Liebe Leser:innen,
wir freuen uns mit diesem Dokument die öffentlichen Ergebnisse des 1. Kongresses der Kommunistischen Jugend vorlegen zu können!
Unsere Organisation hat in den letzten Jahren einen Entwicklungsstand erreicht, der es uns erlaubt hat, einen der größten Meilensteine in unserer bisherigen Entwicklung als junge Jugendorganisation gehen zu können. Mit dem ersten Kongress haben wir den Grundstein für die organisatorische Unabhängigkeit gelegt, auf dem wir in den nächsten Jahren aufbauend eine kämpfende kommunistische Jugendorganisation in diesem Land schaffen werden.
Der 1. Kongress hat vom 15.01 bis 18.01 mit Delegierten aus dem gesamten Bundesgebiet und einigen Gästen unserer Genoss:innen der Kommunistischen Frauen und des Kommunistischen Aufbaus stattgefunden.
Unser erster Kongress fällt dabei nicht nur in eine Zeit der unmittelbaren Kriegsvorbereitungen, in der sich die politische Lage Tag auf Tag schlagartig ändert. Er fand darüber hinaus kurz nach dem offiziellen Inkrafttreten des neuen Wehrdienstgesetzes statt. Dieses soll die Jugend in diesem Land mit Lockmitteln verführen und später in die deutsche Kriegsmaschinerie zwingen, um als Kanonenfutter des deutschen Imperialismus zu dienen.
Es sind zahlreiche Delegierte im Rahmen des Kongresses zusammengekommen, um kritisch die Erfolge und Mängel in der Entwicklung unserer Organisation auszuwerten, die politische Lage und ihre Auswirkungen auf die Arbeiter:innenjugend zu diskutieren und aufbauend darauf eine Entwicklungsrichtung der Organisation für die kommenden Jahre festzulegen.
Neben dem konkreten Aufbau eines eigenen Organisationsgerüsts wurde intensiv die eigene Massenarbeit und Agitations- und Propagandaarbeit ausgewertet und über die Notwendigkeit ihrer qualitativen und quantitativen Weiterentwicklung diskutiert.
„Die größte Aufgabe wird jedoch darin bestehen, dass die Verantwortung, all dies zu bewältigen, voll und ganz in unseren Händen liegen wird. Mit diesem Kongress ziehen wir uns selbst in die Verantwortung und setzen an uns selbst den Anspruch, unseren eigenen Weg zu gehen, unsere Geschichte selbst zu schreiben und in den ersten Reihen zu stehen, wenn es darum geht, die Zukunft der proletarischen Jugend in diesem Land mitzugestalten“, fasst eine Genossin am Ende des Kongresses die anstehenden Aufgaben unserer Jugendorganisation zusammen.
In der kommenden Zeit wird es nun darauf ankommen, als gesamte Organisation die Verantwortung zu übernehmen, die auf dem Kongress beschlossene Entwicklungsrichtung in die Praxis umzusetzen, eine organisatorisch unabhängige Jugendorganisation aufzubauen und sie mit Leben und Kampfgeist zu füllen.
Zusammenfassung der Ergebnisse des 1. Kongresses
Organisatorische Unabhängigkeit
Zentral für den 1. Kongress war die Diskussion rund um die organisatorische Unabhängigkeit und den Aufbau eines eigenen demokratisch-zentralistischen Organisationsgerüstes.
Der Prozess der Unabhängigkeitswerdung und der Aufbau eines eigenen organisatorischen Gerüsts muss dabei stets dem politischen Ziel folgen, eine kommunistische Massenorganisation zu schaffen, die die fortschrittlichsten Teile der Jugend für den Aufbau der Kommunistischen Partei agitiert und organisiert.
Die ideologisch-politische Gebundenheit bleibt dabei bestehen. Mit der organisatorischen Unabhängigkeit wird man jedoch umso mehr vor der Herausforderung stehen, immer wieder eine Einheit innerhalb und zwischen der Jugend- und der Aufbauorganisation herzustellen und dabei im Parteiaufbau an einem Strang zu ziehen.
Dieses zu schaffende Organisationsgerüst gilt es dabei immer mit dem politischen Ziel vor Augen mit Leben zu füllen und den besonderen Bedürfnissen einer Jugendorganisation mit Massencharakter anzupassen.
Das Ziel muss sein, eine Organisation aufzubauen, die tatsächlich zu einer Schule der Partei wird. Eine besonders zentrale Rolle hat die Diskussion gespielt, wie unsere Organisation in Zukunft aufgebaut sein und funktionieren muss, um für eine Vielzahl an Jugendlichen mit unterschiedlichsten Ansprüchen und Niveaus den passenden Entwicklungsraum zu bieten und ihr Potential vollständig für den Parteiaufbau ausschöpfen zu können. Dabei wird es auch von zentraler Bedeutung sein, neue Formen der Anleitung mit dem stetigen Wachstum der Organisation zu entwickeln und zu erproben.
Hürden, die uns heute noch daran hindern, mehr Jugendliche in unseren Reihen zu organisieren, müssen beseitigt werden. Im selben Zuge müssen wir besonders motivierten Genoss:innen die Chance geben, ihrem jugendlichen Elan und ihrer großen Veränderungsbereitschaft konkrete Schritte und Sprünge in ihrer Kader:innenentwicklung folgen zu lassen.
Nur wenn wir es schaffen diesen Besonderheiten gerecht zu werden, werden wir die eigentliche Funktion einer kommunistischen Jugendmassenorganisation erfüllen und zu einem Motor im Parteiaufbau werden können, die mit ihrem jugendlichem Enthusiasmus die Organisation mit revolutionärem Feuer ansteckt und zu einer den Klassenkampf nach vorne entwickelnden Kraft wird.
Antipatriarchale Arbeit und junge Frauenarbeit
Mit der organisatorischen Unabhängigkeit wird unsere Organisation vor die Aufgabe gestellt, das revolutionärer Potential junger Frauen weiter zu entfalten und für den Klassenkampf zu nutzen. Darüber hinaus werden wir Verantwortung für die antipatriarchale Arbeit innerhalb der eigenen Organisation tragen und sich noch mehr als zuvor der Aufgabe stellen müssen, junge kommunistische Frauenkaderinnen heranzuziehen.
Dafür soll den jungen Frauen unserer Organisation die Möglichkeit gegeben werden, sich untereinander auszutauschen, zu bilden, als Frauen zusammen zu wachsen, Frauensolidarität zu leben und gemeinsam Schritte in ihrer Entwicklung nach vorne zu gehen.
Die Aufgabe, weitere Schritte in der Frauenrevolution und dem Kampf gegen das Patriarchat zu gehen, kommt dabei jedoch nicht nur unseren Frauengenossinnen zu. Sowohl die Hebung des Geschlechtsbewusstseins aller Geschlechter innerhalb der eigenen Reihen als auch außerhalb der Organisation in den Jugendmassen – darunter insbesondere das Zurückdrängen eines reaktionären Geschlechtsverständnisses – müssen beständiger Teil des antipatriarchalen und frauenrevolutionären Kampfes der gesamten Organisation und all ihrer Mitglieder sein.
Zu den kommenden Aufgaben zählt die gezielte Auseinandersetzung mit der Entwicklung von transgeschlechtlichen Kader:innen und der Frage, wie man das Potential der LGBTI+ Arbeit in Zukunft besser ausschöpfen kann.
Massenarbeit
Gerade mit dem Ziel zu einer kommunistischen Massenorganisation zu werden, müssen wir es in der kommenden Zeit schaffen, unsere Aktivität zu erhöhen und die Arbeit breiter, vielfältiger, kreativer und massenhafter aufzustellen.
Der Kongress hat die Notwendigkeit der Ausweitung und Professionalisierung unserer bisherigen Verankerungsarbeit an Schulen und Universitäten hin zu einem tatsächlichen dauerhaften Standbein unserer Arbeit diskutiert. In Zukunft werden wir uns hierbei auch mit verschiedenen Stellvertreterstrukturen, wie AstA, StuPas, SVs/SMVs und JAVs, und einer möglichen Arbeit in diesen auseinandersetzen – alles mit dem Ziel, unseren Einfluss an den Universitäten und Schulen auszuweiten und unsere revolutionären Inhalte einem noch breiteren Publikum bekannt zu machen.
Die Organisation selbst soll zu einem direkteren Anziehungspunkt für Jugendliche in der Praxis werden. Dafür wird man den direkten Kontakt kommunistischer Inhalte und Angebote zu unserer Klasse stärken und ausweiten müssen, aber auch damit beginnen, erste Schritte in einer direkten Verankerungsarbeit als kommunistische Organisation selbst an diesen Orten zu gehen.
Auch die Erschließung neuer Kampffelder gehört zu den kommenden Aufgaben der nächsten Zeit. Neben den Schulen und Universitäten müssen auch die Betriebe und Berufsschulen zu Festungen des Klassenkampfes werden und entsprechende Angebote und Möglichkeiten der Organisierung für junge Arbeiter:innen und Auszubildende entwickelt werden. Erfahrungen aus der Jugend- und Betriebsarbeit müssen dafür auf sinnvollem Wege miteinander verknüpft und Genoss:innen in diesem Bereich geschult werden.
Während sich unsere Agitation und Propaganda in vielen Aspekten noch auf die theoretische Vermittlung unserer kommunistischen Weltanschauung begrenzt, gilt es sich in Zukunft auch mit der Schaffung einer revolutionären Jugendkultur als Teil des kollektiven Miteinanders sowie als Mittel der Massenarbeit zur Erreichung neuer Jugendlicher zu beschäftigen.
Im 21. Jahrhundert nehmen soziale Medien eine immer bedeutendere Rolle in der Beeinflussung und dem Lenken gesellschaftlicher Meinungen und Dynamiken ein. Insbesondere Jugendliche politisieren und radikalisieren sich teils allein über das Internet. Es gilt sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln und eine professionelle Agitations- und Propagandaarbeit aufzubauen.
Um all das zu ermöglichen, muss auf allen Ebenen eine treffendere und dauerhaftere Analyse der Lage der proletarischen Jugend in Deutschland aufgestellt, daraus abgeleitet Losungen entwickelt und Kämpfe angestoßen werden, die als Grundlage für eine aufzubauende klassenkämpferische Jugendbewegung dienen werden.
Dabei gilt es in all dem, den Drang zu entwickeln, Massen an Jugendlichen zu organisieren, in Bewegung zu setzen und anzuleiten. Dafür wird die Aneignung einer jungkommunistischen Arbeitsweise, die den dynamischen Entwicklungen und den Besonderheiten von Jugendlichen und den Eigenschaften einer Massenorganisation gerecht wird, notwendig sein. Nur so werden wir die Aufgaben und Rolle einer kommunistischen Jugendorganisation voll und ganz erfüllen können.
Kader:innenentwicklung
Eine kommunistische Jugendorganisation benötigt Kader:innen. Gerade der Weg hin zu einer Organisation mit Massencharakter wird von uns umso mehr verlangen, systematisch Kader:innen aus den Jugendmassen zu gewinnen und auszubilden. Die Aufgabe der jugendlichen Kader:innenentwicklung ist es dabei die jugendliche Rebellion mit der Entwicklung einer Ernsthaftigkeit, Militanz und Siegeswillen zur sozialistischen Revolution zu organisieren. Dazu wird auch das Heranziehen von Berufsrevolutionär:innen für und innerhalb der Jugendorganisation gehören.
Auf der anderen Seite wird sie auch erst dann wirklich zu einer Schule der Partei werden können, indem ein richtiger Umgang mit einer Bandbreite an unterschiedlichen Ansprüchen und Entwicklungsständen gefunden wird. Hier gilt es eine eigene Kader:innenpolitik zu entwickeln, die die Besonderheiten der Jugend beachtet und Methoden der Kader:innenentwicklung speziell für die Jugend entwickelt. Konzepte und Erfahrungen müssen weitergegeben und an den richtigen Stellen angepasst so wie neue entworfen werden.
Dazu gehört der Aufbau einer eigenen Bildungs- und Schulungsarbeit. Diese muss dabei den wachsenden Ansprüchen an diesen Bereich und den verschiedenen Bedürfnissen Jugendlicher nachkommen und systematisch den Marxismus-Leninismus schulen. Gerade die Entwicklung einer weitsichtigen und vielschichtigen Analysefähigkeit und die lebendige Anwendung unserer Ideologie wird dafür von großer Bedeutung sein.
Eine Grundlage für den Erfolg einer dynamischen Entwicklung bei Jugendlichen und einer an sie angepassten Kader:innenpolitik ist dabei die zu schaffende Kultur unter jungen Kommunist:innen. Diese sollte geprägt sein von gegenseitigem Anspornen, Motivation, einer produktiven Fehler- und Kritikkultur als Quelle der Weiterentwicklung sowie einer Offenheit für Initiativen und neue Ideen.
Politische Resolutionen
Die Diskussion über die Festlegung der strategischen Entwicklungsrichtung unserer Organisation für die kommende Zeit wurde ergänzt durch vier politische Resolutionen.
Die Resolution zur „Politischen Lage und unsere Aufgaben“ analysiert die zum Zeitpunkt des Kongresses wichtigsten politischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Jugend, insbesondere in Deutschland, so wie die sich daraus ergebenden Aufgaben.
Die Resolutionen „Unsere Aufgaben im antimilitaristischen Kampf“ und „Für eine kommunistische Jugend statt faschistische Jugend“ benennen unsere Aufgaben in diesen wichtigen Kampffeldern für die Jugend.
In der vierten Resolution „Auf zur organisatorischen Unabhängigkeit“ legen wir kurz unser Verständnis der zentralen Eigenschaften und bevorstehenden Aufgaben einer organisatorisch unabhängigen kommunistischen Jugendorganisation dar.
Zusätzlich wurde auf dem Kongress unser Selbstverständnis verabschiedet.


