„Unser Tag wird kommen“ – Bericht vom Ostergedenken in Dublin 2026

1916 riefen irische Revolutionär:innen in Dublin die Republik aus. Sie übernahmen wichtige strategische Punkte in der Stadt und verteidigten sie tagelang gegen die britischen Besatzer. Auch noch auf dem Rückzug ging die Reaktion grausam gegen sie vor und brachte ihnen zahlreiche Opfer bei, darunter auch den bekannten Arbeiterführer James Connolly.

Seitdem kommen jedes Jahr Republikaner:innen zusammen, um den gefallenen Helden des irischen nationalen Befreiungskampfes zu gedenken und ihren Kampf fortzuführen. Als Kommunistische Jugend hatten wir die Ehre, in diesem Jahr auf Einladung der Anti-Imperialist Action Ireland an den Gedenkfeierlichkeiten in Dublin mit einer Delegation teilzunehmen. Von Freitag bis Sonntag waren wir Teil eines vielfältigen Programms, konnten mit Genoss:innen aus verschiedenen revolutionären und kommunistischen Organisationen diskutieren, aus den Erfahrungen der irischen Bewegung lernen und viel revolutionären Enthusiasmus wieder zurück nach Deutschland nehmen.

Auf den Spuren der Helden des irischen Befreiungskampfs

Nachdem wir von unseren Genoss:innen herzlich in Empfang genommen wurden, nahmen wir am Donnerstag an einer Gedenkveranstaltung einer Coiste (Ortsgruppe) der Anti-Imperialist Action teil. Die Aktion war Molly O’Reilley gewidmet, die während des Osteraufstands als Teil der Irish Citizen Army (ICA) gekämpft hatte. Die Organisation wurde zur Verteidigung der Arbeiter:innenklasse während der großen Aussperrung und Repression von 1913 gegründet. Sie gilt als „erste rote Armee“ Irlands und wurde zu einer der Vorgängerorganisationen der Irish Republican Army (IRA).

Am nächsten Tag ging es in die Innenstadt von Dublin. Auf einer Stadttour folgten wir den Kämpfer:innen des Osteraufstands von 1916 entlang verschiedener wichtiger Punkte bis zu ihrem Rückzug in der Nähe der heutigen Moore Street. Wir sahen das Hauptpostamt, in dem sich viele Kommandeure befanden, sowie das Gebäude, aus dem in Irlands erstem Radiobericht die Unabhängigkeit verkündet wurde. Die Genoss:innen berichteten von den Anfängen des nationalen Befreiungskampfes, den Verbindungen zur Arbeiter:innenbewegung sowie der vorantreibenden und aktiven Rolle der Frauen rund um den Osteraufstand, die sich in der bewaffneten Frauenorganisation Cumman na mBan zusammengeschlossen hatten.

Am Samstag ging es dann nach Bray, wo wir an der Küste den Bray Head hinauf wanderten. Anschließend zogen wir mit einem Demonstrationsmarsch zum Grab des sozialistischen Republikaners Seamus Costello, der in den 70ern von der Official IRA (OIRA) ermordet wurde. Zuvor war er einer der Begründer der Irish National Liberation Army (INLA) gewesen. Bei einer Kundgebung am Grab ergriff auch ein Weggefährte von Seamus das Wort. In einer Rede der AIA wurde die Bedeutung des antifaschistischen Kampfs herausgestellt und Solidarität mit den von Hausdurchsuchungen betroffenen Genoss:innen in Mittelfranken und der Genossin der Internationalen Jugend bekundet, die Ende März in Berlin von Faschist:innen mit einer Machete angegriffen wurde. Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsames Abendprogramm in einem nahegelegenen Pub, bei dem Genoss:innen aus Irland, Deutschland, Katalonien und Italien traditionelle revolutionäre Lieder aus ihren Ländern gemeinsam sangen.

Der Sonntag bildete den Abschluss und Höhepunkt unserer Reise. Am Mittag zogen wir mit einem größeren Demonstrationsmarsch zu einem Mahnmal für die Gefallenen im Kampf um die irische Republik, an dem sich auch weitere Organisationen aus Irland beteiligten. Dort angekommen fand eine Kundgebung statt, bei der verschiedene Genoss:innen das Wort ergriffen, darunter auch ein ehemaliger republikanischer Gefangener. Wie bereits am Tag zuvor machten die Genoss:innen klar, dass der Kampf um ein freies Irland gegen den britischen Imperialismus, die NATO, die EU und den irischen Free State nicht vorbei ist und weiter geführt werden muss. Wie bereits in vergangenen Jahren wurde der Marsch von Mitgliedern der Special Branch der Polizei begleitet, die republikanische Aktivist:innen mit Hilfe von Sondergesetzen schikaniert und einen irischen Genossen mehrere Male über die Tage hinweg verhafteten.

Am Nachmittag fand dann ein Symposium statt, das von der AIA mit einem eigenen Redebeitrag eröffnet wurde. In verschiedenen Reden äußerten sich die anwesenden Organisationen zu den Aufgaben, die sich uns als Kommunist:innen und Revolutionär:innen im Angesicht von Militarisierung und imperialistischer Kriegsgefahr stellen. Dabei herrschte große Einigkeit darüber, dass der gemeinsame Kampf gegen Imperialismus und Krieg in den nächsten Jahr immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. In unserem Redebeitrag haben wir dabei die Notwendigkeit des Aufbaus kämpfender kommunistischer Parteien sowie das Verteidigen und Einnehmen einer eigenständigen Position der Arbeiter:innenklasse, insbesondere in den immer öfter aufkommenden Kriegen der Imperialisten, hervorgehoben. Auch die besondere Rolle der Jugend im internationalen Klassenkampf gegen Krieg, Aufrüstung und die Wiedereinführung der Wehrpflicht in verschiedenen Ländern haben wir beleuchtet. Anschließend ließ man das Wochenende gemeinsam ausklingen.

Ein Funken Hoffnung

An den verschiedenen Tagen konnten wir von de Genoss:innen der Anti-Imperialist Action Ireland viel über den Befreiungskampf des irischen Volkes, seine Geschichte, seine Lehren und seine Perspektiven erfahren. Dabei können wir nicht nur aus dem letzten Jahrhundert lernen. Auch in den letzten Jahren haben die Genoss:innen zum Beispiel wichtige Erfahrungen im Kampf um Wohnraum und gegen Faschismus und Imperialismus gesammelt.

Genauso konnten wir vom Austausch mit anderen Organisationen profitieren, die wir am Wochenende treffen und kennenlernen durften. Aus den Gesprächen konnten wir immer etwas mitnehmen, egal ob es um Probleme des Parteiaufbaus in imperialistischen Ländern, kommunistische Gewerkschaftsarbeit oder den antifaschistischen und nationalen Befreiungskampf ging. Wir hoffen, dass die internationale revolutionäre Bewegung auf dieser Dynamik aufbauen kann und in den nächsten Jahren auch international gemeinsam mehr in Aktion tritt.

Immer wieder ertönte am Wochenende die Parole „Tiocfaidh ár lá“, auf deutsch „Unser Tag wird kommen“. Die gelebte Solidarität, die Genossenschaftlichkeit unter Revolutionär:innen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Strömungen gibt uns Hoffnung, dass dieser Satz nicht einfach eine leere Parole ist, sondern in der kommenden Zeit mehr und mehr mit Taten gefüllt wird.

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