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Grundschulung Geschichte

Moderne Einführung in die Menschheitsgeschichte aus marxistischer Sicht

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Um die Welt zu verändern muss man verstehen wie sie funktioniert. Die theoretische Grundlage dafür bildet der wissenschaftliche Kommunismus. Als Kommunistischer Aufbau haben wir uns deshalb an die Arbeit gemacht, verständliche Grundschulungen auszuarbeiten, die einen Einblick in die wichtigsten Bereiche der kommunistischen Weltanschauung geben. Darin werden die zentralen Thesen der Kommunisten nachvollziehbar herausgearbeitet und anhand von aktuellen Beispielen erklärt.

Die Grundschulungen können alleine gelesen oder im kollektiv diskutiert werden. Solltet ihr interesse an einer kollektiven Schulung durch eine/n unserer GenossInnen haben, meldet euch unter info@komaufbau.org.

An dieser Stelle findet ihr die Grundschulung zum Thema “Die Geschichte aus marxistischer Sicht”

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Inhaltsverzeichnis

1. Die drei Bestandteile des Marxis­mus und seine Quellen | Seite 2

2. Vom Urkommunismus zur sozialen Revolution | Seite 5

3. Zeittafel | Seite 27
4. Literatur | Seite 30

1. Die drei Bestandteile des Marxismus

Der Marxismus ist weder vom Himmel gefallen, noch in den Köpfen genialer Menschenent­standen. Die Arbeit, die Marx und En­gels in den 40er Jahren des 19.Jahr­hunderts be­gonnen hatten, bestand darin, dass sie die bereits vor­handenen Theo­rien und Diskussionen im Be­reich der Philosophie, der politischen Ökonomie und des Sozialismus analysierten, kritisierten, und durch diese Kritik des Al­ten zu neu­en Einsichten kamen.

Marx und Engels gingen bei der Begründung ihrer Theorie ide­engeschichtlich von den fortschrittlichen Theorien des 18. und 19.Jahr­hunderts aus:
In der Philosophie knüpften sie am französischen Materialismus des 18.Jahrhunderts, dem Materialismus Ludwig Feuerbachs sowie an der Dialektik G.F.W. Hegels als der größten Errungenschaft der klassi­schen deut­schen bürgerlichen Philosophie an. In der politischen Ökonomie stützten sie sich vor allem auf die Ar­beitswerttheorie der klassischen englischen bürgerlichen politischen Ökonomie, deren Hauptvertreter Adam Smith und David Ricardo waren.

Auf dem Gebiet der Theorien des Sozialismus und des Klassen­kampfs gingen sie von dem Gedankengut der utopischen Sozialisten, dem franzö­sischen Philosophen Claude-Henri de Saint-Simon, dem ebenfalls aus Frankreich stammenden Francois-Marie-Charles Fourier, und dem ehemaligen schottischen Fabrikdirektor Robert Owen aus.

Der dialektische und historische Materialismus

Im Lauf der neueren Geschichte Europas, besonders Ende des 18.Jahr­hunderts in Frankreich, wo mit der Revolution eine ent­scheidende Schlacht gegen den Feudalis­mus in den Einrichtungen und Ideen geschlagen wurde, erwies sich der Materialismus als die einzige folgerichtige Philosophie, die allen Leh­ren der Naturwissenschaften treu bleibt.

Marx und Engels blieben aber nicht beim Materialismus des 18.Jahr­hunderts stehen, sondern entwi­ckelten die Philosophie weiter. Sie bereicherten sie um die Errungenschaften der deutschen klassischen Philosophie und besonders des Hegelschen Systems, das seinerseits zum Ma­terialismus Feuerbachs geführt hatte.

Dabei wurden die Theorien Hegels und Feuerbachs aber nicht einfach übernom­men, sondern kritisiert, und dort wo sie falsch waren richtig gestellt. Deshalb sagen wir auch: „Marx hat Hegel vom Kopf auf die Füße gestellt“!

Die wichtigste dieser Errungenschaften ist die Dialektik, die Wissen­schaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Gesellschaft und des Denkens.

Marx und Engels konnten durch die Vereinigung von Materialismus und Dialektik, durch die Ausdehnung der Prinzipien des Materialismus auf die Erklärung der Gesellschaft die materialistische Beantwortung der Grundfrage der Philosophie1 wissenschaftlich begründen.

Der historische Materialismus zeigt, wie sich aus einer Form des gesell­schaftlichen Lebens, als Folge des Wachsens der Produktivkräfte, eine ande­re, höhere Form entwickelt – z.B. wie aus dem Feudalismus der Kapitalismus hervorgeht.

So wie die Erkenntnis des Menschen die von ihm unabhängig existierende Natur widerspiegelt, so spiegelt die gesellschaftliche Erkennt­nis des Menschen (d.h. die verschiedenen philosophischen, religiösen, politischen usw. Anschauungen und Lehren) die ökonomische Struktur der Gesellschaft wider. Die politischen Einrichtungen sind ein Überbau auf der ökonomischen Basis.

Die politische Ökonomie

Nachdem Marx erkannt hatte, dass die ökonomische Struktur die Basis ist, worauf sich der poli­tische Überbau erhebt, wandte er seine Aufmerksam­keit dieser ökonomischen Struktur zu.
Die vormarxsche klassische poli­tische Ökonomie entstand vor al­lem in Eng­land, dem damals ent­wickelsten kapitalistischen Land. Adam Smith und
David Ricardo, die die ökonomi­sche Struktur untersuchten, legten den Grund­stein der
Arbeitswert­theorie. Marx setzte ihr Werk fort. Er begründete diese Theorie exakt und entwickelte sie folgerichtig.

Er zeigte, dass der Wert einer jeden Ware durch die Menge der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit bestimmt wird, die zur Produktion der Ware erforderlich ist. Wo die bürgerlichen Ökonomen ein Verhältnis von Dingen sahen, den Aus­tausch von Ware gegen Ware, dort enthüllte Marx ein Verhältnis von Menschen.

Der Austausch von Waren drückt die Verbindung zwischen den einzelnen Produzenten vermittels des Marktes aus. Das Geld bedeutet, dass diese Verbindung immer enger wird, und das gesamte wirtschaftliche Leben der einzelnen Produzenten untrennbar zu einem Ganzen verknüpft.
Das Kapital bedeutet eine weitere Entwicklung dieser Verbindung: Die Arbeitskraft des Menschen wird mit der Herausbildung des Kapitalismus ebenfalls zur Ware, und der doppelt freie Lohnarbeiter, der frei von feudalen Fesseln an keinen Herrn mehr gebunden ist, aber auch keine Produktionsmittel mehr besitzt, ist gezwungen seine Arbeitskraft zu verkaufen.

Einen Teil des Arbeitstages verwendet der Arbeiter zur De­ckung sei­nes Lohns, den anderen Teil arbeitet er aber unentgeltlich: Er schafft Mehrwert, die Quelle des Profits und des Reichtums für die Kapitalistenklasse. Die Lehre vom Mehrwert ist der Grundpfeiler der ökonomischen Theorie von Marx.


Der wissenschaftliche Sozialismus

Als der Feudalismus gestürzt und die „freie“ kapitalistische Gesellschaft zur Welt gekommen war, wurde vielen schnell klar, dass diese Freiheit ein neues System der Unterdrückung und Ausbeutung bedeutete. Es entstanden ziemlich schnell verschiedene sozialistische Lehren, als Widerspiegelung dieser Un­terdrückung und als Protest gegen sie. Doch dieser ursprüngliche Sozialismus war ein utopischer Sozialismus.

Die utopischen Sozialisten Saint-Simon, Fourier und Owen stellten erstmals die Frage nach einer neuen Gesellschaftsordnung, die die Ausbeutung, Unterdrückung, und das Elend des Kapitalis­mus überwindet.

Sie entwarfen ein konkretes Bild der zukünftigen Gesellschaft, wie „z.B. Aufhebung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, der Familie, des Privat­erwerbs, der Lohnarbeit, die Ver­kündung der gesellschaftlichen Harmonie, die Verwandlung des Staates in eine bloße Verwaltung der Produktion“2

Doch der Grundmangel des vormarxschen Sozialismus und Kommunismus lag darin, dass die Notwendigkeit der neuen Gesellschaft nicht aus den materiellen Verhältnissen des Kapitalismus und der ihm innewohnenden Bewe­gungsgesetze abgeleitet wurde, sondern aus den allgemein menschlichen Idealen der Gerechtigkeit, Gleichheit, der „ewigen Vernunft“ und der „Natur des Menschen“. Der utopische Sozialismus kritisierte die kapitalistische Gesellschaft, träumte von ihrer Vernichtung und einer besseren Ordnung, und versuchte die Reichen von der Unsittlichkeit der Ausbeutung zu überzeugen. Der utopische Sozialismus war aber nicht fähig, die Gesetze der Ent­wicklung des Kapitalismus zu entdecken, und er schaffte es auch nicht, die gesell­schaftliche Kraft zu finden, die fä­hig ist, Schöpfer ei­ner neuen Gesellschaft zu werden. Bei den Revolutionen, von denen der Untergang des Feudalismus überall in Europa und besonders in Frankreich begleitet war, wurde im­mer klarer, dass der Kampf der Klassen die Grundlage der Entwicklung und ihre treibende Kraft ist.

Die Leistung von Marx und Engels bestand darin, dass sie es früher als alle anderen verstanden, dar­aus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die Lehre vom Klassenkampf zu entwickeln. Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Be­trug und Selbstbetrug, und sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, poli­tischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Inter­essen dieser oder jener Klassen zu suchen. Die Anhänger von Reformen und Verbesserungen werden immer wie­der von den Verteidigern des Al­ten übertölpelt werden, solange sie nicht begreifen, dass sich jede alte Ein­richtung, wie sinnlos und faul sie auch er­scheinen mag, durch die Kräfte dieser oder jener herr­schenden Klassen behauptet.

Um aber den Widerstand dieser Klassen zu brechen, gibt es nur ein Mittel: innerhalb der uns umgebenden Gesellschaft selbst Kräfte zu finden, aufzuklären und zum Kampf zu organisieren, die imstande – und infolge ihrer gesellschaftlichen Lage genötigt – sind, die Kraft zu bilden, die das Alte be­seitigt und das Neue schafft.

Das sind also die drei Bestandteile des Marxismus: der dialektische und historische Materialismus, die politische Ökonomie und der wissenschaftliche Sozialismus.

(Statt wissenschaftlicher Sozialismus wird auch der Begriff wissenschaftlicher Kommunismus verwendet, und es wird, anfangs etwas verwirrend, unter beiden Bezeichnungen auch häufig die ganze marxis­tische Weltanschauung verstanden.)

2. VOM URKOMMUNISMUS ZUR SOZIALEN REVOLUTION

Die Geschichte aus marxistischer Sicht

Wir müssen hier erst einmal ein paar Grundbegriffe klären, die wir im Lauf der Schulung noch oft brauchen werden:

Die Produktionsverhältnisse sind die Gesamtheit der sozialen und öko­nomischen Beziehungen, die die Menschen im Prozess der Produktion und der Verteilung der materiellen Güter entsprechend dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte unabhängig von ihrem Willen und Bewusstsein eingehen.

Zu den Produktivkräften gehören die Men­schen, mit ihren Produktions­erfahrungen, Arbeitsfertigkeiten und ihrer Bildung, die Produktionsmittel, d.h. Maschinen, Werkzeuge, Gebäude, Transportmittel und Transportwege, Nachrichtenwesen, Rohstoffe; sowie weiterhin die Leitung und Organisation der Produktion, die Technologie und die Wissenschaft. Die Produktionsverhältnisse können allerdings hinter der Entwicklung der Produktivkräfte zurückbleiben, und damit deren Entfaltung und Weiterentwicklung hemmen und ernsthaft beeinträchtigen.

Damit bringen sie soziale Interessen und Kräfte hervor, die mit den vor­handenen Produktionsverhältnissen unvereinbar sind, geschichtlich über diese hinaus weisen, mit ihnen in Konflikt geraten, und auf deren Überwindung und Beseitigung drängen.

Im Rahmen der Grundschulung betrachten wir nur die Entwicklungsge­schichte der Produktionsverhält­nisse in Europa, da sich diese nur hier, ohne von außen hinein getragen worden zu sein, von der Urgesell­schaft über Sklavenhaltergesellschaft und Feudalismus zum Kapitalismus hin entwickelt haben. Wir enden mit der ersten proletarischen Revolution, der Pariser Commune von 1871.

Die Urgesellschaft
– gab es schon immer und überall Klassen?

Die Strukur der Urgesellschaft

Anfangs lebten die Menschen noch in der Urgesellschaft, bzw. dem Urkommunismus. Die Urgesellschaft war eine klassenlose Gesellschaft mit gesellschaftlichen Eigentum an Produktionsmitteln. Staat, Patriarchat und Familie existierten noch nicht.

Die kleinste Einheit der Gesellschaft war der Clan (auch Gens genannt, deshalb wird hier auch oft von der Gentilgesellschaft gesprochen), eine Gruppe von meist 500 bis 1000 Men­schen, die sich auf eine gemeinsame Abstammung in der weiblichen Linie beriefen.

Wurde ein Clan zu groß, so teilte er sich auf, Die neuen Clans bildeten eine Phratrie mit gemeinsamen Traditionen, Kultgemeinschaft u.ä.

Wird durch wiederholte Teilung von Clans eine Phratrie zu groß, teilt sie sich in mehrere neue Phratrien auf, die einen Stamm bilden. Durch Teilung des Stamms in mehrere Stämme entsteht das Volk, wobei es hier aber oft vorkam, dass auch nicht verwandte Stämme in den Volks-Verband aufgenommen wurden.

Diese Entwicklung war offensichtlich so nahe liegend, dass sie welt­weit überall fast völlig gleich ablief. Wir finden deshalb diese Einteilungen sowohl in Amerika bei Azteken und Irokesen, in Europa bei Griechen und Rö­mern, in Asien und in Afrika.

Sexuelle Beziehungen waren nur zwischen Mitgliedern verschiedener Clans möglich, die Kinder galten als Mitglieder des Clans ihrer Mutter. Der nächste männliche Verwandte war deshalb auch nicht der Vater, sondern der Mutterbruder der Kinder.

Was war hierbei klassenlos?

Die Urgesellschaft war die einzige bisherige Gesellschaft, in der es weder Ausbeutung noch Privat­eigentum gab. Was ein Clan produzierte gehörte auch allen gemeinsam. Diebstahl war also gar nicht möglich! Natürlich gab es auch persönliche Gebrauchsgegenstände, wie Kleidung, oder Arbeits­geräte, die an die individuellen Bedürfnisse angepasst waren. Es gab weder Polizei noch Justiz, und keine Privilegien Einzelner. Alle nahmen nach ihren Fähigkeiten an der gemeinsamen Arbeit teil, bekamen aber unabhängig von ihrer Leistung den gleichen Anteil. Jäger hatten zwar oft das Anrecht auf einen besonderen Teil der Beute, wie z.B. Kopf, Leber oder Lende, sie konnten dieses „Privileg“ aber nur essen und damit keinen persönlichen Reichtum anhäufen.

Alles, was im Clan alle anging, wurde von Frauen und Männern in gemeinsamer Versammlung entschieden. Die FührerInnen, Häuptlinge und PriesterInnen, wurden gewählt und waren jederzeit absetzbar.3

Ein urkommunistisches Paradies?

Bis in die Bronzezeit4 hinein lebten Bäue­rinnen und Bau­ern meist von der Hand in den Mund und konn­ten über den eigenen Bedarf hin­aus kaum einen Überschuss er­arbeiten. Jungsteinzeitliche Skelette haben häufig Anzeichen von extremer Mangelernährung. Miss­ernten und das Verschwinden von Jagd-Wild konnten komplette Stäm­me zum Verhungern verdammen. Die Medizin war völlig unterentwickelt und jede stärkere Verletzung war eine tödliche Bedrohung. Wir dürfen also die Urgesellschaft auf keinen Fall zum Paradies verklären.

Erst durch die Weiterentwicklung der Produktivkräfte war es möglich, Nahrungsüberschüsse zu produzieren um den Hunger besser zu verhindern, oder um SpezialistInnen von der Handarbeit freizustellen, die im Lauf der Geschichte die moderne Medizin und andere Wissenschaften entwickeln konnten.

Warum ging das mit dem Urkommunis­mus nicht ewig so wei­ter?

Veränderung der Produktivkräfte

Der Ackerbau entwickelte sich weiter, es wurden bessere Arbeitsgerä­te und er­tragreichere, besser an das örtliche Klima angepasste Getreidesorten gefunden. Nun konnten größere Ackerflächen bearbeitet, mehr Menschen ernährt, und Vorräte angelegt werden.

Eine weitere entscheidende Veränderung kam mit der Entwicklung der Viehzucht, vor allem der Großviehzucht (Rinder). Die Produktivkräfte sind nun also so gewachsen, dass die Menschen mehr produzieren, als sie ver­brauchen müssen. Dieses „Mehr“, was die Men­schen über ihren zur Erhaltung des Lebens notwendigen Bedarf hinaus produzieren, nennen wir Mehrprodukt. In der Folge konnten immer mehr Menschen von der unmittelbaren Produktion freigestellt werden. Spezialisierung und gesellschaftliche Arbeitsteilung entstehen; die Pro­duktion wird neu organisiert.

So gab es spezialisierte Ackerbau- und Hirtenstämme, in Gegenden mit besonders geeigneten Steinvorkommen produzierten die Men­schen vorrangig z.B. geschliffene Steinbeile.

Entstehung des Patriarchats

Bisher wurde das kollektive Eigentum des Clans von der Gesamtheit der Mütter auf die Gesamtheit der Töchter übertragen. Die Männer, die den Clan verließen, konnten nichts zum fremden Clan ihrer Frauen mit­nehmen. Im Gegenteil, bei ih­rem Tod fiel ihr (geringer) Privatbesitz an den Clan ihrer Mütter zurück. Das nennen wir matrilineare Erbfolge.

Bis dahin lag nämlich der Ackerbau, also die kontinuierliche Grundver­sorgung mit Nahrungsmitteln in den Händen der Frauen, und aus dieser Stel­lung im Produk­tionsbereich ergab sich auch die gesell­schaftliche Rolle. Es waren dann aber die Männer, die wilde Tiere fingen und zähmten, anstatt sie zu töten. Aus den Jägern wurden immer mehr Rinderhirten, und als es ge­lang, die Tiere auch zum Lastentragen und Pflugziehen einzusetzen, be­kamen die Männer auch immer mehr Einfluss auf die Landwirtschaft.

Dadurch wurden die bisher nur locker an den Clan ihrer Frauen ge­bundenen Jäger als Hirten nun immer sesshafter, was ihre Stellung im Clan änderte. Mit der Großviehzucht (und damit der Fleisch- und Milchproduktion, Transport- und Zugtiere) und auch der Kriegsführung (Frauen kämpften meist nur zur Verteidigung des Clan-Wohnsitzes) lagen gesell­schaftlich wichtige Aufgaben in den Händen der Männer.

Die Frauen verloren ihre Bedeutung als Hauptverantwortliche für die Grundversorgung des Stammes durch den Ackerbau, ihre Wichtigkeit im Produk­tionsprozess nahm ab.

Handel und Warenproduktion

Bisher war es innerhalb des Clans so, dass Weben, Töpfern, Holz schnitzen ebenso wie Steine für Werk­zeuge schlagen, schleifen und montieren, neben der wichtigen Hauptarbeit, der Nahrungsmittel­produktion, die gemeinsame Aufgabe aller war.

Ein gesichertes, dau­erhaftes Mehrprodukt erlaubte aber auch innerhalb des Clans die Spezialisierung. Neben den HirtInnen treten Handwerke­rInnen auf, die die Arbeitsleis­tung auf ihrem neuen Gebiet ganz erheblich steigern können. Damit war etwas Neues notwendig: Die SpezialistInnen mussten ihre Produkte tauschen, um an das zu kommen, was ihnen fehlte.

 

Die Entstehung des Geldes

Mit dem Tauschhandel entsteht ziemlich schnell ein neues Problem. Wenn die Menschen etwas eintauschen wollen, ist das was sie selbst im Tausch anbieten können oft im Augenblick nicht gefragt. Sie müssten warten, oder erst nach anderen HandelspartnerInnen suchen.

Um das zu vermeiden, suchten sie nach einer Ware, die alle bereit waren zu nehmen, die jederzeit eingetauscht werden konnten, z.B. Felle, Beile, Lanzenspitzen, Schwertklingen, Salz.

Aus diesen „allgemeinen Waren“, das heißt Waren, die jeder brauchen kann, die sich leicht lagern lassen, die ganzjährig nützlich sind, entwi­ckelte sich das, was wir Geld nennen. Dabei setzten sich die Metalle, Gold, Silber und Bronze, bald gegenüber den anderen allgemeinen Waren durch. Zur Her­stellung von Metallen ist sehr viel Arbeitszeit nötig, und daher ist in einem kleinen, leicht tragbaren Stück Metall ein höherer Wert vorhanden, als in einer anderen Ware.

Da das Abwiegen der Metalle aber in der Praxis zu umständlich war, entstanden im 6 Jhdt. v.u.Z. die ersten Münzen. Das Neue an der Münze ist: Ein Staat garantiert mit seinem Prägestempel, dass die Münze ein festes Gewicht, und einen staatlich garan­tierten Gehalt an bestimmten Metallen hat. Das erleichterte aber nur den Handel innerhalb eines Staats, im Außenhandel wurden auch die fremden Münzen weiterhin gewogen.

Die Perser erkannten bald den Nutzen der Münzen. Da das persische Groß­reich aber durch die Er­oberung unzähliger Kleinstaaten ent­standen war, waren Handel und Verwaltung durch die verschiedenen Münzarten behindert. Unter Dareios I. (521 bis 485 v.d.Z) wurde deshalb ein einheitliches Münzsys­tem geschaffen. Es wurde nicht nur das Aussehen der Geldstücke festgelegt, sondern auch welche aus wie­viel Gold, Silber oder Bronze bestehen, und wie viel sie untereinander wert sein sollten. Abwei­chungen im Me­tallgehalt, selbst nach oben, wurden mit dem Tod bestraft.

Geld war damit nicht nur eine Ware zum Tausch, sondern auch eine Re­cheneinheit, in der der Wert aller anderen Waren ausgedrückt werden konnte; aber auch die Höhe von Forderungen und Schulden, die Größe des Vermögens und staatliche Steuern.

Der Tausch führt aber zu einem neuen Verhältnis der Men­schen zu den Dingen, die sie produzieren. Wenn früher die Bauern und Bäuerinnen Getreide anbauten, dann dachten sie nur daran, dass sie es demnächst als Brot oder Brei selbst essen würden, sie dachten also an den Gebrauchswert.

Jetzt dachten sie auch dar­an, dass sie ihr Getreide gegen Vieh, Stein- oder Bronze­beile tauschen konnten. Das Getreide hat jetzt auch einen Tauschwert.

Es beginnt die Warenproduktion: Zunächst bringt die Mehrproduktion einen ungeheuren Fortschritt. Sie erlaubt die Produktion zahlreicher anderer Güter, die eine Bereicherung des Lebens darstellen, die in größerer Zahl und besser hergestellt werden können. Die Mehrproduktion bringt aber auch Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung.

Die Rolle des Kriegs bei der Entstehung des Privateigen­tums und der Klassen

Bisher wurden Kriegsgefangene getötet, oder manchmal auch als gleichbe­rechtigte Mitglieder in den eigenen Clan aufgenommen. Alles andere hätte sich nicht gelohnt, da der Gefangene nur für seine eigene Nahrung arbeiten konnte. Mit der Möglichkeit, ein Mehrprodukt herzustellen, änderte sich das. Die Gefangenen wurden nun gezwungen, Vieh zu hüten oder schwere Feldarbeit zu erledigen, das Mehrprodukt wurde ihnen einfach wegge­nommen. Die SklavInnen waren entstanden.

Produktionsmittel waren nicht mehr länger Gemeineigentum, sondern beson­ders erfolgreiche Krieger erhielten, ähnlich wie früher die Jäger, einen besonderen Teil der Beute zur privaten Verfügung. Während aber früher dieser besondere Teil nur gegessen werden konnte, waren die Beuteanteile der Krieger Vieh und Sklaven, also Produktionsmittel in Privatbesitz.

Diese Änderung der Produktionsverhältnisse sprengt das Gemeinschaftsleben des Clans. Einzelne arbeiten jetzt für sich, beuten Skla­ven aus und eignen sich das Mehrprodukt an. Die Gesellschaft spaltet sich in Arme und Reiche.

Mit dem Raub des Mehrprodukts durch Stärkere, mit der Ausbeutung, entsteht die Spaltung der Gesellschaft in Klassen. Jetzt haben die Stämme ein Interesse daran, möglichst viele erfolgrei­che Kriege zu führen, um möglichst viele Gefangene zu machen und möglichst viel Vieh zu rauben. Es gab sicher auch schon in der Urgesellschaft Kriege, das waren aber noch keine Raub­kriege. Auf Grund von Miss­ernten und Hungersnöten, kam es zwischen ver­schiedenen Stämmen und Clans immer wieder zu Streitigkeiten um Ackerland oder Jagdgründe. Aber auch Aberglauben oder Blutrache waren Grund für kriegerische Ausein­andersetzung. Das solidarische, basisdemokratische und kommunistische Zu­sammenleben fand nur innerhalb des eigenen Clans statt!

Was aber gegen dieser früheren Zeit neu war: Der Krieg war nun ein Vor­teile bietender Raubkrieg, der den Siegern ein reicheres Leben auf Kosten der ersten unterdrückten Klasse sicherte; Krieg wurde zu einer Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung.

Das Patriarchat

Das Privateigentum führte zu der Entwicklung von Einzelhaushalten und förderte somit eine ge­schlossene Familienform. In dieser war produktive Arbeit mehr und mehr Sache der Männer. In der Folge entstand die patrilineare Erbfolge, denn als sesshafte Privateigentümer wollten die Männer ihr Eigentum auch auf ihre Kinder über­tragen, zu denen sie nun eine viel engere Bindung hatten. Dazu mussten sie aber erst einmal (scheinbar) sicherstellen, dass diese Kinder auch von ih­nen waren, deshalb kam zeitgleich auch die patriarchale Ehe auf, in der die Frau zur sexuellen Treue verpflichtet und zum Eigentum des Mannes wurde.

Beginnt hier schon der Staat?

Nein. Wir befinden uns noch in einer Übergangsperiode von einer Form der Gesellschaft, der Urgesellschaft, zu einer anderen, der SklavenhalterGesellschaft.

Aber wir merken bereits, wie im Schoß der alten Gesellschaft die neu­en Kräfte entstehen: Wir haben gesehen, wie langsam Privateigentum an Produktions­mitteln ent­steht und der Unterschied zwischen reich und arm, wie sich die Anfänge des Patriarchats herausbilden, männliche Erbfolge und patriarchale Ehe, und welche Rolle die Führung im Krieg spielte. Je häufiger Kriege geführt wurden, desto mehr wurde es zu einem Haupt­beruf, Führer im Krieg zu sein. Aus den gelegentlichen Sonder-Zuteilungen aus der Kriegsbeute für die besten Krieger werden laufende Abgaben, und der Einfluss der Be­rufskrieger in den Versammlungen von Clan, Stamm und Volk wird immer grö­ßer.

Formal herrscht noch Demokratie, deshalb nennen wir diese Zeit „mili­tärische Demokratie“. Die Kriegsführer, die meist die einflussreichsten und reichsten Privateigen­tümer sind, werden Stammes­führer die immer länger im Amt bleiben. Schließlich werden die Ämter erblich.

Es sind Könige5 entstanden. Bereits früher waren die Clan-Chefs und Stammesführer gleichzeitig Pries­ter. Das wird nun für die Könige zu einem zusätzlichen Macht­mittel: Sie ändern nun die Religion zu ihren Gunsten, und damit beginnt die Ideologie der Herrschenden zur herrschenden Ideologie zu werden. Die alte Demokratie ist beseitigt, der König wird zum Herrscher, zum Befehlshaber über Untertanen, die ihm gehorchen müssen.

Warum akzeptieren das die Untertanen?

Die neue Ordnung nützte durchaus auch den ärmeren Stammesmitgliedern. Der König schützt mit seinen Kriegern ja auch die Ärmeren vor Versklavung, Land- und Viehraub durch Fremde6. Und eine im Krieg erfolgreiche Sklaven­haltergesellschaft bietet darüberhinaus allen ökonomische Vorteile, z.B. die Versorgung mit bil­ligen Sklaven.

So hofften die ärmeren Bauern und Handwerker, die noch selber arbeiteten, beim nächsten Kriegszug an billige Sklaven zu kommen, und damit selbst Ausbeuter zu werden. Die Ausbeuter aber brauchen den Staat! In dem Maß, wie sich die Sklaverei ausdehnte und die Arbeit der Sklavenmassen immer mehr zur Grundlage des Lebens aller Freien wurde, wurde der Klassenkampf zwischen SklavInnen und Sklaven­haltern der wichtigste Gegensatz dieser Gesellschaftsordnung.

Es kam zu Aufständen. Der Sklavenauf­stand unter Führung des Spartacus ist zwar der bekannteste, war aber weder der erste, noch der größte. Für die Sklavenhalter war es deshalb notwendig, zum Schutz ihrer Stellung, ihrer politischen Macht und ihrer Ausbeuterord­nung, zur Nie­derhaltung der Sklaven und zum Erwerb neuer Sklaven besondere bewaffnete Einheiten, Mittel der Strafe und des Terrors zu schaffen, kurz: Jenes besondere Schutz-, Zwangs- und Machtinstrument zu schaffen, das wir den Staat nennen.

Die Sklavenhalter waren nun auch fähig aus dem Überschuss, den die Gesell­schaft erzeugte, die erforderlichen Mittel abzuzweigen, um den Staatsapparat zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Der Staat ist also das Ergebnis des Klassenkampfs zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, als Zwangsinstrument der Ausbeuterklasse zur Niederhaltung der ausgebeuteten Klasse.

Die Sklavenhaltergesellschaft

Klassenstruktur der ersten Ausbeutergesellschaft

Auf dieser Stufe der geschichtlichen Entwicklung treten erstmals Klassen auf:

Einerseits die SklavInnen als völlig unfreie und rechtlose ArbeiterInnen. SklavInnen gelten nicht als Menschen, sondern als Sachen, wie Vieh oder Werkzeuge. Sie konnten darum auch wie Vieh oder Werkzeug behandelt, also verkauft, gepflegt, misshandelt, zer­stört bzw. getötet werden.

Die durchschnittliche Lebensdauer (Nutzungsdauer) von Arbeitsskla­vInnen lag nur bei etwa sieben Jahren. In dieser Zeit musste sich die An­schaffung rentiert haben. Mit dieser Abschreibungsdauer für Skla­vInnen rechneten selbst noch die weißen Baumwollpflanzer in den USA viele Jahrhunderte später!

Andererseits die Sklavenhalter, die Eigentümer des Grund und Bodens, der Werkzeuge, also der Produktionsmittel. Vor allem sind sie Eigentümer der Haupt­masse der unmittelbaren Produzenten, der Sklaven.

Die Sklavenhaltergesellschaft bestand zwar aus den beiden Grund­klassen der SklavInnen und der Sklavenhalter, es gab jedoch auch andere Klassen von Freien: Bauern, Handwerker, oder eigentumslose, ruinierte Freie, die als Tagelöhner, oder vom Betteln und Stehlen lebten.

Wie ist die Sklavenhaltergesell­schaft dann untergegangen?

Die Sklavenhaltergesellschaft, die etwa ab 700 v.u.Z. entstanden war, ging unter, als die Weiter­entwicklung der Produktivkräfte einen Pro­duzenten erforderte, der ein gewisses Interesse an der Produktion hatte. Die Sklaven waren nicht oder nur in begrenztem Umfang am Einsatz bzw. an der Entwicklung differenzierter Arbeitsmittel interessiert. Gleichzeitig war in der Spätzeit des Römerreichs die Beschaffung billiger Sklaven immer schwieriger geworden.

Die Sklavenhaltergesellschaft versuchte die Krise zu mildern, indem sie Sklaven und besitzlosen Arbeitern, in den Grenzgebieten auch Germanen, Bodenparzellen gegen Geld- oder Naturalpacht übergab; später diese „Kolonen“ sogar per Gesetz an den Boden fesselte.

Auch wenn sich mit diesem Kolonen-System die Produktivkräfte weiterentwickelten, die politische Macht blieb weiter bei den Sklaven­haltern, die die Krise nicht beseitigen konnten, und deren Staat, von innen ausgehöhlt durch heftige soziale Kämpfe der ausgebeuteten Bevölkerung, unter dem Ansturm von Sueben, Alanen, Wandalen und Goten zusammenbrach.

Der Feudalismus

Die Entstehung des Feudalismus

Als auf den Trümmern des Römischen Reichs neue Königreiche ent­standen, ver­teilten die neuen Herrscher den Boden an ihre Vertrauten. Die Bearbeitung des Bodens wurde abhängigen Bauern übertragen. Das Land, das der König so an seine Gefolgsleute verteilte hieß Feudum. Deshalb nennen wir die mittelalterliche Gesellschaftsordnung Feudalismus. Statt vom Feudum wird auch oft vom Lehen gesprochen.

Ab etwa 500 n.d.Z. begann sich der Feu­dalismus durchzusetzen, wobei aber re­gional unterschiedliche, verschiedene Formen der feudalen Abhängigkeit entstanden, die von der Leibeigenschaft (unfrei) Hörigkeit (halbfrei) bis hin zum relativ freien Bauern mit Jahres- oder Erbpacht reichten. Aber egal wie auch die Rechtsform war, die herrschende Klasse, der Feudaladel lebte von der Mehrarbeit der feudalabhängigen Bauern, die diese, über die für ihren eigenen Unterhalt hinaus nötige Arbeit, für den Feudalherren leisten mussten.

Was war der Unterschied zwischen Leibeigenen und Sklaven?

Ursprünglich, in den Anfängen des Feudalismus, hatte die Leibeigen­schaft tat­sächlich noch starke Züge der Sklaverei an sich. Zwar verloren die Feudalherren unter dem Einfluss des Christentums das Recht, Unfreie zu töten, oder sie in nichtchristliche Länder zu ver­kaufen – doch sie konnten misshandelt, verkauft und getauscht werden, waren nicht vermögensfä­hig und durften ohne Zustimmung des Herrn nicht heiraten.

Leibeigene entstanden durch Unterwerfung, Gefangenschaft, Selbst­veräußerung (z.B. Schuldknechtschaft) oder Heirat mit Leibeigenen.

Unfreie, die unter der vollen Botmäßigkeit7 eines Feudalherren standen, wurden auf den Fronhöfen (das waren die Eigenwirt­schaften der Feudalherren) verwendet. Sie verrichteten hier landwirtschaftliche und gewerbliche Arbeiten (Fronhofs-Handwerker).

Viele Unfreie wurden aber auch mit Grund- und Boden ausgestattet, und mussten außer Naturalabgaben auch Frondienste leisten. Diese mit einem Haus versehene „Leibeigene“ näherten sich dem Status der Hörigen an; wie diese mussten sie persönliche Abgaben leisten und waren an den Boden gefesselt. Leibeigene leisteten aber auch gehobene Dienste, als „Meier“8 (Verwalter) oder als Mitglieder des bewaffneten Gefolge, und konnten sogar in den Adel aufsteigen. Ein Teil des fränkischen Dienstadels und der Reichsministerialen (ursprünglich unfreie Ritter) waren anfangs Leibeigene.

Und die Hörigen?

Als sich das Feudalsystem entwickelte, konnten die meisten Bauern nicht lange ihre Unabhängigkeit bewahren. Das Privateigentum an Grund und Boden und anderen Produktions­mitteln vertief­te auch die Un­gleichheit zwischen den freien Bauern. Die Reichen konzen-trierten in ihren Händen immer mehr Reichtum und Macht. Dagegen gerieten die kleineren Bauern in eine ähnliche persönliche Abhängigkeit wie die Kolonen.

Im germanischen Teil Europas geschah das vor allem dadurch, dass der freie Landeigentümer Kriegsdienst leisten musste. Daraus ergaben sich unlösbare Widersprüche: Einerseits wollte der Bauer mit seine Pferden seinen Acker bestellen, andererseits sollte er als Soldat mit diesen Pferden an den zahlreichen Kriegen des Adels teilnehmen.

Die Herren nutzten diese Zwangslage aus. Wenn der Bauer sich in persön­liche Abhängigkeit begab, zum Hörigen wurde und Abgaben an seinen Herrn abführte, dann war er vom Kriegsdienst befreit. Damit hörte der Bauer auf, freier Eigentümer seines Bodens zu sein, er war nur noch dessen Besitzer.

Die hörigen Bauern waren im allgemeinen an den Boden gefesselt und durf­ten nur mit diesem zu­sammen veräußert werden. Sie waren aber im Gegen­satz zu den Leib­eigenen rechtsfähig, konnten Vermögen ansammeln und vererben. In der Praxis der Ausbeutung war aber oft nur wenig Unterschied zwischen Hörigen und Leibeigenen.

Was waren die Klassengegensätze im Feu­dalismus?

Die beiden Grundklassen des Feudalismus waren die Feudalher­ren und die abhängigen Bauern. Die Klasse der Feudalherren war kein einheitliches Gebilde. Die kleinen Feudalherren zahlten an die großen Tribut und waren diesen zu Kriegsdienst verpflichtet, standen dafür aber unter deren Schutz. So bildete sich eine Stufenleiter von niederem, mittleren und hohem Adel heraus.

Eine ähnliche Schichtung gab es in der Kirche. Nur in den unteren Schich­ten des Klerus waren Vertre­ter des einfachen Volks. Höhere Po­sitionen in der Kirche wurden vom Adel besetzt. Klöster und Bischöfe waren reiche Grundbesitzer. In Deutschland besaß die Kirche ein Viertel des Grund und Bodens. Sowohl zwischen kirchlichen und weltlichen Feudalherren, wie auch den weltlichen Adeligen untereinander, gab es aber auch ständig Widersprüche, Machtkämpfe und Interessengegensätze, die oft kriegerisch ausge­tragen wurden.

Von der Ausbeutung der feudalabhängigen Bauern lebte fast die ganze übrige Gesellschaft. Im Gegensatz zum Sklaven war der Bauer aber materiell an der Entfaltung der Produktion interessiert: Da er bestimmte Prozentsätze an die Feudalherren abzuliefern hatte, wuchs mit der Menge seiner Erzeugnisse zwar die Menge der Abgaben, aber auch das, was er selbst behalten durfte.

Neben diesen beiden feudalen Hauptklassen, gab es aber auch andere Klassen:

Auf der Grundlage der Arbeitsteilung zwischen Landwirtschaft und Gewerbe, die bereits auf den Fronhöfen einsetzte, und zur Herausbildung der einfachen Warenwirtschaft mit einem regelmäßigen Handel führte, ent­standen seit dem 11.Jhdt. in Deutschland feudale Städte, deren Basis das meist in Zünften organisierte Handwerk und die Kaufleute waren. Dort bildeten sich seit dem 15.Jhdt., noch im Schoss der Feudalordnung, Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise.

Klassenkämpfe von unten und oben im Spätfeudalismus

Die ausgebeuteten Bauern kämpften fast während der ganzen Zeit des Feu­dalismus gegen die feudalen Grundbesitzer. Im 13./14. Jahr­hundert trat die Leibeigenschaft in vielen Teilen Europas immer mehr zurück. Um diese Zeit war es auch den meisten Bauern bereits gelungen, die Arbeitsrente durch die Produktrente abzulösen. Teilweise war die Produktrente auch bereits durch die Geldrente abgelöst.

Die Klassenkämpfe der feudalabhängigen Bauern waren, im Gegensatz zu den Sklaven vor ihnen, sehr wohl erfolgreich. Die SklavInnen konnten im Klassenkampf nur einen Erfolg er­ringen, nämlich nicht mehr SklavInnen zu sein.

Die Bauern im Feudalismus konnten aber noch als Abhängige bereits beachtliche Erfolge erzielen. (z.B. Teilwiderstand gegen einzelne Dienste und Abgaben, Kampf um bessere Leihbe­dingungen9, Abzug in Ge­biete mit günstigeren Siedlungsrechten oder in die Städte).

Dabei nützten den Bauern besondere Entwicklungen: Durch die Ostexpansion10 des Feudalismus machten die Feudalherrn sich selber Konkurrenz, da den Bauern im Osten das Land zu sehr viel günstige­ren Be­dingungen angeboten wurde. Dazu kam der Druck der Städte, (in denen sich gerade das Bürgertum entwi­ckelte). Bis zum 14. Jahr­hundert entstanden z.B. in Deutschland rund 4.000 Städ­te, die eine starke Anziehungskraft auf Bauern und Dorfhandwerker aus­übten.

Dieser Druck, den natürlich auch die Feudalherren spürten, erleich­terte es den auf ihren Äckern gebliebenen Bauern an günstigere Ver­träge zu kom­men. Mit der feudalen Reaktion verschärfte sich aber im Spätmittelalter der Klassenkampf. Die Ausbeutung der Bauern nahm immer grausamere Formen an. Bereits im 14. Jahrhundert kam es in England unter Wat Tyler, und in Frankreich (die „Jaquerie“) zu großen Bauernaufständen. Die bereits im 15.Jahrhundert vom Südwesten des Kaiserreichs ausge­hende, allmählich immer mehr Territorien erfassende feudale Reaktion führte zur Herausbildung und Durchsetzung der „zweiten Leibeigenschaft“.

In den westlich der Elbe gelegenen Territorien kam sie vor allem in der Po­litik der Landesherren zum Ausdruck, territorial einheitliche Rechts- und Abhängigkeits­verhältnisse zu schaffen. Östlich der Elbe setzte sich die zweite Leibeigenschaft in ihrer strengs­ten Form durch. Dort verschlechterte sich die ursprünglich seit der feu­dalen Ostexpansi­on günstige Lage der Bauern im 15. und 16. Jahr­hundert ent­scheidend:

Den Bauern wurden nun Leibeigenschaft, Schollenpflichtigkeit, Erbun­tertänigkeit (Ausbeutung über­wiegend durch Fronarbeit), Heiratszwang und Patrimonialgerichtsbarkeit (der Feudalherr war gleichzeitig Richter), Züchtigungsrecht des Herrn und Gesinde­zwangsdienst aufge­zwungen. Den bauern­feindlichsten Ausdruck fand die zweite Leibeigenschaft dort in der Möglichkeit, leibeigene Untertanen auch ohne Hofstellen zu tauschen oder zu verkaufen.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurde ganz Mitteleuropa von einer Serie von Bauern- und Handwerkeraufständen erfasst. Die Zeit war eigentlich reif für eine Revolution.

­Der große deutsche Bauernkrieg

Der „große deutsche Bauernkrieg“ begann im Mai 1524 mit der Erhe­bung der Bauern im südli­chen Schwarzwald, breitete sich bis zum Winter über Baden-Württemberg und Schwaben aus, und erreichte seinen Höhepunkt im April/Mai 1525 mit Aufständen im Elsass, in Tirol, Thüringen und Fran­ken. Im Gegensatz zur niederländischen Revolution 40 Jahre später, fehlte in Süddeutschland ein einheitliches Ziel und eine einheitliche Führung.

Und während in den Niederlanden die Wald- und Wassergeusen11 mit einem mehrjährigen erfolgreichen Partisanenkampf das anfangs schwankende Bürgertum von der Machbarkeit der Revolution überzeugen konnten, wurden in Deutschland die getrennt operierenden regionalen Bauernverbände zu schnell von den Truppen der Feudalherren zerschlagen.

Eines der radikalsten der im Bauernkrieg verfassten Programme war das des Taubertaler Haufens: Abschaffung aller Sonderrechte des Adels und der Geistlichkeit, Gleichstellung von Bauer und Edelmann, Zerstörung aller Schlösser und Befestigungen, Einstellung aller Leistungen für die bisher Herrschenden bis zur Aufrichtung einer allgemeinen Reichsreformation.

Starke bürgerliche Einflüsse zeigte der Heilbronner Reichsreforma­tionsplan: Zentralisierung des Reichs durch eine starke Monarchie, Ausschluss der Geistlichkeit von allen weltlichen Ämtern, Beseitigung der den Handel behindernden Zölle, Abschaffung der Steuern bis auf eine zentrale, dem Kaiser zu entrichtende Steuer, einheitliche Maße, Gewichte und Münzen, Verbot von Monopolgesellschaften und regionalen Sonderbündnissen.

Sehr viel weiter in seinen Forderungen ging Thomas Müntzer in Thüringen, der bereits Anfang 1524 mit dem Allstedter Bund eine revolutionäre Organisation gründete, zu der bald auch Bergarbeiter stießen. Müntzer wandte sich, allerdings noch stark von christlichen Vorstellungen geprägt und mit biblischen Argumenten, gegen jede Ausbeu­tung des Menschen durch den Menschen, und verneinte damit jegliche Klassenherrschaft.

Noch deutlicher und klarer formulierte ähnliche Vorstellungen Michael Gais­mair in Tirol mit seiner „Tiroler Landesordung“ die bereits Elemente des utopischen Kommunismus vorwegnahm: Zentraler Gedanke ist die Verwirklichung des evangelischen Gleichheits­ideals durch Beseitigung der Klassenunterschiede: Verstaatlichung von ge­werblicher Produkti­on und Handel soll das Privateigentum aufheben und jede Möglichkeit von Betrug und Wucher beseitigen; Verkauf von Waren zum Selbstkostenpreis, eine neue Re­gierung von Bauern, Bergleuten und Gelehrten, die Friedenspolitik betreibt, und sich durch den Bergbau finanziert; Verweltlichung des Bildungswesens; staatliche Alten- und Krankenfürsorge; u.ä.

Eine geschlossene Kampffront der Bau­ern und Bürger kam aber nicht zustande.

Die Bauern waren nirgends in der Lage, ihre zahlenmäßige Überlegen­heit militärisch zur Geltung zu bringen. Das Bürgertum konnte seine Interessen zum großen Teil noch innerhalb der Feudalordnung befriedigen, und war dort, wo es sich der Bauernbewe­gung anschloss, oft ein unsicherer Verbündeter. Der Bauernkrieg verhinderte allerdings in Teilen Süddeutschlands eine weitere wesentliche Verschärfung der feudalen Ausbeutung. Dort, wo die Bauern gekämpft hatten, kam es zu keiner zweiten Leibeigenschaft, wie in den ostelbischen Gebieten.

Warum ging die Feudalgesellschaft un­ter?12

Die neu entstehenden Produktivkräfte des jungen Kapitalismus stießen mit den alten Produktions- und Eigentumsverhältnissen des Feudalis­mus zu­sammen. Daraus erwuchs ein die ganze Gesellschaft umfassender Widerspruch; ein Kampf der bürgerlichen Klasse gegen die Klasse der adligen Grundherren.

Die Feudalgesellschaft wurde beseitigt, als die Verbesserung und Hö­herentwicklung der Pro­duktionstechnik, die Ausweitung der Produktion zur Erzielung von mehr Produkten die Kon­zentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften in großen Produktions­stätten unter einheitlichem Kommando voraussetzte. Das war innerhalb der Feudalgesellschaft durch die persönliche Abhängigkeit der Bauern, ihre Bindung an Grund und Boden und die Zunftbeschränkungen, die die Handwerker einengten, nicht möglich.

Bereits im Feudalismus war, mit dem Entstehen der Städte, neben die beiden feudalen Hauptklassen13 eine aus Kaufleuten und handwerklichen Warenproduzenten bestehende bürgerliche Schicht getreten. Dazu führte die Ausbreitung der Ware-Geld-Beziehungen14 durch den Handel, in Verbindung mit dem Bevölkerungswachstum zu einer zunehmenden so­zialen Diffe­renzierung, die sich in in einer ständig ansteigenden Schicht landloser Bau­ern und städtischen Unterschichten ausdrückte. Diese Schicht war nicht mehr in der Lage, ihren Lebensun­terhalt im Rahmen der feudalen Produktion zu erwerben. Aus diesen Schichten bildeten sich seit dem Ausgang des 15.Jahrhunderts15 Elemente der kapitalistischen Klassen heraus.

Mit der zunehmenden Anwendung kapitalistischer Kooperation16 und manufakturmäßiger Arbeitsteilung17 entstand durch das damit verbundene Eindringen von Handels- und Geldkapital in die Produktion eine zahlenmäßig schwache, nur sehr langsam anwachsende Schicht manufakturkapitalistischer Unternehmer sowie eine sich relativ schneller verbreitende Schicht unmittelbarer Produzenten, die sich auf dem Weg zum freien Lohnarbeiter befanden.

Diese Entwicklung vollzog sich anfangs noch quälend langsam, denn die Existenzbedingungen des Kapitalismus mussten erst geschaffen werden. Diesen notwendigen historischen Prozess nennen wir ursprüngliche Akkumulation.

Was ist die ursprüngliche Akkumulation?

Wir verstehen darunter die gewaltsame Trennung der unmittelbaren Produzenten18 von ihren Produktionsmitteln, die Verwandlung der unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter, die, um leben zu können, gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

Die Existenzbedingungen jeder kapitalistischen Produktion bestehen:

1. in der Anhäufung von Geldreichtümern in den Händen weniger als Voraussetzung für die Schaffung industrieller Betriebe,

2. darin, dass Menschen vorhanden sind, die „doppelt frei“ sind, da sie erstens selbst keine Produk­tionsmittel besitzen, und zweitens persönlich frei (d.h. nicht mehr leibeigen) sind, und deshalb um existieren zu können, als Lohnarbeiter für einen Kapitalisten arbeiten müssen.

Die ursprüngliche Akkumulation vollzog sich in allen kapitalis­tischen Ländern, in denen die feudale von der kapitalistische Produktion abgelöst wurde, und ist durch folgende Hauptmomente gekennzeichnet:

1. massenhafte Vertreibung der Bauern durch Enteignung ihres Landes, Auf­lösung der feudalen Abhängigkeiten, Raub des Ge­meindelandes19, Aus­plünderung der Kirchengüter, Verwandlung der vertriebenen Bau­ern in vogelfreie Proletarier, die durch Blutgesetzgebung20 gewaltsam der kapitalistischen Arbeitsdisziplin untergeord­net werden, Aus­dehnung der Arbeitszeit bis zur physischen Grenze,

2. Zusammenballung von Kapital in den Händen der Kapitalisten mit­tels Skla­venhandel, Aus­plünderung und Versklavung der Bevölkerung der Kolonien, Aus­plünderung der eigenen Bevölkerung durch das Staats­schuldensystem, Steuern und Protektionismus.

Der Kapitalismus hat sich also nicht idyllisch durch fleißige und spar­same Kapitalisten entwickelt, sondern durch brutalste räuberische Enteignung der Bauern und Handwerker, sowie durch Ausplünderung, Versklavung und Vernichtung ganzer Völker.

Der Kapitalismus

Die erste erfolgreiche bürgerliche Revolution in den Nie­derlanden (1566 bis 1609 )

Mit der Wendung des europäischen Handels­verkehrs nach der atlan­tischen Küste im Zusammenhang mit den Ent­deckungen von Ame­rika, Indi­en und Afrika gewannen die nie­derländischen Provin­zen über­ragende wirtschaftliche Bedeutung (Schifffahrt, Handel, Ban­ken, Tuchfabrikation und Fischfang) und stiegen zu einem Zentrum bürgerlicher Ideologie auf.

Der niederländische Adel war bei Beginn der Revolution bereits größtenteils verbürgerlicht. Der Konflikt begann, als der spanische König Philipp II., der die Nieder­lande von Kaiser Karl V. geerbt hatte, versuchte, dort seine Herrschaft massiv aus­zubauen. Nach anfänglichem Schwanken der Bourgeoisie und einem mehrjährigen Partisanenkrieg von Bauern und Fischern, entstand ab 1572 ein Bündnis zwischen Bourgeoisie, Adel, Klein­bürgertum, Arbeitern und Bauern.Mit der Utrechter Union vom 23. Januar 1579 entstand der erste kapitalistische Staat, die republikanischen „Generalstaaten“ der Niederlande, deren Statthalter Wilhelm von Oranien wurde.

In den südlichen Provinzen der spanischen Nieder­lande (das heutige Belgien und Luxemburg) konnten die Spanier ihre Position behaupten. Die niederländische Revolution hatte aber noch nicht die Ausstrahlung auf das übrige Europa, wie später die englische oder die französische Revolution.

Die besonderen Bedingungen der Entwicklung des Kapitalismus in England

Während im übrigen Europa, mit Ausnahme Hollands, die Entwicklung des Kapitalismus am Ende des Mittelalters durch die feudale Reaktion stark behindert wurde, gab es in England günstigere Bedingungen: Der alte englische Hochadel hatte sich in den Rosenkriegen21 bis auf geringe Reste selbst ausgerottet. Die Städte, die Schiffe mit englischen Waren in die ganze Welt schickten, blühten auf. Sie eroberten das ganze Land, und umgekehrt ging der Land­adel in die Städte.

England unterschied sich auch dadurch vom Kontinent, dass das Herrenland, das nicht den Bauern zur Bearbeitung überlassene Land, im allgemeinen größer war, und das auf diesem Herrenland mehr Viehzucht, vor allem Schafzucht, betrieben wurde. Das Schaf hat aber zwei besondere Eigenschaften:

Mit seiner Wolle liefert es die Grundlage für die Wollindustrie und es braucht zu seiner Züchtung und Haltung nur wenige Arbeitskräfte.

Die Großgrundbesitzer verwandelten immer größere Flächen in Weideland. Die Schafhirten waren freie Lohnarbeiter. Solche freien Arbeiter hatte es auch schon früher auf dem Land gege­ben. Aber in England wurden sie zum ersten mal zu einer wichtigen und im Lauf der Zeit entscheidenden Schicht der Werktätigen auf dem Land. Die Landwirtschaft wurde damit zu einem Betrieb, in dem kapitalistische Produktionsverhältnisse herrschten.

Die Kaufleute die früher die Wolle nach dem Kontinent verkauft hatten, über­nahmen die Verarbeitung bald selbst. Es entstanden seit dem 16. Jahr­hundert immer größere Wolltuch-Manufakturen22, die die kleinen handwerklichen Tuchbetriebe verdrängten. Durch die Aufteilung der Arbeit in den Manufakturen war es jetzt auch möglich vermehrt ungelernte Arbeiter einzustellen.

Die Kaufleute und Manufaktur-Besitzer begannen nun auch selbst Land zu erwer­ben und verbanden sich mit dem Teil des Klein- und Mitteladels, der den Übergang zur kapitalistischen Produktionsweise auf dem Land vollzog, zum „neuen Adel“ der Gentry. Umgekehrt beteiligte sich der Landadel an der Tuchproduktion in den Städ­ten. So entstanden aus reichen Städtern und Landadligen immer mehr Kapitalisten. Die Intensivierung der Woll- und Tuchproduktion erforderte die Vergrößerung der Schafherden.

Die Großgrundbesitzer schafften sich neue Weiden durch Einhegungen23 von Gemeindeland und Vertreibung von Kleinbauern. Die ihrer Produktionsmittel beraubten Bauern waren ge­zwungen ihre Arbeitskraft billig den kapitalistischen Manufakturen zu verkaufen. Durch grausame Armengesetzgebung wurde im 15./16.Jahrhundert die Opposition der Ausgebeuteten unterdrückt. Aufstände wurden niedergeschlagen.

Kapitalistischer Landadel? Gab es in Eng­land überhaupt eine bürger­liche Revolution?

Die englische Bourgeoisie formierte sich unter sehr günstigen Be­dingungen zur Klasse. Bürgertum und Gentry förderten auch die Errich­tung der absolu­tistischen Zentralgewalt des Königshauses Tudor (1485-1603). Das Parlament konnte trotz der absolutistischen Re­gierung einen ge­wissen Einfluss wahren. Ökonomisch begann sich bereits die Bourgeoisie durchzusetzen, die politische Macht lag aber noch in den Händen der alten Feudalherren.

Zunächst war die feudalabsolutistische Regierung der Entwicklung bürgerli­cher Produktionsverhältnisse noch dienlich. Die anglikanische Reformation (die Herrschaft der katholischen Kirche in England wurde beendet, und der König zum obersten Kirchenherrn erklärt) ab 1534, hatte eine große ökonomische Bedeu­tung. Der Geldabfluss nach Rom wurde beendet. Und durch die Auf­hebung der Klöster und der Verschleuderung der einge­zogenen Kirchenländereien an Bourgeoisie und Gentry, die damit verbundene Frei­setzung von Arbeitskräften (Mönchen, Klosterbauern) und die Ausrau­bung des materi­ellen Kirchen­besitzes ver­stärkte sich die kapitalistische Entwicklung. Seit 1662 begann der Sklavenhandel. Banken und Börse (1566/70) wurden ge­gründet. Schon unter Elisabeth I. (1558-1603) traten erste Widersprüche auf, die sich unter der folgenden Dynastie der Stuarts weiter verschärf­ten. Als Karl I. 1640 das Parlament auflösen wollte begann die bürgerli­che Re­volution, der bereits eine umfassende revolutionäre Bewegung im Land vor­ausging.

Bürgerliche Geschichtsschreiber versuchen die englische bürgerliche Revoluti­on auf eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen religiösen Richtungen zu redu­zieren. Tatsächlich waren religiöse Bewegungen, wie die der Puritaner, Presbyterianer usw. nur der äußere Mantel, unter dem die antagonistischen Klassen­interessen, aber auch unterschiedliche Fraktionen des Bürgertums auf­traten. Nach schnellen Erfolgen der revolutionären Truppen, und der Hinrichtung des Königs entstand 1649 zur Wahrung der Klasseninteressen des Großbürgertums24 eine Militärdiktatur unter Führung von Oliver Cromwell. Nach dem Tod des Regierungschefs Cromwell 1658 setzte durch das Bedürfnis der Bourgeoisie nach einer stabilen Staatsordnung eine Restauration der alten Verhältnisse unter der alten Königsdynastie ein. Die ökonomische Entfaltung der Bourgeoisie hielt zwar an, die feudalabsolutistische Reaktion nahm ab 1681 aber wieder zu.

Einer neuen Massenbewegung kam das Parlament mit einem Staatss­treich zu­vor, und setzte den König Jakob II. im Jahr 1688 ab. (so genannte „glorreiche Revolution“) Die dabei formulierten Ansprüche der Bourgeoisie als herrschende Klasse wurden 1689 durch die Annahme von Jacobs Nachfolgern, Maria II. und Wilhelm III. als „Bill of Rights“ Staatsgesetz. Damit war der endgültige Sieg der Bourgeoisie über den Absolutismus erreicht. In der Folge entstand die bürgerlichparlamentarische Staatsverfassung.

Die Außenpolitik des bürgerlichen Staats stand nun im Dienst des Kampfs um Märkte und Kolonien. Bis 1763 war England zur bedeutenden Kolonialmacht geworden. Die führende Rolle im Sklaven­handel, der Außenhandel und die Aus­beutung der Kolonien brachte der Bourgeoisie Riesengewinne. Sie bildeten in Ver­bindung mit dem Protektions25– und Staatsschuldensystem eine wichtige Triebkraft bei der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals.

Die Französische Revolution

Mit dem Erstarken der bürgerlich-kapitalistischen Elemente in Frankreich (Ausweitung der Manufakturen, Ausweitung des Außen-, beson­ders des Kolonialhandels, zunehmender Einfluss des Bankkapitals) und der Verschärfung der Ausbeutung auf dem Land trat die Krise des feudal­absolutistischen Systems in die letzte Phase.

Unter Ludwig XVI. verdichtete sich die Krise zur revolutionären Situation. Die Versuche, den Zusam­menbruch des Feudalabsolutismus durch Reformen aufzuhalten, scheiterten am Widerstand der Aristokratie selbst. Am 5.5.1789 traten die Generalstände26 nach Neuwahlen in Versailles zusammen.

Die Vertreter des 3. Standes, des Bürgertums, erklärten sich am 17. Juni zur Nationalversammlung27, schworen erst aus­einan­derzugehen, wenn sie dem Land eine Verfassung gegeben hatten und lehnten es ab, nach Ständen getrennt zu beraten. Am 9. Juli wurde die Nationalversammlung zur Verfassungsgebenden Versammlung erklärt. Gegen den Versuch des Königs, die Feudalordnung durch Staatsstreich zu retten, erhob sich das Volk von Paris, holte sich Waffen aus den Arsenalen und stürmte zusammen mit dem zum Volk übergelaufenen französischen Gardere­giment am 14. Juli 1792 die Bastille28.

Der Aufstand griff auf die Provinzen über, und damit begann die eigent­liche Revolution.

In dieser 1. Etappe der Revolution dominierte die Großbourgeisie im Bündnis mit dem liberalen Adel. Das fand auch seinen Ausdruck in der Verfassung von 1791: konstitutionelle Monarchie, Vetorecht des Königs, Wahlzensus. Das offenkundige Versagen der Großbourgeoisie gegen die Konterrevolution (Fluchtversuch des Königs, der sich an die Spitze eines Emigranten­heers stellen wollte; Vormarsch der Preußen) führte zum Pariser Volksaufstand.

Die während der 2. Etappe der Revolution herrschenden Girondisten vertraten vor allem die Interessen der provinziellen Handels- und Industriebourgeoisie. Nach Absetzung des Königs durch den nach all­gemeinem Wahlrecht einberufenen Konvent wurde am 22. September 1792 die Erste Republik aus­gerufen, der König im Januar 1793 hingerichtet.

In den Auseinandersetzungen darum wurden die Girondisten aus dem radikaler werdenden Jakobiner­klub29 ausgeschlossen. Wegen der volksfeindlichen, im Kampf gegen die Invasionstruppen oft auch verräterischen Haltung der Girondisten kam es am 31.Mai 93 zum Aufstand der revolutionären Sektionen von Paris. Damit brach die Herr­schaft der Girondisten zusammen.

In der 3.Etappe der Revolution lag die Macht in den Händen der Jakobiner, die sich als Vertreter des revolutionären mittleren und Kleinbürgertums auf die plebejisch-bäuerlichen Volksmassen, die Sansculotten30 stützten. In dieser Etappe der Revolution spielten verschie­dene links von den Jakobinern stehende Gruppen eine wichtige Rolle:

Wie die Enragés31, die die Interessen der plebejisch-vorproletarischen Schichten vertraten, und wegen ihrer scharfen Kritik an der Revolutionsregierung bereits im Herbst 1793 verfolgt wurden, Oder der Club der Cordeliers32, dessen wichtigste linke Vertreter der Arzt Jean-Paul Marat, der Herausgeber der Zeitung „Ami du peuple“ (Volks­freund) und der radikale Atheist Jacques-René Hébert, Her­ausgeber der Zeitung „Père Duchesne“ , waren.

Die Politik der Jakobiner zur Rettung und Vollendung der Revolution erreichte den Höhepunkt mit der Errichtung der revolutionär-demokratischen Diktatur: Konzentration der politischen Gewalt in Wohlfahrts- und Sicherheitsausschuß, Revolutionstribunal, Einsatz von Kon­ventskommissaren, gestützt auf die örtlichen Revolutionskomm­tees.

Mit der Agrargesetzgebung und der Aufhebung aller noch vor­handenen Privilegien wurde der Feudalismus restlos beseitigt. Die Einführung der re­ublikanischen Verfassung von 1793 (alle Männer ab 21 wahlberechtigt, Recht auf Arbeit) musste wegen der inneren und äußeren Konterrevolution ausge­setzt werden. Gegen die Feinde der Revolution und Wucherer wurde der revolutionäre Terror angewandt: „Frankreich ist revolutionär bis zur Wiederherstellung des Friedens33

Zur Verteidigung der Republik wurde das allge­meine Volksaufgebot beschlossen: Zerschlagung der Konterrevolution in der Vendée, Sieg bei Fleurus über die Österreicher. Gegen den Versuch, der Jakobinerherrschaft durch Gesetze eine stabilere Basis zu schaffen, organisierte die Großbourgeoisie die Thermidorverschwörung (Juli 1794). Mit der Hinrichtung der führenden Jakobiner endete die fortschrittlichste Revolutionsetappe.

Die 4. Etappe der Revolution: Nach Aus­schaltung der Jakobiner und der Unterwer­fung der Volks­massen im April/Mai 1795 konsolidierte die Großbourgeoisie ihre Herr­schaft, die Ihren in­stitutionellen Aus­druck im Direktorium fand: Zweikammer­system, Exekutive von fünf „Direktoren“. Aber dem Direktorium gelang es nicht, die innenpoli­tische Lage im Zweifronten­krieg gegen die royalistische und republikanische Opposition zu stabilisieren.

1797 organisierte Gracchus Babeuf gegen die Bourgeoisie die utopisch-kommunistische Verschwörung der Gleichen.

Dazu kamen außenpolitische Rückschläge, wie der Verlust Italiens. 1799 kam es zur of­fenen Krise des Direktoriums. Am 18. Brumaire (9.11.1799) riss General Napoleon Bonaparte im Auf­trag der aggressivsten Teile der Großbourgeoisie die Macht an sich. An Stelle des Direktoriums trat die offene Diktatur; zuerst in Form des Konsulats mit Napoleon als „Erster Konsul“, ab 1804 als „Kaiser Napo­eon I.“. In der Französischen Revolution war wie in keiner anderen zuvor das Volk als Hauptkraft in den Vordergrund getreten.

Natürlich war die Französische Revolution eine bürgerliche Revolution, und selbst die Jakobiner, die von den Sansculotten immer wieder bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten getrieben wurden, wollten und konnten nicht mehr machen, als eben eine bürgerliche Revolution.

Aber es war die Schubkraft der Massen, der ausgebeuteten Bau­ern und städtischen Werktätigen, die die Revolution immer wieder vorantrieb, und sie in den Grenzen der Möglichkeiten ihrer Zeit gegen den inneren und äußeren Feind folgerichtig zu Ende führte. Und damit ist sie, in zumindest diesem Punkt, ein Vorbild für alle zukünftigen Revolutionen.

Das Zeitalter der industriellen Revolution

Ab der Mitte des 18.Jahrhunderts waren die Einhegungen34 in England abge­schlossen und in Ver­bindung mit der schnellen Kapitalakkumulati­on die Voraus­setzungen für die industrielle Revolution gegeben. Auf der Grund­lage zahlreicher Erfindungen (Kokshochofen, Dampfmaschine35, Spinnmaschine, me­hanischer Webstuhl, industrielle Erzeugung von Tiegelstahl, Eisenschiene, Lokomotive, Eisenschiff, Buchdruckschnellpresse) entwickelten sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte schnell. Großbritannien wurde die erste Industriemacht der Welt.

Gesellschaftliche Vernderungen vollzogen sich als Folge dieser Umwälzungen. In allen Wirtschaftszweigen wurden die kleinen Warenproduzenten wirtschaftlich vernichtet oder in bloße Anhängsel der Großbetriebe verwandelt.

Als antagonistische Klassen entstanden die Industriebourgeoisie und das Industrieproletariat.

Die Fortsetzung der Industrialisierung, des Freihandels und der kolonialen Er­oberungen bewirkten, dass Großbritannien zum klassischen Land des Kapitalismus wurde, in dem Marx und Engels die Gesetze und Widersprüche der kapitalis­tischen Produktionsweise studierten und analysierten.

Die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848

Die Revolution von 1848 erwuchs aus dem Widerspruch zwischen den vom Kapitalismus hervorgebrachten neuen Produktivkräften und den noch vorherrschenden halbfeudalen Produktionsverhält­nissen. Ihr Ausbruch wurde durch zwei Faktoren gefördert:

1. Die Getreide- und Kartoffelpreise waren durch Missernten 1845 – 1847 dramatisch gestiegen. Die Folge waren Hungersnot und durch Unterernährung bedingte Krankheiten.

2. Eine 1847 in England ausbrechende zyklische Wirtschaftskrise des Kapitalismus griff rasch auf den Kontinent über und führte hier zu Bankrotten von Handelshäusern, Fabrikschließungen und Arbeitslosigkeit.

Der Zündfunke, der die Revolution in Europa entfachte, kam aus Paris: In bewaffneten Barrika­denkämpfen vom 22. bis 24. Februar 1848 hatten die französischen Arbeiter die korrupte bürgerlichkonstitutionelle Monarchie gestürzt und die Proklamierung der Republik am 25. Februar erzwungen. Seit Ende Februar kam es in Italien, Deutschland, Polen Böhmen und Ungarn zu revolutionären Erhe­bungen gegen die feudalen Unter­drücker. Innerhalb weniger Wochen nahm die revolutionäre Bewegung euro­päischen Charakter an.

Bereits wenige Tage nach Beginn der Revolution in Frankreich war ganz Süd­westdeutschland, bald darauf Bayern und Mitteldeutschland von der Revolutions­welle erfasst. Mit fast durchwegs erfolgreichen Aktionen, Volksversammlungen, Demonstra­tionen, Bauernauf­ständen, Straßen- und Barrikadenkämpfen brachen Arbeiter, Handwerker, Bauern und Bürger die All­macht der halbfeudalen Reaktion.

Die Fürsten mussten sich zu Zugeständnissen (Verfassungsversprechen, Geschworenengerichte, Pressefreiheit, Amnestie usw.) und zu Regierungsumbildungen bereit erklären, und liberale Vertreter mit der Regierungsbildung beauftragen. Mit diesen Erfolgen und Versprechungen gab sich das Bürgertum im Allgemeinen zufrieden, trat rasch selbst als Ordnungsmacht auf36, und wandten sich gegen die die Revolution weitertreibenden Aktionen der Volksmassen. Die Arbeiterklasse trug in den Kämpfen die Hauptlast und war die ent­schiedenste revolutionäre Kraft. Die Märzkämpfe hatten zwei Ergebnisse:

Die Revolution hatte also zwei Reihen von Resultaten, die notwendig auseinandergehen mußten. Das Volk hatte gesiegt, es hatte sich Freiheiten entschieden demokratischer Natur erobert; aber die un­mittelbare Herrschaft ging über nicht in seine Hände, sondern in die der großen Bourgeoisie.Mit einem Wort, die Revolution war nicht vollendet. Das Volk hatte die Bildung eines Ministeriums von großen Bourgeois zugelassen, und die großen Bourgeois bewiesen ihre Tendenzen sogleich dadurch, daß sie dem altpreußischen Adel und der Bürokratie eine Allianz anboten.“ (Aus: „Neue Rheinische Zeitung“ vom 14.Juni 1848.)37

Die deutsche Bourgeoisie, von jeher antirevolutionär, fürchtete die eigene Arbeiterklasse und die übrigen revolutionären Volksschichten mehr als die feudale Reaktion. So stellte sie sich nicht an die Spitze der revolutionären Bewegung, sondern setzte alles daran, die Revolution zu bremsen.

Dieser Verrat bewirkte eine rückläufige Entwicklung der Revolution. Es gelang der Bourgeoisie die Bewegung in friedliche parlamentarische Bahnen zu lenken, und in den Parlamenten ihr Konzept der „Vereinbarung“ mit Krone und Adel durchzusetzen. Im europäischen Maßstab hatte die Revolution bereits im Juni 1848 in Paris ihre Wende erreicht. Nach mehrtägigen Straßenschlachten mit 10.000 Toten endete der Kampf der französischen Arbeiter­klasse am 26.Juni mit einer Niederlage. Das war auch das Signal für das Vordringen der deutschen Konterrevolution.

Während die Konterrevolution marschierte, begann die deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche mit der Ausarbeitung einer deutschen Verfassung.

Die deutsche Nationalversammlung und ihre Arbeit wurde von den Fürsten aber schon längst nicht mehr ernst genommen. Im Mai 1849 appellierte deshalb die Nationalversammlung an das deutsche Volk, die Reichsverfassung in Kraft zu setzen.

Zur Verteidigung der Reichsverfassung erhob sich das deutsche Volk Anfang Mai nochmals in gewaltigen Massenaktionen. In Dresden wurde am 3.Mai der sächsische König aus der Stadt vertrieben, nach sechs Tagen un­terlagen die Aufständischen aber der Übermacht der sächsischen und preußischen Truppen. Auch die Widerstandsaktionen der Arbeiter im Rheinland und in Westfalen wurden schnell durch starke Truppenverbände unterdrückt.

Ihren Höhepunkt erreicht die Reichsverfassungskampagne im pfälzisch-badischen Aufstand vom 1. Mai bis 23.Juli 1849. Der Aufstand wurde von führenden VertreterInnen des „Bunds der Kommunis­ten“ unterstützt. In diesem Aufstand kamen zum ersten Mal in grossem Umfang revolutionäre Streitkräfte zum Einsatz: Wie z.B. das Freikorps Willich (Adjutant Friedrich Engels), das Mannheimer Arbeiterbataillon, die deutsch-polnische Legion, Beckers Volkswehren oder die Hanauer Turner. Der Aufstand wurde durch überlegene preußische Interventionstruppen nie­dergeschlagen. 80 000 Menschen flohen aus Baden.

Mit dem Fall der Festung Rastatt am 23.Juli, und einem Massaker unter den Gefangenen setzte die Reaktion auf ihre Weise einen Schlusstrich unter die deutsche bürgerlich-demokratische Revolution.
Die Pariser Commune

Auf die Nachricht von der Niederlage bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg, erzwangen die Volksmassen von Paris am 4.9.1870 die Proklamierung der Dritten Republik. Die neue „Regierung der nationalen Verteidigung“ brachte jedoch keinen Willen zur Gegenwehr auf. Und um die Hände gegen das revo­lutionäre Paris freizubekommen, schloss sie am 28.1.1871 einen Waffenstillstand. Die nach dem Sturz der Monarchie ein halbes Jahr vorher gegründete, 350.000 Mann starke National­garde verweigerte den Preußen gegen die Weisung aus Versailles den Einzug nach Paris. Als Regierungstruppen am frühen Morgen des 18. März versuchten, die 200 Kanonen der Nationalgarde, die auf den Hügeln vom Montmartre und Belle­ville standen, aus der Stadt zu schaffen, stellten sich die Frauen zwischen die Kanonen und die Armee und verzögerten so den Abtransport bis zum Eintreffen der Nationalgarde.

Teile der regulären Armee liefen zu den Aufständischen über. Die Regierungstruppen mussten fluchtartig Paris verlassen. In der Hauptstadt übernahmen die Arbeiter und das radikale Kleinbürgertum die Macht und errichteten die „Commune de Paris“. Am 26.März fanden Wahlen statt. An der Spitze stand nun der Rat der Commune.

Die Führung der Commune war politisch uneinheitlich. Sie bestand aus kleinbürgerlichen Radikalen, Blanquisten, Proudhonisten und nur wenigen Marxisten. Das stehende Heer wurde aufgelöst. Ar­mée und Polizei durch Nationalgarde und prole­tarische Milizen ersetzt.

Es wurden sofort wesentliche Reformen im Interesse der Werktätigen durchgeführt: z.B. Abschaffung des Mitwuchers, Abschaffung des Geldstrafensystems in den Betrieben, Verbot der Nachtarbeit für einzelne Berufsgruppen, Preiskontrolle, obligatorische Schulbildung. Leerstehende Wohnungen werden be­schlagnahmt und den Bewohnern der bombardierten Viertel zur Verfügung gestellt. Alle Zahlungen an religiöse Institutionen werden eingestellt, Güter von Klöstern werden in Nationaleigentum übergeführt, religiöse Symbole werden aus öffentlichen Gebäuden verbannt.

Das Gehalt für Beamte darf den Lohn eines Facharbeiters nicht übersteigen. Richter werden vom Volk gewählt. Fabriken die von ihren Besitzern verlassen worden sind, sollen in das Eigentum der ArbeiterInnen übergehen und von der kooperativen Assoziation der Arbeiter, die in ihnen beschäftigt waren, verwaltet werden. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit wird ein System der Arbeitsvermittlung geschaffen.

Frauen werden gleichberechtigt. Eheliche und uneheliche Kinder werden rechtlich gleichgestellt.

Die Frauen der Commune

Als versucht wurde, der Nationalgarde die Waffen zu stehlen, waren es die Frauen, die diese verteidigten, bis Hilfe gekommen war. Und nicht selten nahmen sie auch aktiv, mit der Waffe in der Hand am Kampf teil. Allein auf der Barrikade vom Place Blanche kämpften 120 Frauen mit. 3.000 – 4.000 Frauen sollen der Union des Femmes38, dem größten Frauenbund dieser Zeit, angehört haben. Es wurden Widerstandskomitees gebildet, die Strategie und Taktik politischer Ak­tionen planten. Organisiert wurden aber auch die Frauenerwerbsarbeit und die Krankenpflege. Außerdem war die militärische Unterstützung eine große Hilfe für die Kämpfenden.

Rund 3.000 Frauen arbeiteten an der Herstellung von Patronen, 1.000 an Säcken für Barrikaden. Bei der Übernahme der verlassenen Fabriken forderte die Union ihr die Alleinversorgung der Nationalgarde anzuvertrauen.

Sicher ist, dass die Frauen der Commune einen entscheidenden Beitrag zu diesem sozialistischen Experiment geleistet haben.

Die Fehler der Commune

Die Regierungskasse befand sich in Versailles, die Beamten und die Nationalgarde mussten aber be­zahlt werden. Der Kommissar für die Bank von Frankreich war Proudhonist (lehnte Einmischung in Privateigentum ab), deshalb wurde die Bank nicht gestürmt. Einer der Hauptfehler der Kommune war aber sicher, dass der Marsch auf Versailles unterlassen wurde. Am 19.3.1871 waren nur 12.000 Soldaten auf Thiers Seite. Ihnen gegenüber standen aber etwa 400.000 Bewaffnete in Paris. Durch das Zögern der Commune konnte Thiers seine Armee bis Ende März auf über 65.000 Mann aufstocken.

Thiers wurde dabei auch von den Preußen unterstützt. Das Abkommen wonach nur 40.000 Soldaten um Pa­ris stationiert werden durften, wurde aufgehoben und die Preußen erleich­terten den französischen Kriegsgefangenen bewusst die Rückkehr in die Heimat, d.h. an die Front gegen die Com­mune.

Am 21.5. gelingt es den Truppen Thiers in Paris einzu­dringen. Am 25.5. erscheint die letzte Ausgabe des revolutionären Journal Officiel:

Der Feind ist nicht dank seiner Stärke, sondern mir Hilfe von Verrätern in die Stadt eingedrungen. Der Mut und die Energie der Pariser werden ihn zurückschlagen(…).Alle auf die Barrikaden! Läutet Sturm, lasst alle Glocken dröhnen und alle Kanonen donnern, solange auch nur ein einziger Feind in der Stadt ist!“

Am Père Lachaise, dem größten Friedhof von Paris liefert die Com­mune ihr letztes Gefecht. Am 28.Mai wird die Commune endgültig besiegt. Die Bilanz der Blutwo­che in Paris: 30 000 Menschen ermordet – 60 000 Gefangene und Zwangsarbeiter

(Siehe dazu auch die von Karl Marx im Mai 1871 geschriebene,.an die Mitglieder der internationalen Arbeiterassoziation in Europa und den Vereinigten Staaten gerichtete Adresse des Generalrats der In­ternationalen Arbeiterassoziation „Der Bürgerkrieg in Frankreich“39.)

Und Heute? Gibt es überhaupt noch Klassen?

Wir haben gerade gesehen, dass die ganze Geschichte eine Geschich­te von Klassen­kämpfen ist, und das durch diese Klassenkämpfe eine veraltete Gesellschaftsformati­on durch eine neue abgelöst wird. Aber heute?

Irgendwie gibt es sie nicht mehr, die klassischen ArbeiterInnen aus den Romanen von Bredel und Z­la. Wo sind sie geblieben, die ausge­mergelten Pro­leten in Holzschuhen und Arbeitskittel? Viele Linke sind immer wieder enttäuscht, dass die Kolleginnen im Betrieb so ganz und gar nicht ihrer Vorstellung vom kämpferischen klassenbe­wussten Arbeiter entsprechen.

Natürlich gibt es ArbeiterInnen mit BMW und Eigenheim, die im Urlaub nach Mallorca fliegen, aber wir sollten uns davon nicht blenden lassen. Das läuft auf Pump und Schulden, und spätestens wenn wir die Kolle­gInnen mit BMW bei Norma und Aldi sehn, wird das auch klar.Natürlich ist unser Lebensstandard (im Augenblick noch) besser als vor 80 Jahren. Aber sobald wir im Krankenhaus landen, oder unsere Kinder auf eine höhere Schule schicken, geht uns ziemlich schnell die finanzielle Luft aus, und es wird genauso schnell klar, dass wir zu einem anderen Teil der Bevölke­rung gehören, als die, an die wir das Geld für BMW, Eigenheim und Urlaubsflug zahlen.

Natürlich gibt es auch ArbeiterInnen die mitleiden, wenn es „ihren“ Ka­pitalistInnen schlecht geht, und sich über die Erfolgsbilanz „ihres“ Unternehmens begeistern, als wäre es der Sieg ihres Fußballvereins.ArbeiterInnen die bis jetzt noch keinen Unterschied sehen zwischen ihren Interessen und denen der Bourgeoisie. Aber wer hat sie auf den Unter­schied hingewiesen? Nun werden die KollegeInnen tatsächlich mit dem Begriff „Klasse“ meist nichts anfangen können. Und „Angestellte“, immerhin die Hälfte der Klasse, halten sich meist nicht einmal für ArbeiterInnen. Wenn wir trotzdem von Klassen sprechen, was verstehen wir darunter?

Definition von Klassen (Nach Lenin, LW 29, S. 410)

“Als Klasse bezeichnet man große Menschengruppen die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion,

[1.] nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den
Produktionsmitteln,

[2.] nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit, und folglich

[3.] nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen.

Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer anderen aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft.“

Grundlegend für die Unterscheidung der Klassen, ist also in jedem Fall das Verhältnis zu den gesellschaftlichen Produktionsmitteln. Für was sich ArbeiterInnen selbst halten, ob sie sich überhaupt be­wusst sind, dass sie Teil einer Klasse sind, ist erst einmal egal. Die Klasse existiert an sich auch ohne Klassenbewusstsein. Zur Klasse für sich wird das Proletariat aber erst dadurch, dass es in den Klassenkämpfen auch als Klasse handelt.

Das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse durchläuft wie diese selbst ver­schiedene Entwicklungs­stufen. Zunächst wird der Interessens­gegensatz gegenüber der Bourgeoisie emp­funden, dann entwickelt sich spontan das Bewusstsein, dass sich die Arbei­terklasse organisieren muss, um ihre Lage im Kampf gegen die Bourgeoisie zu verbessern.

Es ist die Aufgabe der revolutionären Organisation klar zu machen, dass es nicht ausreicht den einen oder anderen Streik zu führen oder mit Demos, In­itiativen und Foren Druck auf die Herrschenden aus­zuüben. Es ist unsere Aufgabe zu zeigen, dass die herrschenden Verhältnisse nicht re­formiert werden können, sondern dass sie beseitigt werden müssen.

Wenn also Leute jammern, dass sie nichts mehr von der Arbeiter­klasse se­hen, dann sollten sie sich besser fragen, was sie tun, dass sich die Klasse ih­rer Lage bewusst wird.

3. ZEITTAFEL

Vor 4 Millionen Jahren

Australopithecus, der unmittelbarste Vorfahr des Menschen erscheint in Afrika.

Vor 2,5 Millionen Jahren

Das älteste bekannte Werkzeug wird in Afrika von Menschen herge­stellt. („Pebble-Tools“, bzw. „Geröll-Werkzeuge“)

Vor 800 000 Jahren

Der Mensch („Homo erectus“) lernt den Gebrauch des Feuers. Der feinere Faustkeil ersetzt die groben Pebble-Tools. Es werden Hütten gebaut und Elefantenjagden organisiert.

Vor 180 000 Jahren

Der Neandertaler erscheint in Europa. Der Faustkeil, der aus einer einzigen Steinknolle geschlagen wurde, wird langsam durch eine neue Technik ersetzt, bei der Steinklingen von der Knolle abge­schlagen werden, die zu dif­ferenzierteren Werkzeugen weiterver­arbeitet werden.

Alte und Kranke werden nachweislich bereits durchgefüttert, und es lassen sich auch die ersten Begräbnisriten feststellen.

Vor 40 000 Jahren

Unser direkter Vorfahr, der Cro-Magnon-Mensch taucht in Europa auf. Die Klingen­technik wird verfeinert und die Nähnadel erfunden. Die ersten Höh­lenmalereien und Schnitzereien in Europa stammen aus dieser Zeit.

Ab 6000 v.u.Z. Der Ackerbau dringt nach Europa vor. In der Folgeentsteht Töpferei und Viehzucht. (Anfangs nur Kleinviehzucht

Ab2000v.u.Z Erste Verwendung von Bronze in Europa.

Ab800v.u.Z Beginn der frühen Eisenzeit

Ab700 v.u.Z. Beginn der Sklavenhaltergesellschaft in Griechenland

480 v.u.Z. Seeschlacht bei Salamis

331 v.u.Z. Der Sieg Alexander des Großen bei Gaugamela führt zum

Zu­sammenbruch des Perser­reichs.

323 v.u.Z. Tod Alexander des Großen

202 v.d.Z. Niederlage Hannibals bei Zama

146 v.d.Z Zerstörung Karthagos durch die Römer

136–133 v.d.Z 1.Sklavenaufstand in Sizilien

133–129 v.d.Z Der von Sklaven und armen Freien getragene Auf­stand des Ariston- ikos in Kleinasien

104–101 v.d.Z 2. Sklavenaufstand in Sizilien

73 v.d.Z Sklavenaufstand des Spartacus in Italien

56 v.d.Z. Beginn der Eroberung Galliens durch Cäsar

27 v.d.Z Mit Kaiser Augustus Beginn der Militärdiktatur in Rom. Re­lative Sta bilisierung der Sklaven­haltergesellschaft.

260 – 283 1. Bagaudenaufstand in Gallien. (Eine bis 442 aktive Be­wegung von Sklaven, Kolonen und Bauern gegen die Römerherr­schaft.)

391 Christentum wird Staatsreligion im römischen Reich

800 Kaiserkrönung Karl des Großen

843 Vertrag von Verdun. Die durch den Feudalisierungsprozess be­dingte poli­tische Zersplitterung führt zur Aufteilung des Franken­reichs. (Westfran­ken = Frankreich, Ostfranken = Deutschland)

1096 Erster Kreuzzug

1492 „Entdeckung“ Amerikas

1493/1502 Organisierung des „Bundschuh“ einer Bewegung von Bau­ern, Bürgern und Plebejern gegen den Feudalismus.

1514 Bauernaufstand des „Armen Konrads“ in Württemberg

1517 Beginn der Reformation in Deutschland

1524 – 1525 Großer deutscher Bauernkrieg. (Frühbürgerliche Re­volution in Deutschland)

1566 Beginn der niederländischen Revolution, erste erfolgreiche bürgerli­che Revolution

1649 Errich­tung der englischen Republik unter Cromwell

1660 Restauration des Königshauses Stuart in England

1688 Staatsstreich des Englischen Parlaments (Glorreiche Revolution)

1711 Erste Produktion von Dampfmaschinen

1789 Beginn der französischen Revolution

1848 Das deutsche Bürgertum verrät seine eigene Revolution

1871 Erste sozialistische Revolution Geschichte:Errichtung der Commune von Paris

1917 Oktoberrevolution in Russland

4. LITERATUR

Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, Friedrich Engels, MEW, Bd.20, S.444-455

Zur Frage ab wann beginnt der Mensch ein Mensch zu werden. Hier gilt aber das gleiche wie unten – Ursprung der Familie .. – der Text ist von 1876

Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, Friedrich Engels, MEW, Bd.21, S.30-173

Unbedingt beachten: Der Text ist von den archäologischen Kennt­nissen von 1884 aus geschrieben. Der ganze erste Abschnitt „Vorge­schichtliche Kulturstufen“ ist teilweise überholt. Hier ist ein modernes Ar­chäologiebuch zu empfehlen.

Die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung, Alex­andra Kollontai, 1975, Berlin, Verlag Neue Kritik

Das ist der einzige längere Text, der sich aus marxistischer Sicht mit diesem Thema ausein­andersetzt und eine absolut notwendige Korrektur der männer-dominierten Geschichtswissenschaft.

Frühgeschichte Griechenlands und der Ägäis, George Thomson, 1960, Berlin, Akademie Verlag/deb

Allen zu empfehlen, die sich genauer mit der Gentilgesellschaft, und dem Übergang zum Patriarchat beschäftigen wollen.

Geschichte der Neuzeit, 1.Bd., Red.: M.W.Birkujowitsch u.a., 1954, Berlin, VEB Volk und Wissen

Vor allem zur Entwicklung des Bürgertums von 1640 – 1789 in Eng­land und Frankreich interessant.

Grundlagen der marxistischen Philosophie, Hrsg.: Akademie der Wissenschaften der UDSSR, deutsche Übersetzung, 1959, Dietz-Verlag

Umfangreiches Lehrbuch, dass den Historischen Materialismus in 9 Kapiteln auf über 350 Seiten behandelt. Daher eher als Nachschlagewerk zur Klärung spezieller Fragen geeignet.

Kleine Enzyklopädie – WELTGESCHICHTE, Hrsg.: Walter Markov, 1967, Leipzig, VEB Biblio­graphisches Institut

Ein nach Ländern gegliedertes Geschichtslexikon. Für jedes Land wird die historische Entwicklung ab der Urgesellschaft dargestellt. Im Anhang ein historisch-politisches Lexikon, in dem Organisationen und Fachbegriffe erklärt werden

Kleine Enzyklopädie – Deutsche Geschichte, Hrsg.: Müller-Mertens u.a., 1965, Leipzig, VEB Biblio­graphisches Institut

Politische Ökonomie – Lehrbuch, Hrsg.: Akademie der Wissenschaften der UDSSR, deutsche Übersetzung, 1957, Dietz-Verlag

Kapitel 2 behandelt die ‚vorkapitalistischen Produktionsweisen‘ von der Urgemeinschaft bis zum Untergang der Feudalordnung auf 38 Seiten und gibt einen guten, gerafften Überblick.

Vom Knüppel zur automatischen Fabrik, Jürgen Kuczynski, Berlin, Der Kinderbuchverlag

Auch wenn es ein Kinderbuch ist: Für Erwachsene, die sich einen schnellen Überblick über die Entwicklungsgeschichte der Klassenge­sellschaften verschaffen wollen, unbedingt zu empfehlen.

1 Die Frage nach dem Verhältnis von Materie und Bewusstsein

2 MEW, Bd.4, S.491

3 Zur Urgesellschaft siehe auch: Lewis H. Morgan, „Die Urgesellschaft“ (Ancient Society), 1877, deutsch: Verlag Andre­as Achenbach, Lollar/Lahn, 1976 —– Friedrich Engels, „Der Ursprung der Familie, des Privateigen­tums und des Staats“, 1884, diverse Neuauflagen. —- George Thomson, „Frühgeschichte Griechenlands und der Ägäis“ (The Prehis­toric Aegean), 1949, deutsch: Akademie Verlag, Berlin, 1960 /deb

4 Bronzezeit etwa ab 1600 v.d.Z (Hügelgräberbronzezeit) durch Funde nach­weisbar

5 Die semitischen Wörter für „König“ (melek bzw. sar/scharru) bedeuten eigent­lich „Eigentü­mer“

6 Die Reichen hatten aber durchaus keine Skrupel, bei ihnen verschuldete Stammes­mitglieder in die Sklaverei zu verkaufen, oder selbst als Sklaven einzu­setzen

7 D.h. die Leibeigenen konnten über keinen Teil ihres Lebens selbst be­stimmen, das konnte nur ihr „Gebieter“.

8 Die häufigen süddeutschen Familiennamen Meier. Mayer, u.ä. kommen tat­sächlich davon!

9 Vom Verständnis der Feudalherren aus, bekamen die Bauern das Land für das sie Abgaben zahlten, nur „geliehen“.

10 Eine in deutschen Geschichtsbüchern beschönigende Bezeichnung für die Er­oberungsfeldzüge deutscher Feudalherren in die slawischen Gebiete öst­lich der ehemaligen Reichsgrenze (Elbe-Saale-Böhmerwald-Ostal­pen) im Mittelalter.

11 „Geuse“ (frz. Gueux), d.h. Lump, Bettler, war ursprünglich ein Schimpfwort der Feudal­herren gegen die bürgerliche Opposition, das von den Partisanen be­wusst als Ehrenname verwendet wurde.

12 Sh. zu diesem Problem auch: Paul Sweezy, Maurice Dobb u.a. „Der Über­gang vom Feudalismus zum Kapi­talismus“ (The Transition from Feudalism to Capi­talism), deutsch: Syndicat, Frankfurt am Main 1978, Eine in den 50er Jahren in der Zeitschrift „Science and Society“ ge­führte Debatte von His­ torikern.

13 Feudaladel einerseits, und Bauern andererseits

14 Im Unterschied zur Naturalwirtschaft werden nun Waren und Geld ausge­tauscht.

15 Also etwa zeitgleich mit der Entdeckung Amerikas, dem Beginn der deut­schen Bauern­kriege und der Re­formation.

16 Zusammenarbeit vieler, die im selben Produktionsprozess oder in verschie­denen , aber zusammen­hängenden Produktionsprozessen neben- und mit­einander arbei­ten.

17 In der Manufaktur ist die Arbeit so aufgeteilt, dass jeder am Produkt nur einen be­stimmten Handgriff ausführt und dabei einfache Arbeitswerk­zeuge benutzt. Ein Fortschritt der Produk­tion gegenüber dem Handwer­ker, der alle Handgriffe selbst ausführt.

18 Im Feudalismus waren das die Bauern

19 Gemeinsamer Besitz der Dorfgemeinden an Weide und Wald

20 In England wurde Betteln und Landstreicherei (also Arbeitslosigkeit) zeit­weise mit dem Tod oder Verstümme­lung be­straft. Ähnliche Gesetze gab es aber auch in anderen Tei­len Euro­pas.

21 Machtkämpfe der Adelsparteien der „roten“ und der „weißen Rose“ um Thron und Staats­kasse (1455-1485)

22 Um die Beschränkungen der Zunft-Ordnungen zu umgehen entstanden Manufak­turen anfangs vor allem am Land

23 Die Grossgrundbesitzer zäunten das den Bauern weggenommene Land ein

24 (Einschliesslich des kapitalisisch wirtschaftenden Teil des Adels)

25 Politik der wirtschaftlichen Abschirmung vor dem Ausland mit Hilfe von Zöl­len, Ein­fuhrverboten u.a.

26 Eine seit 1614 nicht mehr einberufene Versammlung von Vertretern der Geistlich­keit (1.Stand), Adel (2.Stand) und Stadtbürger (3.Stand), die u.a. außer­ordentliche Steuern bewilligten.

27 Auch „Ballhaus-Schwur“ genannt, weil sich der dritte Stand in der königli­chen Tennishalle (Jeu de paume, Ballhaus) versammelt hatte.

28 Eine ehemalige Schutzfestung am Stadtrand, die als Gefängnis für poli­tische Gefangene diente.

29 Ein ursprünglich in Versailles als „Bretonischer Club“ gegründeter revolutio­närer Verein, der nach dem Um­zug in das ehemalige Pariser Dominikaner­kloster „St.Ja­kob“ so genannt wurde. Eigentlicher Name war „Gesellschaft der Verfassungs­freunde“, mit über 400 Tochterclubs in den Provinzen.

30 Die noble, enge „culotte“(Kniebundhose), trugen nur Adel und reiche Bürger, wer arbei­ten musste trug weite lange Hosen. Sansculotte heißt „ohne Culotte“.

31 d.h. die „Wütenden“

32 Eigentlich „Gesellschaft der Freunde der Menschen- und Bürgerrechte“, der Name „Cordeliers“ (d.h. Strickträ­ger, Franziskaner) spielt auf den Gründungs­ort, einem Franziskanerkloster, an.

33 Louis-Antoine de Saint-Just

34 sh. Anmerkung 28

35 Bereits 1711 wurden von Newcomen die ersten Dampfmaschinen ge­baut, die anfangs vor allem zum Wasserheben in Bergwerken verwendet wurden.

36 z.B. mit „Bürgerwehren“

37 MEW Bd 5, S.64-77, – Friedrich Engels, „Die Berliner Debatte über die Revolution“

38 Eigentlich : „Union des femmes pour la défense de Paris et les soins aux blessés“

39 MEW, Bd.17, S.319 ff.

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