitalismus in Deutschland reden wollen, müssen wir diesen Kapitalismus sehr gut kennen. Wir müssen einschätzen können, welche Zweige der Wirtschaft heute von zentraler Bedeutung für das deutsche Kapital sind und welche an Bedeutung zunehmen werden. Wo ist das Kapital besonders angreifbar? Wo ist die ArbeiterInnenklasse konzentriert, wo wird sie es in Zukunft sein? Gibt es in Deutschland die Bauern noch als eigenständige Klasse? Wie ist das deutsche Finanzkapital international aufgestellt? 

Es liegt auf der Hand, dass man über eine Umwälzung von Staat und Wirtschaft und den Aufbau neuer, sozialistischer Produktionsverhältnisse nicht nachzudenken braucht, wenn man zu diesen Fragen nicht zumindest eine Orientierung hat. An dieser Stelle können wir nicht mehr als einen ersten Schritt in diese Richtung leisten. Dabei geht es auch darum, mit den Legenden der bürgerlichen Wissenschaft aufzuräumen: Ist Deutschland z.B. wirklich ein Land des “Mittelstands”? Die Zahlen scheinen auf den ersten Blick dafür zu sprechen: Von den in Deutschland aktiven 2,7 Millionen Unternehmen sind 2,4 Millionen Familienunternehmen1. 50 % der Beschäftigten arbeiten hier. Große kapitalistische Monopole gibt es demgegenüber in Deutschland nur einige Dutzend. Wie wir unten ausführen werden, ist ein Großteil der Unternehmen jedoch Teil von Produktionsketten, die unter der Kontrolle der wenigen Monopole stehen. Zudem können sich die Familienunternehmen auch dann faktisch in der Hand von Banken und Investmentgesellschaften befinden, wenn formal noch der Patriarch die Geschäfte führt. Das macht die mittlere Bourgeoisie übrigens weder zum Motor der Wirtschaft, wie es ReformistInnen à la Sahra Wagenknecht behaupten, noch zum möglichen Verbündeten gegen das Finanzkapital, wie es die DKP-Theorie der “antimonopolistischen Demokratie” vorsieht.

Nachdem wir im folgenden kurz begrifflich klären wollen, was wir heute überhaupt unter einem “Kapitalisten” verstehen, betrachten wir zunächst die wichtigsten Sektoren der deutschen Wirtschaft. Wir beschreiben den grundlegenden Aufbau moderner internationaler Produktionsketten und schauen uns an, wie die Monopole darüber heutzutage Zusammenhänge von formal unabhängigen Unternehmen kontrollieren. Wir stellen uns die Frage, in welche Richtung sich diese Produktionsketten in Zukunft entwickeln könnten und an welchen Stellen des Produktionsprozesses das Kapital besonders angreifbar sein wird. Wir sehen uns an, welche technologischen Entwicklungen besonderen Einfluss auf Deutschlands Machtposition im kapitalistischen Weltsystem haben werden. Wir werfen einen Blick auf das Verhältnis von Industrie, Logistik und den sogenannten „Dienstleistungen“ und erklären, warum auch große Teile der beiden letztgenannten Sektoren zum industriellen Produktionsprozess gehören – und die Beschäftigten dort zur ArbeiterInnenklasse. Wir widmen uns der Entwicklung des deutschen Finanzkapitals und legen dar. Wir betrachten die Rolle von Mittelstand, Handwerk und Landwirtschaft im deutschen Kapitalismus sowie deren Entwicklungstendenz. Wir widmen uns der ökonomischen Funktion von Staat, Kirche und organisierter Kriminalität. Und am Schluss werfen wir die Frage auf, ob der klassische Betrieb im Kapitalismus verschwindet. Auch hier versuchen wir eine differenzierte Antwort zu geben. 

Wie sieht die Kapitalistenklasse heute aus?

Kapitalist ist ökonomisch zunächst einmal derjenige, der aufgrund seines Besitzes an Produktionsmitteln von der Ausbeutung der Lohnarbeit anderer lebt, sein Kapital damit beständig vermehrt und auf dieser Grundlage nicht mehr gezwungen ist, selbst produktiv tätig zu sein. 

Für die Klassenanalyse ist es jedoch entscheidend, nicht an den ökonomischen Kriterien klebenzubleiben und die Gesellschaft allein danach statistisch zu sortieren. Die Bourgeoisie als „herrschende Klasse” ist vielmehr auch ein gesellschaftlicher Begriff, der weitaus mehr umfasst als den Besitz an Produktionsmitteln. Innerhalb der Kapitalistenklasse hat sich im Verlauf der Geschichte durch Konzentration und Zentralisation eine Hierarchie herausgebildet, deren wichtigstes Ergebnis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Übergang zum Monopolkapitalismus, die Entstehung des Finanzkapitals und – wie Lenin beschreibt – die Herrschaft der Finanzoligarchie gewesen ist. Eine Grundlage dieser Entwicklung war die schon von Marx beschriebene Tendenz der Trennung von Eigentum und Verfügungsgewalt über das Kapital. Kapitalist war nun nicht mehr einfach der Fabrikeigentümer, der gleichzeitig als Direktor die Geschäfte führte (auch das gibt es jedoch bis heute). Vielmehr entstand der Typ des Managers, der wie Larry Fink des US-Amerikanischen Fonds Blackrock in heutigen Zeiten Kapitalien von Billionen Euro kontrollieren kann. Diese gehören zwar garnicht ihm, verleihen aber im Gesamtgefüge des kapitalistischen Systems eine ungeheure Machtfülle. Und es entstand als Gegenpol die Schicht der Rentiers, die z.B. Spross eines Zweigs einer deutschen Industriellendynastie sein können, selbst garnicht mehr mitentscheiden, aber auf höchstem Luxusniveau allein vom ihrem Besitz an Aktien und Anleihen, d.h. von der Arbeit anderer Leute leben. Beide Teile gehören zur Klasse der Bourgeoisie. Die Finanzoligarchie ist dabei die kleine Schicht an der Spitze, bei der sich die gesellschaftliche Macht konzentriert. Und um den harten Bourgeoisie-Kern – aus fungierenden Kapitalisten und Rentiers gibt es noch die kleineren Kapitalisten, die Familien- und Startup-Unternehmer, sowie einem ganzen Umfeld aus Nutznießern des Systems, den mittleren Managern mit Karriereoptionen, den Unternehmensberatern, Investmentbankern u. dgl. Während sich die gesellschaftliche Macht ganz oben bei einem immer kleineren Teil der Kapitalisten konzentriert, erreicht diese Klasse als ganze in Deutschland schon eine Größenordnung von ein paar Millionen Menschen (2017 gab es allein 1,3 Millionen Millionäre in Deutschland, Tendenz steigend!). Hinzu kommen dann noch die Staatsfunktionäre, die mit der Kapitalistenklasse verschmolzen sind, die Armeeoffiziere, Gewerkschaftsbosse u.v.m.

Entscheidend für eine korrekte Bestimmung der Machtverhältnisse im modernen Kapitalismus sind also nicht Reichtum und Lebensstandard, sondern die Funktion für das Kapital als “sich selbst verwertendem Wert”. Platt gesagt: Selbst wenn der Manager eines DAX-Konzerns nur einen Facharbeiterlohn empfangen würde, würde das seine Position als führenden Vertreter des deutschen Kapitalismus nicht schmälern. Er wäre genau so Teil der deutschen Bourgeoisie, jedoch ein weitaus zentralerer und mächtigerer Teil als der dritte Großcousin des Düsseldorfer Haniel-Clans, der vielleicht ein Reitgestüt und eine Halle voller Luxusautos besitzt, jedoch kein Stimmrecht in der Familienholding hat. 

Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf müssen wir also die Machtverhältnisse im heutigen Kapitalismus in ihrer Bewegung und Komplexität erfassen, ohne in Oberflächlichkeit, Schematismus, reines Sammeln von Statistiken o.ä. zu verfallen. 

Das Kleinbürgertum

Auch bei der Betrachtung des Kleinbürgertums müssen wir von der Eigentumsfrage, von der Stellung gesellschaftlicher Schichten zu den Produktionsmitteln ausgehen. Unter Kleinbürgern verstehen wir zunächst alle Schichten, die weder frei von Eigentum an Produktionsmitteln sind – sonst wären sie ArbeiterInnen –, noch genug davon besitzen, um im obigen Sinne als Kapitalisten zu fungieren. Das einfachste Beispiel hierfür ist der selbständige Warenproduzent, der entweder allein, gemeinsam mit Familienangehörigen oder auch mit ein paar LohnarbeiterInnen seiner Tätigkeit nachgeht, jedenfalls solange er selbst noch produktiv tätig ist. In diese Kategorie fallen heute noch der klassische Handwerksmeister oder im Bereich des Handels der kleine Ladenbesitzer. Ihren ganzen Lebensbedingungen nach fallen diese Schichten zwischen Kapital und ArbeiterInnenklasse: Die Tatsache, dass sie Eigentum besitzen, unterscheidet sie von den ArbeiterInnen, doch der Weg nach oben zu den Kapitalisten ist ihnen realistischerweise versperrt: „Damit er nur doppelt so gut lebe wie ein gewöhnlicher Arbeiter und die Hälfte des produzierten Mehrwerts in Kapital zurückverwandle, müßte er zugleich mit der Arbeiterzahl das Minimum des vorgeschoßnen Kapitals um das Achtfache steigern. Allerdings kann er selbst, gleich seinem Arbeiter unmittelbar Hand im Produktionsprozesse anlegen, aber ist dann auch nur ein Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter, ein „kleiner Meister.“2 Das Vordringen des Kapitals in alle Bereiche der Wirtschaft vernichtet die Lebensgrundlagen des Kleinbürgertums fortwährend – wie wir unten am Beispiel der Bauern und der Handwerker noch genauer sehen werden. Gleichzeitig macht sich das Kapital die Zwischenstellung der KleinbürgerInnen auch zunutze und reproduziert sie damit: Z.B. mit dem  Modell der Franchise-Ketten, bei denen kapitalistische Unternehmen das Risiko des Einzelgeschäfts an Kleinunternehmer auslagern und dafür das Geschäftsmodell stellen (Bsp.: McDonalds Restaurants). Mit einem völligen Aussterben des Kleinbürgertums ist daher nicht zu rechnen. 

Hinzu kommt, dass außer den selbständigen und selbst arbeitenden Geschäftsleuten auch innerhalb der Welt der kapitalistischen Unternehmen Zwischenschichten entstehen, die sich weder eindeutig dem Proletariat noch der Bourgeoisie zuordnen lassen. Zu diesem „modernen Kleinbürgertum“ kann man Angestelle auf den mittleren Unternehmensebenen zählen, die eine gewisse, begrenzte Verfügungsgewalt über Kapital besitzen, sei es innerhalb des Unternehmens oder aber weil ihr Gehalt hoch genug ist, um Teile davon als Kapital fungieren zu lassen (Bsp.: Aktienbesitz, Immobilien), von denen aber nur der geringste Bruchteil eine Chance hat, in die Liga der kapitalistischen Manager aufzusteigen. Diese Schichten sind Ausdruck davon, dass sich mit der Entwicklung des Kapitalismus die gesellschaftlichen Klassen immer weiter ausdifferenzieren. Für sie gilt, was für das Kleinbürgertum schon immer galt, nämlich dass diese Schichten aufgrund ihrer Lebensbedingungen politisch zwischen Bourgeoisie und Proletariat hin- und herschwanken werden. 

Gleichzeitig ist jedoch zu betonen, dass auf der Ebene der Individuen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse oder Zwischenschicht nicht zwangsläufig darauf schließen lässt, ob dieser Mensch besser oder schlechter für die Revolution gewonnen werden kann. 

Die wichtigsten Sektoren der deutschen Wirtschaft

Deutschland ist ein imperialistisches Land, das über international marktbeherrschende Monopole (im Folgenden: Weltmonopole) verfügt. Zu den größten deutschen Weltmonopolen gehören Volkswagen, Daimler, BMW, Allianz, Siemens, Bosch, BASF, Bayer u.a. 

Die wichtigsten Industriebranchen bilden der Fahrzeugbau, der Maschinenbau sowie die Chemieindustrie mit einem Umsatz von rund 425 Mrd. Euro (Fahrzeuge und -teile), 252 Mrd.Euro (Maschinen) bzw 195 Mrd. Euro (chemische Erzeugnisse). Diese Erzeugnisse sind gleichzeitig die wichtisten Exportgüter Deutschlands (mit Anteilen von rund 18%, 14% bzw. 9% am Gesamtexport 2017).

Die deutsche Industrie gruppiert sich im wesentlichen um diese zentralen Sektoren: Die deutsche Autoindustrie als eine strategische Kernindustrie erwirtschaftet bspw. allein ein Viertel des industriellen Gesamtumsatzes. 7,7% der Wirtschaftsleistung Deutschlands gehen direkt oder indirekt auf die Autoindustrie zurück, an der direkt oder indirekt 1,8 Millionen Arbeitsplätze (= etwa jeder zwanzigste Job) hängen.3 Die Bedeutung der Autoindustrie für das deutsche Kapital lässt sich auch daran ablesen, dass die Zahl der direkt in dieser Industrie beschäftigten ArbeiterInnen seit 35 Jahren relativ konstant bei ca. 800.000 liegt. Im selben Zeitraum (zwischen 1980 und 2014) ist die Autoproduktion in Deutschland von 4,1 Millionen auf 5,9 Millionen Fahrzeuge angestiegen4

Die dominierende Rolle der Kernindustrien in der deutschen Wirtschaft folgt aus der Art und Weise, wie die Industrieproduktion heutzutage organisiert ist: Der größte Teil der Gesamtindustrie, inklusive der kleineren Unternehmen, hängt heute im Rahmen von Produktionsketten an Weltmonopolen wie VW (Auto), Siemens (Mischkonzern) oder BASF (Chemie). Vor allem mit Blick auf die Autoindustrie wollen wir im folgenden darlegen, wie diese Produktionsketten aussehen. 

Monopole und internationale Produktionsketten

Die Weltmonopole beherrschen heute in aller Regel international organisierte Produktionsketten (Englisch: „supply chains“). Nach Berechnungen der Bundesbank ist der Anteil aus dem Ausland importierter “Vorleistungsgüter” am Produktionswert in der deutschen Industrie zwischen 1995 und 2014 von knapp 15 auf ca. 24 Prozent gestiegen5. Unter Vorleistungsütern versteht man von anderen Unternehmen bezogener Produktionsmittel, soweit sie zum zirkulierenden Kapital6 gehören: d.h. Rohstoffe, Vorprodukte usw.)

Die Produktionsketten sind pyramidenförmig organisiert – und bestehen von oben nach unten und nach den gängigen Begrifflichkeiten aus: Original Equipment Manufacturers (OEMs, dt.: „Originalgerätehersteller”) – Global Mega Suppliers – First Tier Suppliers – Second Tier Suppliers (dt.: “Zulieferer erster Stufe, zweiter Stufe”) – usw. [Siehe Bild]

In der Autoindustrie z.B. steht an der Spitze einer solchen Produktionspyramide der Volkswagenkonzern, der neben General Motors und Toyota eines der drei großen Auto-Weltmonopole bildet. Die Volkswagen AG verfügt über drei Industriesparten (PKW – LKW – Power Engineering) und die Sparte Finanzdienstleistungen (Händler- und Kundenfinanzierung, Leasing, Versicherungen, Flottengeschäft). Die Fahrzeugproduktion wird durch Tochterfirmen (die Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Porsche, Scania, MAN usw.) durchgeführt. 

Als OEMs fällt in den Funktionsbereich der Marken das Design der Modelle, die Vermarktung, die Endmontage sowie die Entwicklung und Herstellung der technologisch anspruchsvollsten Teile (Motoren, Getriebe). 120 Fertigungsstätten des VW-Konzerns (Endfertigung, Komponentenwerke etc.) befinden sich in 20 Ländern Europas und in 11 Ländern Amerikas, Asiens und Afrikas (mit ingesamt 642.000 Beschäftigten). Die nächste Stufe der Produktionskette bilden die großen Zulieferer (Global Mega Suppliers7), die häufig selbst internationale Monopole sind. Beispiele in der Autoindustrie wären: Bosch, Schaeffler, Continental, ThyssenKrupp, Delphi. Diese Unternehmen können bezüglich anderer Produkte selbst an der Spitze einer Produktionskette stehen. 

Auf die Global Mega Suppliers folgen die First, Second, Third Tier Suppliers, die nach ihrem Grad der Verbindung zum OEM bzw. nach der Technologieintensität der von ihnen hergestellten Komponenten klassifiziert werden (Module – Komponenten – Teile). Häufig gibt es fließende Übergänge. In den oberen Bereichen der Zulieferindustrie konkurrieren mittelständische Unternehmen aus Deutschland, die selbst wiederum weltweite Produktionsstandorte unterhalten können, mit Firmen inner- und außerhalb Europas. Auf der letzten Stufe findet die Produktion von Einzelteilen auf technisch niedrigster Intensitätsstufe statt (Hinterhofproduktion aus aller Welt mit hoher absoluter Mehrwertproduktion).

Der Preisdruck innerhalb der Pyramide nimmt nach unten hin zu: Die Betriebe mit den am wenigsten technologieintensiven Produkten reichen den größten Teil des dort produzierten Mehrwerts nach oben weiter. Dementsprechend nimmt auch die Ausbeutung in Form der Mehrwertrate8 auf den unteren Stufen der Produktionspyramide zu. Dies gilt insbesondere, wenn Teile mit niedriger technologischer Intensität im Ausland produziert werden.

Für die Monopole, die technologieintensive OEMs sind, dient diese verkettete Organisation der Produktion dazu, die organische Zusammensetzung9 des Produktionsprozesses insgesamt zu senken und damit dem dem tendenziellen Fall der Profitrate10 entgegenzuwirken11. Darüber hinaus senkt sie die Umschlagszeit des Kapitals.12

Die internationalisierte Produktion

Die Umstrukturierung der Industrie hin zur vertikalen Desintegration (Bildung spezialisierter Kapitale, bei denen Teile der Produktion juristisch nicht mehr Teil des OEM-Monopols sind) und zum Aufbau internationaler Produktionsketten begann in den 1980er Jahren. Sie wurde begleitet und ermöglicht durch die neoliberale Reform des Welthandels (Abbau von Zollschranken usw.) und die Einführung der ursprünglich aus Japan stammenden lean production Methoden. 

Früher hat die Tendenz zur verstärkten Zentralisation des Kapitals während der Aufschwungphasen des Konjunkturzyklus eher die Form der Bildung von Konglomeraten (branchenübergreifender Zusammenschlüsse) angenommen. Seit den 1980er Jahren finden wir stattdessen die Tendenz zur Spezialisierung und zur Zentralisation innerhalb spezialisierter Bereiche13: Z.B. finden heute die Übernahmeschlachten und die Monopolisierung häufig innerhalb der verschiedenen Ebenen der Produktionspyramide und weniger „von oben nach unten“ statt. Beispiel: Es sind eher Zulieferfirmen, die andere Zulieferfirmen übernehmen statt dem Automonopol an der Spitze der Produktionspyramide (dies ist jedoch nur eine Momentaufnahme und kein allgemeines Gesetz). Es ist heute ebenso üblich, dass auch mittelständische Unternehmen wie Teileproduzenten oder Werkzeugfabriken andere Firmen übernehmen, Produktionsstandorte im Ausland aufbauen usw. Mit anderen Worten: Man greift zu kurz, wenn man nur behauptet, die „Großen“ würden die „Kleinen“ schlucken. Letzterer Punkt zeigt folgendes: 

1. Die Monopolbildung ist eine Tendenz des Kapitals als solchem und nicht nur des führenden Teils der Kapitalisten. Die Monopolisierung der Nischengebiete der industriellen Produktion mit internationaler Expansion auch der mittelgroßen Firmen zeigt, dass der Begriff “nicht-monopolistische Bourgeoisie” für den Mittelstand die Zustände nicht mehr adäquat beschreibt . 

2. Trotzdem bestehen zwischen den verschiedenen Schichten der Bourgeoisie nicht bloß quantitative Unterschiede, sondern Herrschaftsbeziehungen: Die Pyramidenstruktur der globalen Produktionsnetze beschreibt auch die Hierarchie innerhalb der Bourgeoisie. Die Spitze der Pyramide (Finanzoligarchie) ist der Teil der Kapitalisten, denen der gesamte Rest der Gesellschaft, inklusive der unteren Pyramidenstufen, tributpflichtig ist (wobei diese Beziehungen natürlich einer ungleichmäßigen Entwicklung unterliegen). Die Zulieferunternehmen, die selbst Monopole in ihrem Geschäftsfeld sein können, sind vollständig von den Monopolen an der Spitze der Kette abhängig, bekommen von ihnen Preise und Lieferbedingungen diktiert. Der Produktionsverband als Ganzes steht also unter der Kontrolle des Unternehmens an der Spitze, bildet faktisch ein kombiniertes „Über-Unternehmen“, dessen einzelne Bestandteile jedoch juristisch unabhängig sind. Die Tendenz zur Entflechtung und Spezialisierung ist also eine Formveränderung gegenüber den „kombinierten Unternehmen“, die Lenin 1916 in seiner Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ als kennzeichnendes Merkmal des damaligen Kapitalismus beschreibt. Der ökonomische Inhalt bleibt jedoch derselbe: Die Monopole beherrschen Riesenunternehmen, die jedoch aus juristisch unabhängigen Komponenten bestehen. 

3. Diese Formveränderung führt jedoch zur Entwicklung der Widersprüche innerhalb der „Über-Unternehmen“, was die Störanfälligkeit des Produktionsprozesses erhöht: Sind die Zulieferunternehmen nicht bloß ein Unternehmenszweig des Weltmonopols, sondern existieren in der Form eigenständiger Kapitale, sind sie bestrebt, ihren eigenen Mehrwertanteil gegenüber dem Weltmonopol zu erhöhen. Die Just-in-Time-Produktion und der heute übliche Verzicht auf die Anlage von Teilelagern verleiht ihnen zumindest eine kurzfristige Produktionsmacht: Im Jahr 2016 stoppten zwei sächsische Automobilzulieferer der Unternehmensgruppe Prevent wegen eines Streits um Schadenersatzzahlungen die Lieferung von Getriebeteilen und Sitzbezügen an VW. Die Produktion in mehreren VW-Werken musste daraufhin zeitweise stillgelegt werden. Am Ende wurde Prevent per Gericht zur Wiederaufnahme der Produktion gezwungen. Kurz darauf kündigte VW die Lieferverträge mit drei Prevent-Tochterunternehmen. Die Folgen bezahlten schließlich die Beschäftigten in den sächsischen Standorten mit Kurzarbeit und Entlassungen. 

In Hinblick auf die Machtverhältnisse zwischen den Monopolgruppen, aber auch zwischen Kapitalisten und ArbeiterInnenklasse werden mit der Weiterentwicklung der Produktionsketten voraussichtlich zwei Tendenzen an Bedeutung gewinnen:
1. Die Produktionsketten hängen empfindlich vom Funktionieren des Logistiksektors ab (Just-in-time-Produktion, Vermeidung von Lagerkosten). Der Logistikbereich wächst dementsprechend in allen kapitalistischen Ländern bzgl. der Beschäftigtenzahlen (s.u.). Zahlreiche Funktionen aus der Logistik sind Teil des international organisierten Produktionsprozesses. Die Logistik wird damit, zusammengenommen mit der Tendenz zur Konzentration von Niedriglohnarbeit in diesem Bereich, aber auch zum “wunden Punkt” des Produktionsprozesses.

2. Die Entwicklung geht in Richtung der Digitalisierung der Produktionsketten: Das “Internet der Dinge” wird den Kapitalumschlag weiter beschleunigen: Wer die technologische Führerschaft bei Computern, 5G-Netzen, künstlicher Intelligenz, Blockchain etc. innehat, kontrolliert in Zukunft das Funktionieren der Produktionsketten. Das ist bislang eine Schwachstelle des deutschen Kapitalismus gegenüber internationalen Konkurrenten. Aktuell versucht z.B. Bosch, hier Land zu gewinnen14. Hinzu kommt: Weitere Teile der Telekommunikation und Programmierung werden im Zuge dieser Entwicklung zum Bestandteil des unmittelbaren Produktionsprozesses mit der entsprechenden Macht über den Produktionsprozess bei den in diesen Bereichen Beschäftigten.

Deutsche Monopole in der Weltwirtschaft

In der Weltwirtschaft bildeten die Industriesektoren Öl – Autoindustrie – Flugzeugbau (– Rüstung) in den vergangenen Jahrzehnten einen vorherrschenden Gesamtkomplex15, von dem wiederum andere Sektoren (Maschinenbau, Chemieindustrie) abhängen. Eine Reihe von deutschen Industriemonopolen konnte sich in diesem Gesamtkomplex als Weltmonopole etablieren.
Ein Verschwinden des wichtigsten kapitalistischen Konsumguts “Auto” zu erwarten wäre abwegig und entspricht auch nicht der steigenden Produktionsentwicklung. Wohl aber bereiten sich Branche und Staaten auf die Ablösung von Öl und Gas als Hauptenergiequelle und den Umstieg der Autoproduktion auf Elektro- und Hybridautos vor. Das ist nicht zuletzt ein Ausweg aus der sich verschärfenden strukturellen Absatzkrise: Irgendwann sind auch die Märkte in China und Indien übersättigt, während die PKW-Dichten in den westlichen Ländern bereits seit vielen Jahren absurd hoch sind. Gleichzeitig rücken Technologiekonzerne (Google, Apple, Samsung) in die Top 20 der weltweit umsatzstärksten Unternehmen vor.16

Die Folgen dieser Entwicklung lassen sich wie folgt abschätzen:

1. Die Bedeutung neuer, technologisch hochwertiger Massenkonsumgüter (z.B. Computer, Smartphones) nimmt relativ zu.

2. Das Geschäft mit Daten wird zum strategischen Sektor und Ausgangspunkt für die Weltmonopole der Zukunft17

3. Auf dieser Grundlage entwickelt sich die nächste technologische Stufe der Industrieproduktion, die durch digitale Vernetzung und die Anwendung künstlicher Intelligenz geprägt sein wird.

Ein Beispiel für den Umfang des technologische Umbruchs ist das Elektroauto, das eben nicht nur einen anderen Antrieb haben wird, sondern in Zukunft autonom fahren, mit anderen Autos kommunizieren und – vor allem – jede Menge Daten sammeln wird. 

Beide Entwicklungstendenzen – die Produktion von Elektro- statt Benzinfahrzeugen und die wachsende Bedeutung der Technologiekonzerne – kündigen eine Verschiebung bei den weltweiten industriellen Kernsektoren an, nämlich hin zum mutmaßlich vorherrschenden Gesamtkomplex, der grob bestehen könnte aus: Batterieproduktion – Technologie – Elektroautos – Flugzeugbau (– Rüstung). 

Für die Rolle Deutschlands im Weltkapitalismus wird es entscheidend sein, ob die deutschen Weltmonopole ihre Position in diesem sich verändernden Gesamtkomplex aufrechterhalten können. Der Kampf darum mit den USA, China und Japan tobt derzeit sehr heftig.

Zum Verhältnis zwischen Industrie und Dienstleistungen 

Die bürgerliche Unterteilung der Wirtschaftssektoren in einen Rohstoffe produzierenden (primären), industriellen (sekundären) und „Dienstleistungs-“ (tertiären) Sektor arbeitet sich an oberflächlichen Erscheinungen ab und ist für ein Verständnis des Wesens der Bereiche der kapitalistischen Wirtschaft ungeeignet. Sie unterscheidet Industrie und Dienstleistungssektor z.B. vor allem danach, ob materielle oder immaterielle Güter produziert werden. Dies ist aber für die Funktion des jeweiligen Wirtschaftszweiges im Kapitalismus gar nicht entscheidend. 

Aus marxistischer Sicht ist es für den Warencharakter eines Produktes unerheblich, ob es sich um ein Ding handelt, das man sehen und anfassen kann, oder ob Produktion und Benutzung zeitlich zusammenfallen (wie z.B. bei einer Taxifahrt oder einem Haarschnitt beim Friseur). Entscheidend ist, dass die Produktion zur Befriedigung eines gesellschaftlichen Bedürfnisses geschieht – und nicht für den Privatgebrauch (wie z.B. bei den Kräutern, die jemand im Garten für den eigenen Bedarf anbaut). Der Wert einer Ware ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Herstellung der Ware in Relation zur gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit setzt. Kapital und Mehrwert sind ebenfalls gesellschaftliche Verhältnisse: Mehrwert wird überall dort produziert, wo Menschen in einem Lohnarbeitsverhältnis Waren herstellen, d.h. keine Produktionsmittel besitzen außer ihrer Arbeitskraft, diese an die Besitzer der Produktionsmittel verkaufen und im Verlauf ihres Arbeitstages einen größeren Wert als den ihrer Arbeitskraft herstellen. Hier ist es ebenfalls egal, ob die Lohnarbeit in einem Industriebetrieb oder Friseursalon stattfindet. 

Für die Funktionsweise des kapitalistischen Systems müssen die Wirtschaftsbereiche, in denen Mehrwert und damit Wert produziert werden, von denjenigen unterschieden werden, in denen ein bereits produzierter Mehrwert lediglich realisiert wird. Dies ist z.B. der Fall im Handel. Handelskapital fungiert in der sogenannten Zirkulationssphäre: Wenn der Industriekapitalist seinen Mehrwert selbst durch Verkauf realisieren wollte, müsste er Läden aufbauen, Personal dafür einstellen, den Transport selbst organisieren usw. Er müsste also sein investiertes Kapital vergrößern. Stattdessen verkauft er seine Ware an einen Handelskapitalisten, der sie an die KonsumentInnen weiterleitet. Ist die Ware beim Handelskapitalisten, hat der Industriekapitalist sie für sich in neues Geldkapital verwandelt und braucht sich um nichts mehr zu kümmern. Hierdurch beschleunigt der industrielle Kapitalist den Umschlag seines Kapitals und erhöht damit seinen Profit pro Zeit. Dafür tritt er dem Handelskapitalisten jedoch einen Teil seines Mehrwerts ab. Der Profit des Handelskapitalisten entsteht also nicht im Handel, sondern stammt aus der industriellen Produktion. Die Beschäftigten des Handelskapitalisten schaffen selbst keinen Wert und keinen Mehrwert: Vielmehr arbeiten sie einen Teil des Arbeitstages für sich und verhelfen dem Handelskapitalisten während des anderen Teils des Arbeitstages zu einem Anteil des Mehrwerts, der in der Industrie geschaffen wurde. (z.B. die Arbeit von SupermarktverkäuferInnen.) 

Ähnlich verhält es sich im Finanzsektor: Banken sammeln das Geldkapital ein, das ansonsten bei Kapitalist A brachliegen würde, und verleihen es an Kapitalist B, der Investitionen tätigen muss, aber gerade nicht über die entsprechende Menge an Geldkapital verfügt. Dafür kassieren sie Zinsen von B, die aus dem Mehrwert stammen, den die von ihm beschäftigten LohnarbeiterInnen produzieren. Bankangestellte produzieren keinen Mehrwert, sondern verhelfen dem Bankkapitalisten während eines Teils ihres Arbeitstages zu einem Teil des Mehrwerts, der woanders produziert wurde.

Die wirtschaftlichen Tätigkeiten kann man also danach unterscheiden, ob sie innerhalb oder außerhalb der Sphäre der Produktion (im Sinne der Produktion von Werten) stattfinden: Transportarbeit gehört bspw. zur Produktion und schafft Wert, wenn ein industrielles Vorprodukt von Fabrik A zu Fabrik B derselben Produktionskette verbracht wird. Sie gehört zur Zirkulation und schafft keinen neuen Wert, wenn ein fertiges Produkt zum Konsumenten geliefert wird. Beide Sphären können sich innerhalb derselben Tätigkeit mischen, z.B. wenn ein/e LagerarbeiterIn an einem UPS-Stützpunkt in derselben Schicht sowohl Amazon-Lieferungen an den Endverbraucher als auch Industrieteile verlädt.  

Das bedeutet, dass die bürgerlichen Statistiken zur Entwicklung der Beschäftigung in Industrie- und Dienstleistungssektor wenig darüber aussagen, 1. wie groß die ArbeiterInnenklasse heute tatsächlich ist und 2. wie sie sich auf die Bereiche der Produktion und Zirkulation verteilt. Sie sollen stattdessen das Märchen verbreiten, die Produktion spiele nur noch eine untergeordnete Rolle und hätte ihre Bedeutung an den Dienstleistungssektor abgetreten.

Offiziell heißt es z.B., dass die Beschäftigung im produzierende Gewerbe gegenüber den „Dienstleistungen“ massiv zurückgegangen ist (heute in Deutschland: 24,2% gegenüber 74,4%). Dagegen muss man einwenden:

1. gehören Teile dieser „Dienstleistungen“ tatsächlich unmittelbar und mittelbar zum industriellen Produktionsprozess. Dazu gehört z.B. der besonders stark gewachsene Bereich der Instandhaltung des (ebenfalls wachsenden) fixen Kapitals (Reinigung, IT, Telekommunikation usw.) Auch die Zahl der Beschäftigten in der Logistik, die sowohl zur Produktion als auch zur Zirkulation zählt, ist gestiegen (nämlich um 17 % zwischen 2005 und 2015, wobei hier auch leitende Bürotätigkeiten mitgezählt wurden).

2. wird auch in vielen Bereichen der „Dienstleistungen“, die nicht zur Industrie zählen, Mehrwert produziert. Dazu gehören eben all jene Tätigkeiten, die gesellschaftliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigen, im Rahmen von Lohnarbeit ausgeführt werden und weder zur Zirkulation noch zum Finanzwesen gehören, z.B. Taxi- und Uberfahrer, Pflegeberufe u.v.m. Insbesondere zählen hierzu alle Bereiche, in denen Reproduktionstätigkeiten, die früher unentgeltlich von Frauen zu Hause erledigt wurden, zu Waren gemacht worden sind (z.B. Kinderbetreuung und Pflege). Auch dieser Bereich ist bei den „Dienstleistungen“ stark gewachsen. 

3. ist es für die Zugehörigkeit zur ArbeiterInnenklasse unerheblich, ob die Lohntätigkeit in der Sphäre der Produktion oder der Zirkulation angesiedelt ist. Die Lohnarbeit der Supermarktverkäuferin wird ebenso ausgebeutet wie die des Industriearbeiters oder der Bankangestellten, sofern keine/r von den dreien eigene Produktionsmittel besitzt und nur vom Verkauf ihrer Arbeitskraft an einen Kapitalisten lebt. Von ihnen zu unterscheiden ist die Taxifahrerin, die ihren eigenen Wagen fährt oder der Nachhilfelehrer, der auf eigene Rechnung, nicht für ein Plattformunternehmen im Internet arbeitet. Letztere würden, ebenso wie der Kiosbesitzer, zum Kleinbürgertum zählen. 

Das Finanzkapital

Hier besteht dieselbe Tendenz wie bei den Industriemonopolen: Die Form der Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital zum Finanzkapital ändert sich in Richtung einer formellen Entflechtung, während sich bezüglich der realen Machtverhältnisse die Tendenz zur Konzentration der Macht über nahezu das gesamte Kapital bei der Finanzoligarchie fortsetzt. 

Bis Ende der 1990er Jahre hatte die klassische “Deutschland AG” mit hoher innerdeutscher Kapitalverflechtung und den “Multi-Aufsichtsräten” Bestand. [Bild 1] Sie wurde seit 2001 durch staatlichen Eingriff (Einführung der steuerfreien Veräußerung von Beteiligungsgewinnen) entflochten, da sonst ein internationaler Konkurrenznachteil auf den Finanzmärkten bestanden hätte. [Bild 2]

Das Ziel der Entflechtung war es also, internationales Kapital anzuziehen: Seither hat eine Internationalisierung der DAX-Konzerne stattgefunden, d.h. der Auslandsanteil beim Aktienbesitz hat sich erhöht (heute durchschnittlich 57 % bei 22 DAX-Konzernen, die Daten hierüber bereitstellen). 

Aktiengesellschaften sind heute überwiegend in Streubesitz. Die größten Anteile halten Vermögensverwaltungen, ausländische Staatsfonds, Pensionskassen etc., deren Bedeutung an den Finanzmärkten seit der Krise 2007/2008 massiv zugenommen hat (da Banken seither stärker reguliert werden, Vermögensverwaltungen jedoch nicht). Es haben sich an den internationalen Finanzmärkten “Schlachtschiffe”, vor allem aus den USA entwickelt, die Kapital mit einem Volumen von mehreren Billionen Dollar kontrollieren. Das ist die Größenordnung der Bruttoinlandsprodukte ganzer Volkswirtschaften. 

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kontrolle über die deutschen Monopole heute im wesentlichen im Ausland läge. Bei vielen Monopolen gibt es in aller Regel weiterhin „Ankeraktionäre”, welche die Kontrolle behalten: Z.B. bei Volkswagen: Familie Porsche und das Land Niedersachsen. Katar kassiert mit und kann mitreden, kontrolliert VW aber nicht.

Während Deutschland bei den Industriemonopolen weiterhin international führende Positionen einnimmt, haben die europäischen Finanzmonopole seit der letzten Wirtschaftskrise an internationaler Bedeutung eingebüßt. Die Konkurrenzfähigkeit der Deutschen Bank als größtem deutschen Bankmonopol gilt seit Jahren als akut bedroht. Große Vermögensverwaltungen oder Pensionskassen, die sich auf dem Niveau der entsprechenden Gesellschaften aus den USA und anderen Ländern bewegen würden, besitzt Deutschland bislang nicht. Es ist jedoch in der Diskussion, solche Monopole mit staatlicher Hilfe aufzubauen. Lediglich bei den Versicherungen steht die Allianz bezüglich ihrer Bilanzsumme international auf Platz zwei, hinter dem französischen Konkurrenten Axa18

Mittelstand und Handwerk

Ist von „Mittelstand” und „Handwerk” die Rede, ist erst einmal Vorsicht bei den Begrifflichkeiten geboten: Nach offiziellem Sprachgebrauch bezeichnet „Mittelstand” die „Einheit von Eigentum und Leitung”, wird also als Synonym für Familienunternehmen gebraucht. Dazu zählt aber z.B. das Weltmonopol Volkswagen ebenso wie der Solo-Selbständige. 

Ähnlich ist es beim Handwerk: Die Zugehörigkeit zum Handwerk ergibt sich daraus, dass die Tätigkeit des Unternehmens unter die Handwerksordnung fällt. Dementsprechend sind die größten Handwerksunternehmen (Stand 2012): Fielmann, Auto-Teile-Unger, Mercedes-Benz-Vertrieb, BMW-Niederlassungen, Volkswagen Retail, Klüh Gebäudereinigung etc.

Die bürgerliche Darstellung der angeblich zentralen Rolle von Mittelstand und Handwerk für die deutsche Wirtschaft ist eine wichtige politische Erzählung, die Stabilität und Abgrenzung vom „WildWest”- Kapitalismus vermittelt. Die Fortexistenz und Verbreitung von kleinen und mittelgroßen Familienbetrieben in Deutschland konserviert zudem zünftlerisch-patriarchalische Traditionen, die die LohnarbeiterInnen an den eigenen Betrieb binden, sowie die aus dem Feudalismus stammende lokale Borniertheit („Kirchturm”-Perspektive). In dieses scheinbare Idyll des rheinischen Kapitalismus konnten in der Geschichte auch schon mehrfach Generationen von ArbeitsmigrantInnen integriert werden.

Was steckt aber tatsächlich dahinter? Ökonomisch existieren kleine und mittlere Unternehmen im Zuge der Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und globaler Produktionsketten vor allem fort, insofern es ihnen gelingt, sich als Hersteller hochspezialisierter Produkte eine Stellung in diesen Produktionsketten zu erkämpfen (Spezialmaschinen, Spezialschrauben, Spezialbleche usw.). Ihre Existenz ist damit verknüpft mit der technologischen Führerschaft Deutschlands und dem Erfolg der deutschen Weltmonopole. Letztlich besteht aber auch hier der Zwang zu Konzentration und Zentralisation und die Tendenz zur Monopolbildung. Hinter der häufig noch familiengeführten Struktur der Unternehmen steht dementsprechend immer häufiger eine Beteiligung und Finanzierung durch Banken und Investmentgesellschaften, ohne welche die Konzenration und Zentralisation dieser Kapitale nicht möglich wäre. Und: Wie oben gesehen, sind sie faktisch nur Bestandteile größerer „Über”-Unternehmen unter der Kontrolle der großen Industrie-Weltmonopole. Es ist also das Finanzkapital, das hier in letzter Instanz die Kontrolle hat. Die „Idylle” des vom Patriarchen geführten Familienunternehmens ist damit Fassade.

Bezüglich des Handwerks setzt sich auch hier die Tendenz zur Konzentration und Zentralisation durch, jedoch regional und branchenabhängig teilweise stark verzögert. Historisch ist der Handwerksmarkt durch Innungen und Handwerkskammern stark reglementiert. Handwerkskammern kontrollieren die Ausbildung und die Vergabe von Meisterbriefen und damit das Recht, Betriebe zu gründen. Damit ist die freie Konkurrenz in diesem Bereich unterbunden. Mit der Handwerksnovelle von 2004 wurde der Meisterzwang jedoch in 53 Handwerksberufen aufgehoben, sodass dort eine “normale” kapitalistische Entwicklung stattfinden konnte: Die Zahl der Betriebsneugründungen ging zunächst nach oben (die Zahl der Handwerksbetriebe ist seit 1997 von 840.000 auf ca. 1.000.000 angewachsen). Dann setzt die Tendenz zur Konzentration und Zentralisation ein. Heute gibt es z.B. eine fortgeschrittene Monopolisierung bei KfZ-Werkstätten in Form von Retail und Niederlassungen, bei Gebäudereinigungsunternehmen und Bäckereien – während die Betriebszahl beim typischen Dorf-/Stadtteilhandwerk Fliesenleger, Maler/Tapezierer etc. konstant geblieben ist.

Dort, wo die Konzentration und Zentralisation wenig ausgeprägt ist, liegt das vor allem daran, dass die Struktur der jeweiligen Dienstleistung und die Zersplitterung der Märkte ein Eindringen großer Kapitale bislang nicht rentabel machen. Das gilt vor allem für die oben genannten häuslichen Dienstleistungen: Fliesenleger, Maler etc. Diese Betriebsstrukturen mit sehr niedriger organischer Zusammensetzung, in denen kaum Skaleneffekte ausgenutzt werden können, machen es für große Kapitale unrentabel, hier reinzugehen. Hier macht es mehr Sinn, das unternehmerische Risiko und unproduktive Arbeit, Bürokratie, fixes Kapital in Form von betrieblichen Räumlichkeiten, etc. auf kleine Betriebe auszulagern und den produzierten Wert lieber über den Großhandel und Kredite abzugreifen. Mit dem allgemeinen Absinken der Profitrate sinkt die Bedeutung derartiger hemmender Faktoren jedoch und das Kapital dringt in Bereiche ein, die bisher unrentabel waren.

Die relative Stabilität der mittelständischen Unternehmensstruktur (die wiederum am Erfolg der Weltmonopole hängt) stabilisiert zudem kleinbürgerliche Dorf- und Stadtrandstrukturen, in denen sich díe Handwerksmeister durch Netzwerke, Schwarzarbeit etc. bislang eine solide Stellung gesichert haben. 

Nicht zuletzt gibt es innerhalb der migrantischen Bevölkerungsteile eine vergleichsweise hohe Tendenz zur Gründung von Kleinunternehmen (Handwerk, Handel, Kiosk, Gastronomie, …), was neben mitgebrachten Traditionen aus den Herkunftsländern an der besonderen Unterdrückung, insbesondere den oftmals mangelnden Chancen auf gute Jobs in Unternehmen liegt. 

Das sind die wichtigsten Bedingungen für die nach wie vor hohe Zahl an Kleinbetrieben in Deutschland. Bezüglich der Beschäftigtenzahlen werden trotz allem die Branchen mit fortgeschrittener Konzentration vorherrschend. Die größten Handwerksberufe nach Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind: Gebäudereinigung (640.000), Maschinenbau/Betriebstechnik (618.000), Köche/Köchinnen (462.000) und Metallbearbeitung (392.000). 

Landwirtschaft

Die Zentralisation in der Landwirtschaft ist massiv vorangeschritten, wenn auch mit erheblichen regionalen Unterschieden: Ostdeutschland ist besonders stark von landwirtschaftlichen Großbetrieben geprägt, die von Agrarunternehmen kontrolliert werden. Der Anteil des Raps- und Sojaanbaus als Nutzpflanzen für die Energieproduktion ist hier besonders stark ausgeprägt. Agrarunternehmen sind hier gleichzeitig größere Stromproduzenten (während die Dichte kleinerer Biogasanlagen vor allem in West- und Süddeutschland besonders hoch ist). 

Insbesondere in Süddeutschland gibt es demgegenüber noch vergleichsweise viele Familienunternehmen, die jedoch stetig dezimiert werden. Der Existenzkampf der Einzelbauern, die von den Nahrungsmittelkonzernen gezwungen werden, ihre Erzeugnisse zu Dumpingpreisen abzugeben, ist in den letzten Jahren vor allem durch heftige Kämpfe der Milchbauern in die Öffentlichkeit getragen worden. Konservierende Faktoren für den Erhalt von Einzelbauernbetrieben sind ähnlich wie oben beim Handwerk: Auslagerung des unternehmerischen Risikos aus Sicht großer Kapitale z.B. durch Ernteausfälle bei der Produktion von Primärerzeugnissen sowie die Möglichkeit des Betriebserhalts durch spezialisierte Produktion. Die Bauern, die es schaffen, sich auf diese Art wirtschaftlich zu halten, sind jedoch kapitalistische Unternehmer – wenn auch am unteren Ende der Produktionspyramide – und keine kleinen Warenproduzenten mehr. Von letzteren existieren nur noch letzte versprengte Überreste, die wirtschaftlich auf Dauer nicht überlebensfähig sind. Insgesamt können wir also feststellen, dass es eine Bauernklasse in Deutschland nicht mehr gibt.

Einige Zahlen zur Landwirtschaft im einzelnen:19

52% der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt! Diese Fläche hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren kaum verringert. Gleichzeitig gibt es aber einen Rückgang der Betriebe im selben Zeitraum von 654.000 auf 288.000. Dieser Rückgang fand vor allem bei den familiengeführten Betrieben in Westdeutschland statt, während in Ostdeutschland die Zahl der Betriebe mit ca. 30.000 relativ konstant geblieben ist (hier wurden nach der Annektion der DDR landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften – LPGs – vorwiegend in Agrargenossenschaften umgewandelt, die einfach kapitalistische Unternehmen sind). 

Heute bewirtschaften 9% der Betriebe mehr als die Hälfte der Nutzfläche. Die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe beträgt in Deutschland: 58 ha. In Mecklenburg-Vorpommern liegt sie dabei mit 286 ha besonders hoch, in Baden-Württemberg und Bayern mit ca. 33 ha besonders niedrig.

Bezüglich der Beschäftigung gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen kontinuierlichen Rückgang: Heute sind ca. 1,4% der Erwerbstätigen (= ca. 650.000) in der Landwirtschaft tätig (gegenüber 2.3 % 1995, 24.6 % 1950, 38 % 1900). Die Zahl der Arbeitskräfte liegt insgesamt bei 936.000 (2016), davon 446.000 Familienarbeitskräfte, 203.600 ständig angestellte Arbeitskräfte und 286.000 Saisonarbeitskräfte (letztere werden bei den Erwerbstätigen nicht mitgezählt). 

Auch bei der Beschäftigung gibt es große regionale Unterschiede: 77% der in der Landwirtschaft Beschäftigten in Bayern sind Familienarbeitskräfte, während in Ostdeutschland über 50% der Beschäftigten „ständige Arbeitskräfte”, d.h. LohnarbeiterInnen bei den kapitalistischen Agrarbetrieben sind. Familienarbeitskräfte sind nur zu 35% vollbeschäftigt, „ständige Arbeitskräfte” hingegen zu 62%. Der Grad der Vollbeschäftigung steigt mit zunehmender Betriebsgröße an.

Die SaisonarbeiterInnen in der Landwirtschaft sind zu 90% nichtdeutscher Herkunft. Früher kamen diese vorwiegend aus Polen, heute vorwiegend aus Rumänien. 

Die Landwirtschaft macht nur noch 0.8% des deutschen Bruttoinlandsproduktes aus. Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Nahrungsmitteln liegt gleichzeitig – bei starken jährlichen Schwankung– mit 87% sehr hoch. Trotzdem ist Deutschland Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern, was sich aus dem Exportgeschäft erklärt: Da Deutschland z.B. viel Geflügel- und Schweinefleisch exportiert, besteht ein hoher Bedarf an importierten Futtermitteln wie Getreide und Soja. 

Die wichtigsten Segmente der Landwirtschaft sind nach Umsatz: Gemischte Landwirtschaft; landwirtschaftliche Dienstleistungen; Anbau von Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten; Haltung von Geflügel; Schweine; Milchkühe; Wein- und Tafeltrauben, …

Die Produktivität in der Landwirtschaft hat sich massiv erhöht: Der Hektarertrag für Weizen hat sich seit 1900 vervierfacht. Ein Landwirt ernährte 1900 vier Personen, heute knapp 130. Der Erlösanteil der Landwirte sinkt dabei langfristig: Heute liegt er bei 25% gegenüber 47,5% im Jahr 1970. Er schwankt dabei zwischen 40% bei Eiern und 7% bei Broterzeugnissen.

Landwirtschaftliche Unternehmen haben einen Anteil von 11% an der Produktion erneuerbarer Energien (75% bei Biogas, 25% bei Photovoltaikanlagen). 20,2% der Ackerfläche werden für landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnnung und zur stofflichen Vewertung verwendet (v.a. Raps, Silomais). Dies ist besonders in Ostdeutschland sehr ausgeprägt. 

Staat

Der deutsche Staat spielt heute eine gewaltige Rolle für das Funktionieren des kapitalistischen Produktionsprozess, sowie die Produktion und Reproduktion der Arbeitskraft. Der deutsche Staat organisiert die Infrastruktur, die für die kapitalistische Produktion und das Leben der Arbeitskräfte benötigt wird. Er kümmert sich des weiteren um die Ausbildung und kulturelle Bildung von Arbeitskräften sowie um die anschließende Verwaltung und Verteilung der Arbeitskräfte. Er garantiert eine stabile Währung und agiert als Versicherung der Monopole. Nach außen vertritt der deutsche Staatdie Monopole im internationalen Konkurrenzkampf. Zuletzt ist der Staat auch selbst wirtschaftlich durch Staatskonzerne und Staatsbeteiligungen aktiv. All diese Elemente werden ausführlich im Teil „Der deutsche imperialistische Staatsapparat“analysiert (Ab Seite 27f). An dieser Stelle sei nur Angemerkt, dass der deutsche Staat auch der größte „Arbeitgeber“ in Deutschland ist: Rund 4,7 Millionen Menschen arbeiten im öffentlichen Dienst.

Kirchen

Auf den Staat als größten “Arbeitgeber” folgen die Kirchen mit insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigten, die meisten davon bei Caritas (600.000) und Diakonie (460.000).

Die katholische und evangelische Kirche, die in der Presse auch schon als “Wirtschaftsbetriebe mit religiösem Etikett” bezeichnet worden sind, betreiben Krankenhäuser, Hospize, Jugend- und Altersheime, aber auch Banken, Versicherungen, Brauereien und Weingüter. Sie sind mit insgesamt 830.000 Hektar die größten Wald- und Grundbesitzer in Deutschland und besitzen nach Schätzungen 87.000 Immobilien. Eine genaue Aufstellung über ihre Besitztümer existiert nicht. Das Volumen ihrer Geschäfte wird jedoch auf 129 Milliarden Euro jährlich geschätzt und liegt damit in derselben Größenordnung wie der Umsatz der Autoindustrie. Sie profitieren von rechtlichen Sonderregelungen wie dem Gemeinnützigkeitsrecht und besonders stark beschnittenen Arbeiterrechten20

Ähnlich dem öffentlichen Dienst dienen sie – neben ihrer ideologischen Funktion – auch sozial als Stabilitätsfaktor. Teile des Wohlfahrtssystems stützen sich auf die Kirche. Das wird sich ändern, wenn z.B. der Gesundheits- und Pflegesektor in Zukunft stärker von regulären kapitalistischen Monopolen übernommen wird. Dies ist die Entwicklungstendenz bei Krankenhäusern und Pflegeheimen in den letzten Jahren (Krankenhäuser: steigende Zahl von privaten Einrichtungen bei sinkender Zahl von öffentlichen/gemeinnützigen. Pflegeheime: stagnierende Zahl an öffentlich getragenen Einrichtungen, leicht wachsende Tendenz bei gemeinnützigen, stärker steigende Tendenz bei privaten).

Informeller Sektor und organisierte Krimalität

Informeller Sektor und Schattenwirtschaft wurden in den letzten Jahren mit sinkender Tendenz auf ein Volumen von 10% des Bruttoinlandsproduktes geschätzt. Darunter fallen alle Aktivitäten, die nicht gemeldet sind und nicht versteuert werden: Der Umfang dieses Bereichs reicht also von der unversteuerten Haushaltshilfe bis zur organisierten Kriminalität. Die unversteuerten, informellen Tätigkeiten wie Nachhilfe, Haushaltshilfe, Lieferdienste usw. versucht das Kapital über das Modell der Plattformtätigkeiten zu erobern (s.u.).

Das geschäftliche Gesamtvolumen des organisierten Verbrechens lässt sich nur schwer schätzen. Größter Einzelposten ist und bleibt aber der Rauschgifthandel mit über 35% der erfassten Straftatbestände laut Bundeskriminalamt, gefolgt von Wirtschaftskriminalität (14,8%), Steuer- und Zollkriminalität (7,6%) und Schleuseraktivitäten (6,8%). Eine wachsende Rolle wird der Manipulation von Ergebnissen im Fußball zugeschrieben. Diese Zahlen können jedoch nur einen sehr groben Überblick über die Aktivitäten der Mafia-Strukturen liefern. 

Letztere bilden heute globale Monopolunternehmen, die von Clans geführt werden, die ihren Stammsitz vor allem in Italien (Cosa Nostra, Camorra, ‘Ndrangheta), in der ehemaligen UdSSR, auf dem Balkan, in Lateinamerika (Cali-Kartell, Medellín-Kartell, Los Zetas), den USA und Asien (chinesische Triaden, japanische Yakuza) haben. Häufig bilden diese Organisationen „kombinierte Unternehmen”, die im Rauschgift-, Waffen- und Menschenhandel sowie anderen „Geschäften” aktiv sind: Geflüchtete z.B. werden häufig von ihren Schleuserorganisationen als Drogenkuriere mißbraucht, in die Prostitution oder als Arbeitssklaven verkauft. Die Tendenz in der organisierten Kriminalität geht seit Jahren zu internationalen Kartellabsprachen und Kooperation. 

Eine wichtige Rolle in Deutschland spielen auch „Rockerbanden“ (Hells Angels, Bandidos). Schnittstelle zur legalen kapitalistischen Wirtschaft ist in Deutschland vor allem das Immobiliengeschäft, da hier (z.B. im Gegensatz zu Italien) bislang kein Nachweis über die legale Herkunft von Geldern erforderlich war.

Wie verändern sich die Betriebe?

Eine (vorerst) letzte Frage zur Struktur des Kapitalismus in Deutschland wäre: Verschwindet der Betrieb? Betriebe fassen wir hier als „geographische Orte” auf und nicht im juristischen Sinne, da es letztlich um die Frage geht, inwieweit das Kapital weiterhin LohnarbeiterInnen im Arbeitsprozess zusammenbringt oder voneinander entfernt – was erhebliche strategische und taktische Konsequenzen für die ArbeiterInnenbewegung hat. 

Vorweg können wir sagen: Betrachten wir die verschiedenen Tendenzen des Kapitals zur Konzentration und Auflösung von klassischen Betrieben, ergibt sich ein differenziertes Bild.

Grundlegend gilt: Variables Kapital ist die alleinige Quelle von Mehrwert. Die vollautomatisierte Fabrik ohne jegliches Personal ist daher unter kapitalistischen Bedingungen schon rein ökonomisch immer nur eine Abstraktion, die zu Ende gedachte Tendenz in der Entwicklung der Produktivität, und kein realisierbarer Zustand. Es muss daher auch immer geographische Orte geben, an denen variables Kapital zur Anwendung gebracht wird, ob nun zentral oder dezentral. Nun zu den verschiedenen Tendenzen im einzelnen: 

In der Industrie:

1. Die maschinisierte Produktion von Gütern hoher technologischer Intensität (z.B. Autos, Computer, Smartphones) erfordert das geographische Zusammenkommen von LohnarbeiterInnen.

Auch bei einem fortgeschrittenem Entwicklungsstand der Automatisierung und z.B. des 3D-Drucks wird es immer noch unumgänglich sein, dass im Kernbereich der kapitalistischen Produktionsweise – der Industrie – die Teile von Autos, Panzern, Flugzeugen, Schiffen, Maschinen, aber auch den Komponenten Motoren, Getriebe etc. entweder von kundigen FacharbeiterInnen oder von Robotern unter entsprechender Aufsicht physisch zusammengefügt werden. Das macht den entsprechenden geographischen Ort, an dem das geschieht – den Betrieb – weiter erforderlich.

Hierbei gibt es die folgenden Tendenzen:  

– Kapitalistische Akkumulation: Der produzierte Mehrwert wandert in die erweiterte Reproduktion und den Aufbau von Überkapazitäten (siehe z.B. die wachsenden Produktionszahlen in der Autoindustrie bei jahrzehntelanger relativ konstanter Beschäftigung). Überkapazitäten werden in Krisen gewaltsam abgebaut. Kapital zieht Lohnarbeit an und stößt sie wieder ab. Die Entwicklung in den Betrieben entspricht dem grundsätzlich, wobei hier verschiedene Formen zur Anwendung kommen. In Krisen findet die Erneuerung des fixen Kapitals statt. Ggf. gibt es Betriebsstilllegungen, bei Erholung ggf. Aufbau neuer Betriebe an anderen Orten. Wachsen der Produktivität: Mit Wachstum des Gesamtkapitals ändert sich seine Zusammensetzung (relativ mehr konstantes, weniger variables Kapital). 

– Spezialisierung: Kapitalistische Unternehmen strukturieren die Form der Arbeitsverhältnisse bei gegebener technischer Grundlage so um, dass a) ökonomisch die Kosten für das variable Kapital gesenkt, b) das Anziehen und Abstoßen von Lohnarbeit entsprechend dem letzten Absatz vereinfacht wird und c) politisch die ArbeiterInnen auseinandergerissen werden (z.B. Leiharbeit, Werkveträge, Auslagerung von Funktionen wie Wartung, Reinigung, Telekommunikation, Sicherheitspersonal an Fremdfirmen). All das verhindert nicht, dass Beschäftigte geographisch zusammenkommen müssen, sondern ist der kapitalistische Umgang damit. Stammbeschäftigte und LeiharbeiterInnen arbeiten weiter unter einem Dach, wobei die Kapitalisten erfinderisch dabei sind, sie zu separieren (z.B. verschiedene Schichten, Abteilungen, Tätigkeiten; ständige Neuzusammensetzung der LeiharbeiterInnengruppen etc.) 

– wachsendes fixes Kapital erfordert mehr technische Betreuung, Instandhaltung, Reinigung (was zum Anwachsen der Beschäftigung in den entsprechenden Bereichen führt, s.o.)

– administrative und bestimmte Überwachungstätigkeiten können mit der Digitalisierung zukünftig auch in der Produktion vermehrt per Fernzugriff oder selbstgesteuert erledigt werden (Der Stand im Jahr 2012 war: 37% der mittelständischen Unternehmen in Deutschland bieten Arbeitsmodelle wie Homeoffice an). 12% aller abhängig Beschäftigten arbeiten überwiegend oder teilweise von zu Hause aus. Dies sind vorwiegend Beschäftigte mit höherer beruflicher Qualifikation in Dienstleistungsbereichen und bei Großunternehmen, weniger bei Banken und Versicherungen sowie im öffentlichen Dienst. Eine Stärkung der Heimarbeit in der Zukunft ist zu erwarten.

2. Auseinanderreißen des Produktionsprozesses und Spezialisierung an unterschiedlichen Orten: Früher unter einem Dach befindliche Prozessstufen innerhalb der Produktion werden auseinandergerissen zwecks Senkung der organischen Zusammensetzung des Kapitals und zur Senkung der Umschlagszeit (s.o.). Hierbei entstehen (teils) neue Betriebe an anderen Orten, wobei deren Tendenz zum Wachstum in Aufschwungphasen und zum langfristigen Schrumpfen mit wachsender Produktivität erneut beginnt. Entwicklung von Betrieben verläuft wie die Kapitalbewegung: Akkumulation nicht nur in der Form von Zentralisation, sondern auch: „Ableger reißen sich von den Originalkapitalen los und fungieren als neue, selbständige Kapitale”21 Hierbei sehen wir folgende Tendenzen: 

– im Rahmen globaler Produktionsketten entstehen neue Betriebe in anderen Erdteilen, in denen mit niedriger organischer Zusammensetzung und auf niedrigem Lohnniveau produziert wird. Hier bringt das Kapital LohnarbeiterInnen gerade zusammen, um die absolute Mehrwertproduktion zu steigern.

– Produkte niedriger technologischer Intensität (Kugelschreiber o.ä.) werden teilweise in Heimarbeit ausgelagert (und zwar sowohl in Kolonien als auch in imperialistischen Zentren). Dies ist ökonomisch aber eher eine Randerscheinung und wird dies auch voraussichtlich bleiben. 

– Der internationalisierte Produktionsprozess bläht den Transport- und Logistiksektor auf. Die Logistik konzentriert sich in der Nähe großer Städte: Erstens wegen des Zugangs zu Häfen, Flughäfen etc. Zweitens besteht wegen hoher (staatlicher) Investionen in Flughäfen, Häfen, Straßen- und Bahnnetze besonderer Druck, den variablen Kapitalteil und damit die Arbeitslöhne zu senken und Bedürfnis nach großer industrieller Reservearmee, insbesondere um schwankenden Bedarf nach Arbeitskraft kostengünstig befriedigen zu können. Die Logitikbetriebe ziehen in der Konsequenz in urbane Ballungsgebiete (in den USA statistisch dargelegt z.B. für Los Angeles, Chicago, Memphis)22. Im Handel, bei Banken, Versicherungen: Allgemein ist auch hier die beschriebene wechselhafte Bewegung aus Konzentration und Zerstreuung zu beobachten – einige Beispiele: 

Handel:

– der wachsende Anteil des Online-Handels am Handelsumsatz treibt die Entstehung neuer Logistikzentren voran (Amazon: 12.000 festangestellte Beschäftigte in neun Logistikzentren in Deutschland.Mittlerweile sind drei neue dazugekommen).

– die Zahl der Shopping Malls in Deutschland ist gestiegen von 2 (1965) über 279 (2000) auf 479 (2017). Aktuell gibt es 14 Factory-Outlet-Center 16 weitere sind in Plaung. Die Zahl der Kauf- und Warenhäuser à la Kaufhof ist gleichzeitig gesunken (von 290 in 2004 auf 180 in 2013). Es findet also eine Konzentration von Beschäftigten im Handel gegenüber dem Einzelhandel in Innenstädten statt, jedoch in der Form einer Vielzahl von Firmen an einem Ort (Shopping-Mall). 

Im Bankensektor ist die Zahl an Direktbanken (ohne Filialen) gewachsen: Entwicklung von 3,9 Mio. Kunden (2000) auf 18,2 (2015). Auch bei regulären Banken und Sparkassen findet ein Abbau des Filialnetzes statt: In der Folge wird es weniger Personal geben, das dafür aber auch an weniger Orten konzentriert ist.

– Die physische Präsenz einer Menge von Beschäftigten wird auch in anderen Sektoren (z.B. Krankenhäusern) weder wegautomatisiert noch outgesourct werden können.

– Online-Dienste (Uber, Amazon Flex, Tutoria u.ä.): Einerseits gibt es die Auslagerung von Lohnarbeit z.B. zur Einsparung von fixem Kapital (Uber, Amazon Flex) oder Kapital verleibt sich frühere dezentrale oder informelle Tätigkeiten als Lohnarbeit ein (Nachhilfe, Babysitten, Deliveroo, Foodora, etc.). Hier entsteht Lohnarbeit teilweise ohne formale Anstellung oder irgendwelche Ansprüche (Maximalarbeitszeit, Entgeltfortzahlung, Urlaub). 

Fassen wir anhand dieser (noch lange nicht vollständigen) Betrachtung unsere Ergebnisse also zusammen: Kapitalistische Betriebe als geographische Orte, an denen LohnarbeiterInnen im Arbeitsprozess zusammenkommen, verschwinden nur lokal / national und in Bezug auf bestimmte Branchen. Global gilt das Wechselspiel des Kapitals aus Konzentration und Zerstreuung auch für die Betriebe. Mit dem “Losreißen” und der Verselbständigung neuer Kapitale entstehen neue Betriebe, die entsprechend dem kapitalistischen Zyklus Arbeitskraft anziehen und abstoßen (Bsp.: Abnahme der “klassischen” Produktionsjobs bei gleichzeitigem Wachstum der Transport- und Logistiktätigkeiten). Betriebe entstehen ferner neu als weitere Niederlassungen bestehender Kapitale oder in der Form von Tochterfirmen. Ansonsten gilt die Verlangsamung und Verkürzung des betrieblichen Wachstums mit zunehmender organischer Zusammensetzung des Kapitals. Im Zuge des Wechselspiels aus Konzentration und Zerstreuung vervielfältigen sich mit der Entwicklung der Produktivkräfte die Formen der Betriebe und der betrieblichen Arbeitsprozesse sowie die Formen, in denen die zeitweise Eingliederung der industriellen Reservearmee in den kapitalistischen Produktionsprozess organisiert wird (klassische Industriebetriebe mit einheitlicher oder gemischter Belegschaft, Leiharbeit, Werkverträge, Subunternehmen, Heimarbeit, Online-Dienste etc.). Global zeichnet sich in der Tendenz eine Bewegung der Betriebe mit niedriger organischer Zusammensetzung des Kapitals in die abhängigen Staaten ab, während Betriebe mit hoher organischer Zusammensetzung entsprechend der oben genannten Struktur der globalen Produktionsketten eher in den imperialistischen Zentren konzentriert bleiben.

1 Demgegenüber gibt es z.B. nur 17.000 Unternehmen, die sich mehrheitlich in öffentlicher Hand befinden. Zahlen aus:         https://www.familienunternehmen.de/de/daten-fakten-zahlen

2 Marx, Das Kapital I, MEW 23, S. 327

3 Wem diese Zahlen immer noch klein vorkommen, sollte sich vor Augen führen, dass ein großer Teil der ArbeiterInnenklasse im Kapitalismus immer schon im nicht-industriellen Bereich beschäftigt war. Wie wir weiter unten sehen werden, ist z.B. der Staat heute nach wie vor der größte “Arbeitgeber“ in Deutschland. Zahlen aus: “So abhängig ist Deutschland von der Autoindustrie”, Link: orange.handelsblatt.com/artikel/31174

4 Hier könnte jedoch ein Umbruch vor der Tür stehen: Opel Bochum ist bereits dichtgemacht, Ford Köln hat die Nachtschicht abgeschafft und VW hat angekündigt, in den kommenden Jahren 10% Stellen abzubauen. Zahlen im Text aus: Winfried Wolf, “Weltwirtschaftskrise & Krise der Autoindustrie”, Lunapark 21 Extra, Oktober 2009

5 “Zu den Auswirkungen der Internationalisierung deutscher Unternehmen auf die inländische Investitionstätigkeit”,Deutsche Bundesbank, Monatsbericht, Januar 2018

6 „Zirkulierendes Kapital heißt jener Teil des produktiven Kapitals, dessen Wert auf die Ware im Verlaufe einer Produktionsperiode vollständig übertragen wird und bei der Realisierung der Ware wieder ganz in Geldform zum Kapitalisten zurückkehrt (mit Einschluß des Mehrwerts).“ (Lehrbuch der politischen Ökonomie, Dietz 1955, S. 175)

7 Die Global Mega Suppliers werden in der ökonomischen Literatur auch häufig einfach zu den First-Tier Suppliers gezählt.

8 “Die Mehrwertrate ist das in einem Prozentsatz ausgedrückte Verhältnis des Mehrwerts zum variablen Kapital. Die Mehrwertrate zeigt, in welcher Proportion sich die vom Arbeiter aufgewandte Arbeit in die notwendige und die Mehrarbeit teilt, mit anderen Worten, welchen Teil des Arbeitstages der Proletarier arbeitet, um den Wert seiner Arbeitskraft zu ersetzen und welchen Teil des Arbeitstages er unentgeltlich für den Kapitalisten arbeitet.“ (Lehrbuch der politischen Ökonomie, S. 131 f.)

9 “Das Verhältnis zwischen dem konstanten und dem variablen Kapital, soweit es durch das Verhältnis zwischen der Masse der Produktionsmittel und der lebendigen Arbeitskraft bestimmt wird, heißt organische Zusammensetzung des Kapitals. Nehmen wir als Beispiel ein Kapital von 100.000 Pfund Sterling. 80.000 Pfund Sterling aus dieser Summe sollen für Gebäude, Maschinen, Rohstoffe, usw. und 20.000 Pfund Sterling für Löhne aufgewandt werden. Dann ist die organische Zusammensetzung des Kapitals 80 c : 20 v oder 4 : 1. (…) Mit der Akkumulation des Kapitals wächst die organische Zusammensetzung des Kapitals.“ (Lehrbuch der politischen Ökonomie, S. 160 f.)

10 Die Profitrate ist das in Prozenten ausgedrückte Verhältnis des Mehrwerts zu dem vorgeschossenen Gesamtkapital. Wenn zum Beispiel das gesamte vorgeschossene Kapital 200.000 Dollar beträgt und der Jahresprofit 40.000 Dollar, so ist die Profitrate 40.000/200.000*100 oder 20 %.“ (Lehrbuch der politischen Ökonomie, S. 180)

11 vgl. “The stage of imperialist globalization”, Red Dawn 14, Oktober 2017, Internationales theoretisches Organ der MLKP

12 Umschlag des Kapitals heißt sein Kreislauf, betrachtet nicht als einmaliger Vorgang, sondern als periodisch sich erneuernder und wiederholender Prozess. Die Umschlagszeit des Kapitals ist die Summe seiner Produktions- und Umlaufzeit. Mit anderen Worten, die Umschlagszeit ist der Zeitabschnitt von dem Augenblick des Vorschusses des Kapitals in einer bestimmten Form bis zu dem Augenblick, da das Kapital zu dem Kapitalisten in derselben Form, doch um die Höhe des Mehrwerts gewachsen, zurückkehrt.“ (Lehrbuch der politischen Ökonomie, S. 174)

13 vgl. Kim Moody, “On new terrain – How capital is reshaping the battleground of class war”, Haymarket (2017)

14 vgl. Handelsblatt v. 25.03.18: “Wie sich Bosch als IT-Konzern neu erfindet”

15 Etwa 50-60 Prozent des addierten Umsatzes der 100 größten Konzerne der Welt entfielen mit Stand 2009 auf Ölförderung, Ölverarbeitung, Autoindustrie und Flugzeugbau. (W.Wolf)

16 Fortune Global 500 aus 2016: 1. Walmart (Handel, USA), 2. State Grid (Netzbetreiber, China), 3. Google (Software, USA), 4. Sinopec (Öl und Gas, China), 5. Royal Dutch Shell (Öl und Gas, Niederlande), 6. ExxonMobil (Öl und Gas, USA), 7. Volkswagen (Auto, Deutschland), 8. Toyota (Auto, Japan), 9. Apple (Technologie, USA), 10. BP (Öl und Gas, UK), …, 13. Samsung (Technologie, Südkorea)]

17 Das bedeutet nicht, dass das Öl völlig an Bedeutung verlieren wird. Neben seiner Funktion u.a. für die Chemieindustrie wurde in der Batterieproduktion noch lange keine vergleichbare Energiedichte wie beim Öl erreicht

18 “Wem gehört die Welt?”, Knaus 2016, S. 306

19 Zahlen aus: “Informationen zur deutschen Landwirtschaft”, information.medien.agrar e.V., www.ima-agrar.de

20 Die Kirche als Unternehmen – Wirtschaftsbetriebe mit religiösen Etikett”, http://www.deutschlandfunk.de/die-kirche-als-unternehmen-wirtschaftsbetriebe-mit.769.de

21 Karl Marx, Das Kapital Bd. I, S. 653

22 vgl. Moody

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