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Grundschulung Kapitalismus

Einführung in den Kapitalismus

 

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Um die Welt zu verändern muss man verstehen wie sie funktioniert. Die theoretische Grundlage dafür bildet der wissenschaftliche Kommunismus. Als Kommunistischer Aufbau haben wir uns deshalb an die Arbeit gemacht, verständliche Grundschulungen auszuarbeiten, die einen Einblick in die wichtigsten Bereiche der kommunistischen Weltanschauung geben. Darin werden die zentralen Thesen der Kommunisten nachvollziehbar herausgearbeitet und anhand von aktuellen Beispielen erklärt.

Die Grundschulungen können alleine gelesen oder im kollektiv diskutiert werden. Solltet ihr interesse an einer kollektiven Schulung durch eine/n unserer GenossInnen haben, meldet euch unter info@komaufbau.org.

An dieser Stelle findet ihr die Grundschulung zum Thema “Kapitalismus”.

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Inhaltsverzeichnis

1. Die Ware | 3

2. Wert der Ware | 6

3. Das Wertgesetz | 8

4. Arbeiter und kapitalisten | 10

5. Die ware Arbeitskraft | 12

6. Der Mehrwert | 14

7. Das Kapital | 16

8. Mehrwertrate, absoluter & relativer Mehrwert | 18

9. Der Arbeitslohn | 20

10. Sinken des Reallohns | 22

11. Die Akkumulation des
Kapitals | 22

12. Die Arbeitslosigkeit | 25

13. Die Verelendung des
Proletariats | 25

14. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus | 26

15. Die Wirtschaftskrisen | 28

16. Schluss | 29

Leseliste | 29

 

Einleitung

In unserer ersten Grundschulung haben wir uns bei unserem Streifzug durch die Geschichte schon mit der Entstehung des Kapitalismus befasst und einige seiner wesentlichen Merkmale genannt. Heute wollen wir uns nun mit den ökonomischen Gesetzen beschäftigen, auf denen die kapitalistische Produktionsweise beruht.

Diese Gesetze sind zum ersten Mal vollständig und im Zusammenhang von Karl Marx in seinem berühmten Buch „Das Kapital“ aufgedeckt worden, an dem er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat.

Die wichtigste Frage, die wir heute klären wollen, ist die nach dem Wesen, nach dem Funktionieren der kapitalistischen Ausbeutung. Bekanntlich versucht die Bourgeoisie mit allen Mitteln zu vertuschen, daß es so etwas wie Ausbeutung überhaupt gibt.

Höchstens gibt sie noch zu, daß der gesellschaftliche Reichtum in unserer kapitalistischen Gesellschaft ungerecht verteilt ist, weil auch sie natürlich nicht um die Tatsache herumkommt, daß es Arme und Reiche gibt, Menschen, die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft und solche, denen die Banken und Fabriken gehören, daß die Kluft zwischen beiden groß ist und immer größer wird.

Die Bourgeoisie hat auch allen Grund dazu, das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung zu vertuschen und die Analyse von Marx wütend zu bekämpfen. Denn als Marx das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung bloßlegte, gab er der Arbeiterklasse eine scharfe Waffe für den Sturz der kapitalistischen Ausbeuterordnung und versetzte den bürgerlichen Lügen über eine angebliche Harmonie der Klasseninteressen einen tödlichen Stoß. Um das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung zu verstehen, ist es allerdings notwendig, vorher einige andere Fragen zu klären.

1. Die Ware

Kapitalismus ist Warenproduktion auf der höchsten Stufe ihrer Entwicklung: hier nimmt alles die Form der Ware an, überall herrscht das Prinzip von Kauf und Verkauf.

Die Produktion von Waren ist allerdings älter als die kapitalistische Produktionsweise. Warenproduktion gab es schon in der Sklavenhalterordnung und auch im Feudalismus. Aber erst im Kapitalismus nimmt die Warenproduktion herrschenden, allgemeinen Charakter an. Der Austausch von Waren, schrieb Lenin deshalb, ist „das einfachste, gewöhnlichste, massenhafteste, alltäglichste, milliardenfach zu beobachtende Verhältnis der bürgerlichen (Waren-) Gesellschaft.“1

Die Ware ist ein Gegenstand, der erstens menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt und zweitens ein Gegenstand, der nicht für den eigenen Gebrauch, sondern für den Austausch, für den Verkauf oder Tausch auf dem Markt produziert wird. Der Salatkopf aus dem eigenen Garten, den ich selbst esse, ist keine Ware, wohl aber der Salatkopf, den ich im Supermarkt oder im Laden um die Ecke kaufe. Wie gesagt wird im Kapitalismus alles zur Ware, selbst die menschliche Arbeitskraft. Denn der Arbeiter verkauft ja seine Arbeitskraft an den Kapitalisten. Nicht umsonst spricht man deshalb auch vom Arbeitsmarkt.

Wir haben gesagt, daß die Ware ein Gegenstand ist, der zum einen menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Brot und Fleisch befriedigen z.B. unser Bedürfnis nach Nahrung; Kleider und Schuhe brauchen wir, um nicht zu erfrieren; Maschinen werden gebraucht, um damit irgendwelche Waren herzustellen, die ihrerseits ein unmittelbares menschliches Bedürfnis befriedigen. Die Eigenschaft eines Dings, ein menschliches Bedürfnis zu befriedigen, macht es zum Gebrauchswert. Die Nützlichkeit eines Dings, die bestimmte Qualität, die es hat, machen es zum Gebrauchswert, jedoch noch nicht unbedingt zur Ware. Die Luft, die wir atmen, hat zweifellos einen Gebrauchswert: Gäbe es sie nicht, würden wir ersticken, aber sie ist dennoch keine Ware. Damit ein Ding Ware wird, muß es das Produkt von Arbeit und zugleich für den Verkauf produziert worden sein.

Der Gebrauchswert kann nicht gemessen, nicht in Zahlen ausgedrückt werden. Trotzdem sehen wir aber, daß sich die Waren auf dem Markt in einem bestimmten Verhältnis austauschen.

Ein Auto mag vielleicht l0 000 Euro kosten, ein Paar Schuhe 100 Euro. 100 Paar Schuhe entsprechen also einem Auto.

2. Wert der Ware

Waren in bestimmten Mengen werden einander gleichgesetzt. Wir nennen das den Tauschwert — oder auch einfach Wert – einer Ware. Der Tauschwert ist vor allem ein Verhältnis‚worin sich eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten einer Art gegen eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten anderer Art austauscht. Wenn ich aber verschiedenartige Gebrauchswerte miteinander gleichsetze‚ miteinander vergleiche, dann müssen sie etwas gemeinsam haben, eine gemeinsame Grundlage haben. Diese gemeinsame Grundlage der Waren kann nicht eine ihrer körperlichen Eigenschaften wie z. B. Umfang, Gewicht, Form usw. sein. Denn diese Eigenschaften bestimmen ihren Gebrauchswert, dieser aber ist nicht vergleichbar und auch nicht meßbar.

Wenn man sich die ganze Sache etwas überlegt, so ist die Lösung relativ einfach. Die verschiedenen Waren haben nur eine einzige gemeinsame Eigenschaft und zwar die, daß sie Arbeitsprodukte sind.

Und da kann ich sie allerdings miteinander vergleichen. Ich kann nämlich feststellen, wieviel Zeit, wieviel Arbeitszeit aufgewendet worden ist, um eine bestimmte Ware herzustellen. Ich muß dabei allerdings den Doppelcharakter der Arbeit berücksichtigen, die in einer Ware verkörpert ist. Einerseits ist in der Ware eine ganz bestimmte konkrete Arbeit verkörpert. Diese Arbeit schafft den Gebrauchswert der Ware. Unter konkreter Arbeit verstehen wir die verschiedenen Arten der Arbeit, wie z.B. tischlern, schneiden, drehen, fäsen usw. usf. Die verschiedenen Arten der konkreten Arbeit kann man ebensowenig vergleichen und messen wie den Gebrauchswert.

Wir müssen die Arbeit unabhängig von ihrer konkreten Form betrachten als Verausgabung der menschlichen Arbeitskraft überhaupt, als sogenannte abstrakte Arbeit.

Alle Arbeit“, sagt Karl Marx im Kapital, „ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“2

Die Verausgabung der menschlichen Arbeitskraft, von Muskel, Hirn und Nerv, unabhängig von der konkreten Form, in der sie aufgewendet wird, die abstrakte Arbeit also, die notwendig ist, um ein bestimmtes Produkt herzustellen, kann ich messen. Und zwar messe ich die Zeit, die notwendig ist, um eine bestimmte Ware herzustellen. Je mehr Zeit zur Herstellung einer Ware. benötigt wird, desto größer ist ihr Wert.

Bekanntlich arbeiten aber nicht alle Menschen mit dem gleichen Geschick, auch sind die Arbeitsbedingungen nicht überall gleich, so daß, sagen wir, der Arbeiter A mehr Zeit braucht, um das gleiche Produkt herzustellen als der Arbeiter B. Heißt das nun, daß das Produkt des Arbeiters A mehr wert als das des Arbeiters B ist? Oder allgemein gesprochen: Heißt das, daß der Wert einer Ware um so größer ist, je fauler der Arbeiter, je ungünstiger die Arbeitsbedingungen?

Nein, das heißt es nicht!

Die Wertgröße der Ware wird nicht durch die individuelle Arbeitszeit bestimmt. die von den einzelnen Warenproduzenten aufgewandt wird, um eine bestimmte Ware zu produzieren, sondern durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.

Denn die Warenproduktion hat gesellschaftlichen Charakter, auch wenn sich die Produktionsmittel in der Hand privater Eigentümer befinden. Im Grunde genommen ist die Arbeit der einzelnen Warenproduzenten gesellschaftliche Arbeit, ein Teil der Arbeit der gesamten Gesellschaft. Die einzelnen Warenproduzenten sind über den Markt miteinander verbunden.

Was verstehen wir nun unter gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit?

Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist die Zeit, die bei durchschnittlichen gesellschaftlichen Produktionsbedingungen, d. h., bei durchschnittlichem technischem Niveau, durchschnittlichem Geschick und durchschnittlicher Intensität der Arbeit zur Herstellung einer Ware erforderlich ist. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit verändert sich durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität.“3

Klar, je höher die Arbeitsproduktivität, je vollkommener die Maschinen, die Technik, desto weniger Zeit brauche ich, um eine bestimmte Ware herzustellen. desto kleiner wird also auch ihr Wert.

3. Das Wertgesetz

Das Wertgesetz ist das ökonomische Gesetz der Warenproduktion.

Es lautet: Waren tauschen sich entsprechend der zu ihrer Herstellung aufgewandten gesellschaftlich notwendigen Arbeitsmenge aus.

Ohne näher darauf einzugehen, stellen wir hier nur noch fest, dass der Wert der Waren im alltäglichen Leben in Geld ausgedrückt wird, das als allgemeines Tauschmittel dient. Jede Ware hat ihren Preis.

Das Wertgesetz spielt eine außerordentlich wichtige Rolle. Denn es reguliert die Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit und der Produktionsmittel auf die verschiedenen Zweige der Warenwirtschaft.

Und zwar über den Markt, über den Preismechanismus. Die Preise der Waren weichen nämlich unter dem Einfluß der Schwankungen von Angebot und Nachfrage ständig nach oben oder unten von ihrem Wert ab. Das beweist allerdings nicht, dass das Wertgesetz nicht richtig ist, sondern ist im Gegenteil die einzige Möglichkeit, um das Wertgesetz durchzusetzen. Halten wir uns vor Augen, daß die Produktion in den Händen von Privateigentümern liegt, die aufs Geratewohl produzieren.

Erst die Schwankungen der Preise um den Wert veranlassen die Warenproduzenten, die Produktion dieser oder jener Waren einzuschränken bzw. zu erweitern, denn sie produzieren natürlich am liebsten diejenigen Waren, von denen sie sich am meisten Gewinn versprechen.

Alles, was wir bis jetzt gesagt haben, trifft auf die Warenproduktion überhaupt zu, ganz gleich, ob es sich um die Warenproduktion im Feudalismus oder im Kapitalismus handelt. Die Entstehung und Entwicklung der kapitalistischen Verhältnisse ist jedoch untrennbar mit der auf dem Privateigentum beruhenden Warenproduktion, mit dem Wirken des Wertgesetzes verbunden. Weil die Marktpreise um den Wert schwanken, weil es Abweichungen in der individuellen Aufwendung an Arbeit von der gesellschaftlich notwendigen Arbeit gibt, verschärft sich die ökonomische Ungleichheit und der Kampf zwischen den Warenproduzenten. Ein Teil von ihnen wird ruiniert und geht zugrunde, ein anderer Teil bereichert sich und wird im Lauf der Zeit zu Kapitalisten.

Deshalb sagt Lenin:

Die Kleinproduktion aber erzeugt unausgesetzt, täglich, stündlich, elementar und im Massenumfang Kapitalismus und Bourgeoisie.“ 4

4. Arbeiter/innen und Kapitalisten

Wie wir bereits wissen, beruht die kapitalistische Produktion auf der Lohnarbeit. Die ganze kaptialistische Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei feindliche, sich direkt gegenüberstehende Klassen — in die Bourgeoisie, die Kapitalisten auf der einen Seite und das Proletariat, die Arbeiterklasse auf der anderen Seite. Die Kapitalisten besitzen die Produktionsmittel, ihnen gehören die Fabriken, Betriebe und Werke. Die Arbeiter besitzen keinerlei Produktionsmittel. Sie besitzen lediglich ihre Arbeitskraft, die sie gezwungen sind, an die Kapitalisten zu verkaufen, wenn sie nicht verhungern wollen.

Karl Marx hat das so ausgedrückt: „Die kapitalistische Produktionsweise… beruht darauf, daß die sachlichen Produktionsbedingungen Nichtarbeitern zugeteilt sind unter der Form von Kapitaleigentum und Grundeigentum, während die Masse nur Eigentümer der persönlichen Produktionsbedingung, der Arbeitskraft ist.“5

Mit den sachlichen Produtkionsbedingungen sind hier die Produktionsmittel, die Maschinen und Fabriken gemeint und mit den Nichtarbeitern selbstverständlich die Kapitalisten.

Das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln ist Privateigentum der Kapitalisten, das sie nicht durch eigene Arbeit erworben haben und das zur Ausbeutung von Lohnarbeitern ausgenutzt wird.

Wenn nun der Kapitalist ans Werk geht, kauft er alles für die Produktion erforderliche ein: Gebäude, Maschinen, Ausrüstungen, Roh- und Brennstoffe. Dann stellt er Arbeiter ein und die Produktion kann anlaufen. Ist die Ware fertig, verkauft sie der Kapitalist und bekommt dafür – jedenfalls im allgemeinen – mehr Geld, als er für die Produktion aufgewendet hat, er macht einen Gewinn, einen Profit.

Der Kapitalist wendet Geld auf, um eine Ware zu produzieren, sie zu verkaufen und am Ende der ganzen Operation mehr Geld als vorher in der Tasche zu haben. Er erhält also das von ihm aufgewendete Kapital mit einem Zuwachs zurück.

Woher kommt nun dieser Zuwachs ?

5. Die Ware Arbeitskraft

Die bürgerlichen Wissenschaftler sagen etwa folgendes: Die Sache ist ganz einfach. Der Kapitalist schlägt einfach einen bestimmten Geldbetrag auf den Wert der Ware drauf, verkauft sie also über ihrem Wert und damit ist alles erklärt.

In Wirklichkeit jedoch ist damit überhaupt nichts erklärt. Denn wenn das alle Kapitalisten machen, so verlieren sie den Gewinn, den sie beim Verkauf rausholen sofort wieder, wenn sie neue Waren (Maschinen, Rohstoffe etc.) einkaufen, um erneut produzieren zu können.

Vor allen Dingen kann dieser angebliche Preisaufschlag überhaupt nicht erklären, warum denn die ganze Kapitalistenklasse und nicht nur einzelne Kapitalisten, einen Kapitalzuwachs zu verzeichnen hat.

Offensichtlich verhält sich die Sache anders. Der Kapitalzuwachs kann offensichtlich nicht aus der Sphäre des Verkaufs der vom Kapitalisten produzierten Waren stammen, sondern er wird im Prozess der kapitalistischen Produktion erzeugt. Der Kapitalist muß auf dem Markt eine Ware finden, die bei ihrem Verbrauch Wert schafft – und zwar mehr Wert, größeren Wert, als sie selbst besitzt. Eine Ware also, deren Gebrauchswert selbst die Beschaffenheit besitzt, Quelle von Wert zu sein.

Und tatsächlich gibt es eine solche Ware. Es ist die menschliche Arbeitskraft.

Sehen wir uns das etwas genauer an: Wenn der Kapitalist einen Arbeiter eingestellt hat. besitzt er die volle Verfügungsgewalt über dessen Arbeitskraft. Er läßt den Arbeiter arbeiten, gebraucht also seine Arbeitskraft, um bestimmte Waren herzustellen. Dafür zahlt der Kapitalist dem Arbeiter einen bestimmten Lohn. Der Lohn ist aber nichts anderes als der in Geld ausgedrückte Wert der Ware Arbeitskraft.

Was bestimmt diesen Wert?

Er wird genauso bestimmt wie der Wert jeder anderen Ware. Nämlich durch die zur Produktion der Ware Arbeitskraft gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.

Das hört sich etwas ungewöhnlich an und wir wollen deshalb genauer untersuchen, was das konkret heißt – gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion der Ware Arbeitskraft.

Um sein Arbeitsvermögen zu erhalten, muß der Arbeiter essen, sich kleiden, muss er irgendwo wohnen. Außerdem braucht das Kapital einen ständigen frischen Zustrom an Arbeitskraft. Der Arbeiter muß deshalb nicht nur die Möglichkeit haben, sich selbst, sondern auch seine Familie zu erhalten. Das Kapital braucht außerdem eine bestimmte Anzahl qualifizierter Arbeiter, die mit komplizierten Maschinen umgehen können. Also muss auch für die Ausbildung der Arbeiter eine bestimmte Menge von Arbeit aufgewendet werden.

Aus all dem wird klar, daß der Wert der Ware Arbeitskraft dem Wert der Existenzmittel entspricht, die zur Erhaltung des Arbeiters und seiner Familie notwendig sind.

6. Der Mehrwert

Der Verbrauch der Arbeitskraft ist Arbeit, Arbeit aber schafft Wert.

Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft zu ihrem Wert und hat damit das Recht erworben, sie den ganzen Tag über zu gebrauchen. In dieser Zeit schafft der Arbeiter neue Werte – und zwar mehr Werte, als seine eigene Arbeitskraft wert ist.

Nehmen wir an, der Arbeiter arbeitet acht Stunden pro Tag. Schon nach 2 – 3 Stunden jedoch hat er so viele Werte erzeugt, wie seine Arbeitskraft wert ist. Aber er muß ja weitere fünf bis sechs Stunden für den Kapitalisten arbeiten. In dieser Zeit schafft er auch Werte, arbeitet er praktisch unbezahlt für den Kapitalisten, schafft er den Mehrwert, um den sich die ganze kapitalistische Produktion dreht.

Produktion von Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise“, schrieb deshalb Karl Marx im Kapital.6

Der Kapitalismus gibt dem Lohnarbeiter nur dann die Möglichkeit, zu arbeiten und zu leben, wenn er eine bestimmte Zeitdauer unentgeltlich für den Kapitalisten arbeitet. In dieser Zeit schafft er den Mehrwert, die Quelle alles nicht durch eigene Arbeit erworbenen Einkommens der Kapitalistenklasse, ihren Reichtum.

Damit ist das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung aufgedeckt. Wir können daraus nun einige wichtige Schlussfolgerungen ziehen. Wenn das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung in der Produktion von Mehrwert liegt, dann kann die Ausbeutung offensichtlich nicht dadurch abgeschafft werden, dass der gesellschaftliche Reichtum „gerechter“ verteilt wird. Sie kann offenbar nur durch die Vernichtung des Kapitalismus insgesamt beseitigt werden, durch die Schaffung von Verhältnissen, in denen der Arbeiter seine Arbeitskraft nicht mehr als Ware an den Kapitalisten verkaufen muß, nicht mehr arbeiten muß, um Mehrwert zu schaffen, sondern für die Befriedigung der Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft, zur Hebung des Reichtums und des Wohlstands aller. Eine solche Gesellschaft ist der Sozialismus.

Die Aufdeckung des Wesens der kapitalistischen Ausbeutung zeigt uns also, daß das Gerede der Bourgeoisie und ihrer Lakaien von der Reformierbarkeit des Kapitalismus, von der Möglichkeit, einen Kapitalismus ohne Ausbeutung zu schaffen, nichts als Betrug ist.

7. Das Kapital

Jedes Kapital beginnt seinen Weg in Gestalt einer bestimmten Geldsumme. Wie gesagt wendet der Kapitalist eine bestimmte Geldsumme auf, um Maschinen, Rohstoffe etc. zu kaufen und Arbeiter einzustellen.

Kapital ist Wert, der – auf dem Wege der Ausbeutung der Lohnarbeiter – Mehrwert bringt. Oder, wie Karl Marx sagt: Kapital ist „verstorbene Arbeit, die sich nur vampyrmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und tatsächlich um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“ 7

Deutlich wird dies z.B. bei jedem Streik. Wenn die Arbeiter nicht an die Maschinen gehen, bleiben sie tot, wird kein Mehrwert erzeugt.

Was produziert denn z.B. ein Arbeiter in einem Autowerk? Nur Autos? Nein, in erster Linie und vor allem produziert er Kapital. Er produziert Werte, die von neuem dazu dienen, seine Arbeit zu kommandieren und durch sie neue Werte zu schaffen. „Das Kapital kann sich nur vermehren, indem es sich gegen Arbeitskraft austauscht, indem es Lohnarbeit ins Leben ruft. Die Arbeitskraft des Lohnarbeiters kann sich nur gegen Kapital austauschen, indem sie das Kapital vermehrt, indem sie die Macht verstärkt, deren Sklavin sie ist. Vermehrung des Kapitals ist daher Vermehrung des Proletariats, d.h. der Arbeiterklasse.“ 8

Im Kapital verkörpert sich das Produktionsverhältnis zwischen der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse, welches darin besteht, daß die Kapitalisten als Eigentümer der Produktionsmittel und der Produktionsbedingungen die Lohnarbeiter ausbeuten, die für sie den Mehrwert schaffen.

Der Kapitalist verwendet einen bestimmten Teil des Kapitals dazu, Fabriken zu errichten, Maschinen zu kaufen etc. Wir nennen diesen Teil des Kapitals konstantes Kapital, weil sich der Wert des in den Produktionsmitteln verkörperten Kapitalanteils im Produktionsprozess nicht verändert, sondern lediglich Stück für Stück, in dem Maße wie sich die Produktionsmittel verschleißen, auf die neue Ware überträgt.

Einen anderen Teil. des Kapitals verwendet der Kapitalist dazu, Arbeiter einzustellen, ihre Arbeitskraft zu kaufen. Wir nennen diesen Teil variables Kapital, denn dieser Kapitalteil verändert im Produktionsprozess seine Größe: er wächst dadurch an, dass die Arbeiter einen Mehrwert schaffen, den sich der Kapitalist aneignet.

8. Mehrwertrate, absoluter &
relativer Mehrwert

Um den Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital auszudrücken, darf man daher den Mehrwert nicht mit dem Gesamtkapital, sondern nur mit dem variablen Kapital vergleichen. Dieses Verhältnis nennt Marx die Mehrwertrate. Sie wird in einer bestimmten Formel ausgedrückt und lautet:

m‘ = m / v

m‘ ist dabei die Mehrwertrate, m der Mehrwert und v das variable Kapital.

Selbstverständlich will der Kapitalist mit allen Mitteln den Anteil der Mehrarbeit, den er aus dem Arbeiter herauspresst, erhöhen.

Er hat einen wahren Heißhunger nach Mehrarbeit. Wie geht der Kapitalist nun vor, um den Anteil der Mehrarbeit, der unbezahlten Arbeitszeit im Vergleich zur notwendigen Arbeitszeit zu erhöhen?

l. Nehmen wir an, der Arbeitstag dauert 8 Stunden. Zwei Stunden davon sollen notwendige Arbeitszeit, der Rest, 6 Stunden. unbezahlte Arbeitszeit, in der der Arbeiter den Mehrwert schafft, sein. Die einfachste „Methode, die der Kapitalist hat, um den Anteil der unbezahlten Arbeitszeit zu erhöhen, ist, einfach den Arbeitstag zu verlängern, ihn auf 10 oder sogar 12 Stunden auszudehnen.

Den solchermaßen durch Verlängerung des Arbeitstages geschaffenen Mehrwert nennen wir den absoluten Mehrwert.

Diese Methode haben die Kapitalisten vor allem in der Anfangszeit des Kapitalismus angewendet. Der Arbeitstag dauerte damals 12, manchmal sogar 14 oder l6 Stunden. Wie wir wissen, hat die Arbeiterklasse jahrzehntelang einen hartnäckigen und opfervollen Kampf für die Verkürzung des Arbeitstages geführt. Auf Vorschlag von Karl Marx hatte der Kongreß der I. Kommunistischen Internationale im Jahre 1866 schon die Forderung nach dem Achtstundentag aufgestellt, die in der Folgezeit zur Kampflosung der Arbeiter aller Länder wurde.

Aber erst 1919 schlossen die Vertreter einer Reihe kapitalistischen Länder aus Angst vor dem Anwachsen der revolutionären Bewegung ein Abkommen über die Einführung des Achtstundentages in internationalem Maßstab, das jedoch in der Praxis nie richtig verwirklicht wurde.

2. Es gibt auch auch noch andere Methoden, den Ausbeutungsgrad zu erhöhen. Wenn die Arbeitsproduktivität in den Zweigen der Industrie, die Gebrauchsgüter für die Arbeiter herstellen und in den Zweigen, die Maschinen zur Produktion von solchen Gebrauchsgütern steigt‚ braucht man weniger Arbeitszeit, um sie zu produzieren.

Also sinkt ihr Wert und damit auch der Wert der Ware Arbeitskraft. Der Arbeiter, der vorher, sagen wir drei Stunden arbeiten mußte, um den Wert seiner Arbeitskraft zu ersetzen, braucht jetzt vielleicht nur noch zwei Stunden. Er arbeitet also effektiv, bei unveränderter Länge des Arbeitstages, jetzt eine Stunde mehr für den Kapitalisten. Den auf diese Weise entstehenden Mehrwert nennen wir relativen Mehrwert.

9. Der Arbeitslohn

Der Arbeitslohn ist der in Geld ausgedrückte Wert der Ware Arbeitskraft. Durch den Arbeitslohn wird allerdings das eben beschriebene Wesen der kapitalistischen Ausbeutung verschleiert. Wenn der Arbeiter seine Arbeitskraft an den Kapitalisten verkauft und dafür eine bestimmte Geldsumme, den Arbeitslohn, erhält, entsteht der Eindruck, als ob der Kapitalist nicht die Arbeitskraft bezahlt, sondern die Arbeit. Entsteht der Eindruck, als ob der Arbeiter den ganzen Arbeitstag bezahlt bekommen würde, während er doch in Wirklichkeit nicht acht, sondern vielleicht gerade mal zwei Stunden bezahlt bekommt.

Bei der Betrachtung des Arbeitslohns müssen wir zwischen dem Nominallohn und dem Reallohn unterscheiden.

Der Nominallohn ist der in Geld ausgedrückte Arbeitslohn, z.B. 1100 Euro. Der Nominallohn sagt allerdings nichts über die wirkliche Höhe des Lohnniveaus der Arbeiter aus.

Der Nominallohn kann z.B. steigen. Wenn aber gleichzeitig die Preise, die Mieten, die Steuern etc. steigen, dann sinkt in Wirklichkeit das Lohnniveau, der Lebensstandard der Arbeiter verschlechtert sich.

Um eine Vorstellung von der wirklichen Höhe des Lohns zu bekommen, müssen wir deshalb den sogenannten Reallohn betrachten. Der Reallohn ist der in Existenzmitteln des Arbeiters ausgedrückte Lohn. Er zeigt an, wie viele Güter und Dienstleistungen der Arbeiter für seinen Lohn kaufen kann. Folgende Faktoren sind für die Bestimmung des Reallohns wichtig:

die Höhe des Nominallohns

die Höhe der Preise der Gebrauchsgüter

die Höhe der Mieten

die Höhe der Steuern

die Länge des Arbeitstages

der Grad der Arbeitsintensität

der Lohnausfall bei Kurzarbeit

die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter, die auf Kosten der Arbeiterklasse unterhalten werden

10. Sinken des Reallohns

Für den Kapitalismus gilt, was bereits Karl Marx festgestellt hat: „Die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion geht dahin, den durchschnittlichen Lohnstandard nicht zu heben, sondern zu senken.“ 9

Der Reallohn verringert sich durch die zunehmende Verteuerung der Gebrauchsgüter, die Erhöhung der Mieten, die Zunahme der Steuern usw.

Der Reallohn fällt auch und vor allem durch das Anwachsen der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit verschärft die Konkurrenz zwischen den Arbeitern und verschafft damit den Kapitalisten die Möglichkeit, das Lohnniveau der gesamten Arbeiterklasse zu drücken.

Um die Höhe des Arbeitslohnes findet seit jeher ein Kampf zwischen den Kapitalisten und den Arbeitern statt. Seit der Entstehung des industriellen Kapitalismus führt die Arbeiterklasse einen hartnäckigen Kampf für höhere Löhne. In diesem Kampf schlossen sich die Arbeiter zu Gewerkschaften zusammen‚ um den ökonomischen Kampf mit Erfolg führen zu können.

So wichtig der gewerkschaftliche Kampf um ökonomische Forderungen aber auch ist – er vermag nicht die ökonomischen Gesetze des Kapitalismus außer Kraft zu setzen, kann die Arbeiterklasse nicht von der kapitalistischen Ausbeutung befreien.

Der Kampf um höhere Löhne bewegt sich innerhalb folgender Grenzen: Die Minimalgrenze des Arbeitslohns wird durch rein physische Grenzen bestimmt. Der Arbeiter muß eine bestimmte minimale Menge von Existenzmitteln zur Verfügung haben, damit er überhaupt leben und seine Arbeitskraft wiederherstellen kann. Diese Minimalgrenze des Arbeitslohns liegt unter dem Wert der Arbeitskraft, denn diese kann sich so nur in verkümmerter Form erhalten. Die Maximalgrenze des Arbeitslohns im Kapitalismus ist der Wert der Arbeitskraft. In welchem Maß sich das durchschnittliche Lohnniveau dieser Grenze nähert wird durch das Wechselverhältnis der Klassenkräfte zwischen Proletariat. und Bourgeoisie bestimmt.

11. Die Akkumulation des Kapitals

Nachdem wir nun gesehen haben, worin das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung besteht, was der Mehwert ist und worin die hauptsächlichen Methoden seiner Erzeugung bestehen, wollen wir uns im folgenden anschauen, was die Kapitalisten mit dem Mehrwert machen und was das für Folgen für die Arbeiterklasse hat.

Wir haben gesagt, dass der Arbeiter mit der Schaffung des Mehrwerts vor allem Kapital schafft. Denn der Kapitalist verwendet ja nur einen Teils des Mehrwerts für seine persönliche Bereicherung, für sein Leben in Luxus und Reichtum. Allerdings ist auch dieser Teil nicht von Pappe…

Den anderen Teil des Mehrwerts verwendet der Kapitalist zu neuen Investitionen, um den Produktionsprozess auf erweiterter Stufenleiter wiederholen zu können. Die verbrauchten materiellen Güter werden nicht nur ersetzt, sondern es werden darüber hinaus zusätzliche Produktionsmittel und Gebrauchsgüter produziert.

Der Kapitalist verwendet also einen Teil des Mehrwerts dazu, neue Produktionsmittel zu kaufen und zusätzliche Arbeiter einzustellen. Durch die Akkumulation des Kapitals werden also die kapitalistischen Produktionsverhältnisse ständig von neuem auf erweiterter Stufenleiter wiederhergestellt. Das bedeutet auch, daß die Zahl der Arbeiter absolut gesehen wächst. Die Theorien der Kapitalisten und ihrer Ideologen, wonach die Zahl der Arbeiter und ihre Rolle in der kapitalitstischen Produktion geringer würden, entbehren also jeder Grundlage.


Zwei Gründe sind es vor allem, die den Kaptalisten zur Akkumulation des Kapitals zwingen. Der erste ist die Jagd nach Vergrößerung des Mehrwerts. Gerade auf der Jagd nach mehr Mehrwert erweitert der Kapitalist seine Produktion. Der Grund ist der erbitterte Konkurrenzkampf zwischen den Kapitalisten, in dessen Verlauf die großen Kapitalisten den Vorteil auf ihrer Seite haben und die kleinen vernichten. Will er nicht untergehen, muss der Kapitalist die Technik vervollkommnen und die Produktion erweitern. Wenn er das nicht tut, bleibt er zurück. Wenn er aber zurückbleibt, wird er von seinen Konkurrenten geschlagen.

Im Verlauf der kapitalitsitschen Akkumulation wächst die Gesamtsumme des Kapitals, wobei sich seine einzelnen Teile ungleichmäßig verändern. Wenn der Kapitalist die Produktion erweitert, führt er gewöhnlich technische Neuerungen, Vervollkommnungen ein, weil ihm diese die Möglichkeit geben, die Arbeiter verstärkt auszubeuten und damit seinen Profit zu erhöhen. Der Teil des Kapitals, der aus Gebäuden, Maschinen und Rohstoffen besteht (das konstante Kapital), wächst schneller als der Teil, der für den Kauf von Arbeitskraft aufgewendet wird (variables Kapital). Wir nennen das Verhältnis zwischen beiden die organische Zusammensetzung des Kapitals. Im Verlauf der Entwicklung des Kapitals erhöht sich durch die schnelle Entwicklung und Anwendung der Technik die organische Zusammensetzung des Kapitals.

Die Akkumulation des Kapitals hat zwei Folgen: Zum einen konzentriert sich das Kapital immer mehr, wächst der Umfang des Kapitals der einzelnen Kapitalisten. Zum anderen zentralisiert sich das Kapital immer mehr, werden mehrere Kapitale zu einem einzigen vereinigt. Im Konkurrenzkampf verschlingt das Großkapital die kleinen und mittleren Kapitale und verleibt sie sich ein. Konzentration und Zentralisation des Kapitals bedeuten die Zusammenballung ungeheurer Reichtümer in den Händen einiger weniger Kapitalisten. Es ist klar, daß das zur Verschärfung des Klassengegensatzes – zur Vertiefung der Kluft zwischen Arm und Reich, zur Vertiefung der Kluft zwischen der Handvoll kapitalistischer Ausbeuter und der großen Masse der besitzlosen Mehrheit führt.

Zentralisation und Konzentration des Kapitals führen außerdem dazu, daß in den kapitalistischen Großbetrieben immer größere Massen von Arbeitern zusammengeballt werden, was ihren Zusammenschluss, ihre Organisierung zum Kampf gegen das Kapital bedeutend erleichtert.

12. Die Arbeitslosigkeit

Die kapitalistische Akkumulation und die mit ihr einhergehende wachsende organische Zusammensetzung des Kapitals ist zugleich die Ursache der Arbeitslosigkeit.

Warum ist das so?

Bei der Akkumulation des Kapitals verwendet der Kapitalist einen immer größeren Teil auf den Kauf neuer Maschinen und zur Vervollkommnung der Technik. Maschinen sparen aber bekanntlich Arbeit. Was vorher z.B. 800 Arbeiter in 8 Stunden (in insgesamt 6400 Stunden also) produziert haben, erfordert nach der Einführung neuer Maschinen vielleicht nur noch 5600 Stunden. Der Kapitalist könnte nun natürlich die Arbeitszeit jedes Arbeiters entsprechend verkürzen, bei vollem Lohnausgleich versteht sich. Er wäre allerdings kein Kapitalist, wenn er das täte. Der Kapitalist macht ganz was anderes. Er entlässt einfach 100 Arbeiter. Denn wenn 700 Arbeiter 8 Stunden arbeiten, ergeben sich auch 5600 Stunden. Der Kapitalist hat aber den Lohn von hundert Arbeitern gespart. Und darauf kommt es ihm natürlich an.

Die Vervollkommnung der Technik, die Anwendung von Maschinen in immer größerem Maßstab, die eigentlich dazu dienen könnte, den Menschen die Arbeit bedeutend zu erleichtern, hat im Kapitalismus also genau die gegenteiligen Folgen.

Ein Teil der Arbeiter wird überflüssig, wird auf die Straße geworfen, ein anderer Teil wird zu schwererer, zu immer angespannterer Arbeit verdammt. Die Arbeitslosigkeit ist also eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Kapitalismus.

13. Die Verelendung des Proletariats

Wir können jetzt aus der Akkumulation des Kapitals einige allgemeine Schlussfolgerungen ziehen.

Mit der Entwicklung des Kapitalismus konzentrieren sich auf dem einen Pol der Gesellschaft, nämlich in den Händen der Kapitalisten, ungeheure Reichtümer. Luxus, Verschwendung und Müßiggang der Ausbeuterklassen vermehren sich. Gleichzeitig verschärft sich auf dem anderen Pol die Ausbeutung der Arbeiterklasse, wachsen die Arbeitslosigkeit und das Elend derjenigen, die durch ihrer Hände Arbeit alle Reichtümer schaffen. Die Arbeiterklasse verelendet immer mehr.

Dies ist in zweierlei Hinsicht zu verstehen:

a) Die Arbeiterklasse verelendet relativ. Das bedeutet, daß der Anteil der Arbeiterklasse an der Gesamtsumme des Nationaleinkommens ständig abnimmt, während der Anteil der Ausbeuterklassen ständig wächst.

b) Die Arbeiterklasse verelendet aber auch absolut. Der Arbeiter wird ärmer als früher, er ist gezwungen, schlechter zu leben, sich schlechter zu ernähren, in weniger guten Wohnungen zu leben usw. usf.

Die absolute Verelendung zeigt sich im Fallen des Reallohns, im Steigen der Lebenshaltungskosten und der Steuern. Sie zeigt sich in der wachsenden Arbeitslosigkeit. Sie drückt sich ferner im Abbau der sozialen Leistungen, in der Verschlechterung der medizinischen Versorgung usw. aus.

Wir erleben also auch heute nicht nur in der Bundesrepublik, sondern noch krasser in vielen anderen kapitalistischen, vor allem in den unterentwickelten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, dass es richtig ist, wenn Karl Marx im Kommunistischen Manifest feststellt:

Sie (die Bourgeoisie) ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muss, statt von ihm ernährt zu werden.“ 10

Wir sehen also, daß die Theorien der bürgerlichen Ideologen und auch der modernen Revisionisten, die die absolute Verelendung der Arbeiterklasse leugnen, weder mit der Theorie von Marx noch mit der Realität übereinstimmen.

14. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus

In dem Maße, wie sich der Kapitalismus entwickelt, fasst er in ständig zunehmendem Maße große Massen von Menschen zu gemeinsamer Arbeit zusammen. Die gesellschaftliche Arbeitsteilung wächst.

Die einzelnen Zweige der Industrie werden immer mehr voneinander abhängig und miteinander verbunden. Der wirtschaftliche Zusammenhang zwischen den einzelnen Betrieben und auch zwischen den einzelnen Ländern wächst rasch. Mit einem Wort: es wächst die Vergesellschaftung der Produktion.

Aber dies geschieht im Interesse einer kleinen Anzahl von privaten Eigentümern der Produktionsmittel. Das Produkt der gesellschaftlichen Arbeit von Millionen von Menschen bildet das Privateigentum der Kapitalisten. Dieser Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter des Produktionsprozesses und der privatkapitalistischen Form der Aneignung bildet den Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktionsweise. Mit der Entwicklung des Kapitalismus verschärft er sich immer mehr.

15. Die Wirtschaftskrisen

Die Wirtschaft der kapitalistischen Länder steckt seit Jahren in einer andauernden Krise. Solche Krisen hat es seit Anfang des 19. Jahrhunderts, mit der Entstehung der maschinellen Großindustrie immer wieder gegeben. Sie sind ebenfalls eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Kapitalismus.

Wie kommt es nun zu den Wirtschaftskrisen?

Wir haben schon gelernt, daß die Kapitalisten auf der Jagd nach dem höchsten Profit die Produktion schrankenlos erweitern, die Technik vervollkommnen, neue Maschinen einführen und riesige Warenmassen auf den Markt werfen.

Aber es genügt ja nicht, die Waren auf den Markt zu werfen, sie müssen auch verkauft werden. Die Hauptverbraucher aber sind die Volksmassen, die Arbeiterklasse und die übrigen Werktätigen. Ihrer Kaufkraft sind aber, wie wir gesehen haben, unter kapitalistischen Verhältnissen enge Grenzen gesetzt. Durch das Sinken des Reallohns, das Steigen der Arbeitslosigkeit usw. sinkt sie sogar.

Infolgedessen stauen sich in den Lagern der Kapitalisten sogenannte Warenüberschüsse. Natürlich könnten diese Waren sehr wohl dazu verwendet werden, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen, um den Lebensstandard zu heben, Not und Armut zu beseitigen. Aber unter kapitalistischen Verhältnissen ist so etwas undenkbar. Eher vernichten die Kapitalisten ihre Warenüberschüsse, werfen sie auf den Müll oder legen sie auf Halde. Oder sie lassen sie einfach vom Staat aufkaufen, der dazu einen Teil der von den Werktätigen aufgebrachten Steuern verwendet.

Eine Krise hat schwere Folgen für die Arbeiterklasse. Die Kapitalisten schränken die Produktion ein und werfen die Arbeiter auf die Straße. Viele Betriebe werden geschlossen und durch die Krise ruiniert. Die Kapitalisten versuchen mit allen Mitteln die Löhne zu drücken.


Also: Weil sie „zu viel“ erzeugt haben, geht es den Arbeitern in der Krise schlechter. Dieser schreiende Widerspruch hat seine Ursache in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Aneignung.

Die Basis der Krise“, sagt Stalin, „liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des Kapitalismus ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen der Produktionskapazitäten des Kapitalismus, die auf die Erzielung eines Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind, und dem relativen Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage seitens der Millionenmassen der Werktätigen, deren Lebenshaltung die Kapitalisten ständig in den Schranken des äußersten Minimums zu halten suchen.“10

Um die Krisen abzuschaffen, muss man also den Kapitalismus abschaffen.

16. Schluss

Halten wir zum Schluss folgendes fest:

Der Kapitalismus entwickelt die Produktivkräfte und vergesellschaftet die Produktion. Er schafft damit die materiellen Voraussetzungen für den Sozialismus. Der Kapitalismus bringt andererseits das Proletariat hervor und schafft sich damit seinen eigenen Totengräber. Denn das Proletariat ist aufgrund seiner Stellung in der kapitalistischen Gesellschaft dazu berufen, den Kapitalismus zu stürzen.

Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, … wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch der Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums

schlägt. Die Expropriateurs (Enteigner, im Sinne von Ausbeuter) werden expropriiert (enteignet).“11

Leseliste

– Lehrbuch der pollitischen Ökonomie, Moskau 1953
– Fred Oelßner, „Die Wirtschaftskrisen“, Dietz 1949
– Engels, „Konspekt über ‚Das Kapital‘ von Karl Marx, Erster Band“, MEW 16, S. 243 ff.
– Marx, „Lohnarbeit und Kapital“, MEW 6, S. 397 ff.
– Marx, „Lohn, Preis und Profit“, MEW 16, S. 101 ff.

 

1 Zur Frage der Dialektik, in:Werke, Bd. 36, S.346

2 K.Marx, Das Kapital. Werke Bd.Z3, S. 61

3 Politische Ökonomie, Lehrbuch, Bd. 1, Ausgabe von 1954, S.85

4 Lenin, „Der ’linke’ Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Werke Bd. 31, S. 8

5 Kritik des Gothaer Programms, Ausgew. Schriften, Bd. II‚S. 18

6 Das Kapital, Werke, Bd. 23, S. 647

7 Marx, Das Kapital,Werke, Bd. 3, S. 247

8 Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, Ausg. Schriften, Bd. 1, S. 83f

9 Marx, „Lohn‚Preis und Profit“, in: Ausgew. Schriften (1972), Bd. l‚ S. 416

10 Stalin, Rechenschaftsbericht des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU(B), Werke Bd. 12, S. 214

11 K. Marx, „Das Kapital“, Werke, Bd. 23, S. 790

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