Als Frauen organisiert – als Klasse vereint!

Zur Notwendigkeit kommunistischer Frauenorganistaionen
Kämpfen wir als Frauen organisiert und als Klasse vereint für den Sozialismus und den Wiederaufbau einer proletarischen Frauenbewegung!

Am diesjährigen 8. März gehen wir auf die Straße mit der Losung „Als Frauen organisiert – als Klasse vereint!“. Die Frage, wie der Kampf für die Befreiung der Frau geführt und organisiert werden muss, ist sowohl in der Geschichte der kommunistischen Bewegung als auch heute eine der umstrittensten Fragen. Doch wenn wir als Kommunistinnen auf unsere Geschichte zurückblicken, dann gibt es viele Anknüpfungspunkte sowie wichtige Lehren für heute.

Erfahrungen…

Historisch waren die Frauenbewegung und die kommunistische Arbeiter:innenbewegung in Deutschland nie einfach identisch. Die Frauenbewegung hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert und bestand aus einer breiten Palette bürgerlicher Frauenvereinigungen, die in ihren Forderungen aufgrund ihrer Klassenlage begrenzt bleiben mussten. Die Interessen der großen Mehrheit der Frauen der Arbeiter:innenklasse und der Bäuer:innen wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts am konsequentesten von den Kommunist:innen vertreten. Noch heute knüpfen wir an Proteste gegen den §218 an, der besonders stark von der KPD unterstützt wurde. Der zunehmende Einfluss der Kommunist:innen auf die proletarischen Frauen und Bäuerinnen war jedoch nicht einfach nur ein spontaner Prozess, sondern das Ergebnis gezielter Bemühungen, eine an die spezifischen Probleme der Frauen gerichtete Agitation und Propaganda zu entwickeln. Von der Frauenzeitung „die Kommunistin“ der KPD bis hin zu an Arbeiterinnen gerichtete Flugblätter gab es viele Ansätze, Frauen anhand ihrer spezifischen Lebensbedingungen für den Klassenkampf, sowie den Kampf gegen ihre besondere Unterdrückung zu gewinnen.

… und Brüche des kommunistischen Frauenkampfes

Auch die Sowjetunion nahm ab der Oktoberrevolution 1917 eine Vorreiterrolle im Kampf gegen das Patriarchat ein. Gleiches Wahlrecht für alle, die Legalisierung von Abtreibungen, die Einstellung der Verfolgung von Homosexualität, die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau – das mag für uns heute selbstverständlich klingen. Auch wenn einige dieser Rechte später zurückgenommen wurden, war das damals kommunistisch regierte Russland der kapitalistischen Welt um viele Jahrzehnte voraus.

In Deutschland gehörten die Kommunist:innen zu den schärfsten politischen Gegnern der Nazis und wurden dementsprechend brutal von ihnen verfolgt. Von der Zerschlagung der kommunistischen Bewegung hat sich diese bis heute nicht erholt. Beschleunigt wurde die Schwächung der kommunistischen Bewegung durch den Zerfall und die kapitalistische Restaurierung der ehemaligen Sowjetunion. Als politische Kraft haben die Kommunist:innen dementsprechend ihre Vorreiterrolle im Frauenbefreiungskampf in Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern auf der Welt eingebüßt. Diese Lücke wurde in den 70er Jahren von der zweiten Frauenbewegung gefüllt. Viele alte Kampffelder der ersten Frauenbewegung wurden aufgegriffen und neue hinzugefügt. Insbesondere der Slogan „Das Private ist politisch“ rückte in den Vordergrund. In Deutschland gehören zu den Errungenschaften der feministischen Bewegung unter anderem die rechtlich freie Berufswahl von verheirateten Frauen, die Schaffung von Frauenhäusern und das Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe.

Vereinigte Revolution statt getrennte Reformkämpfe!

Auch wenn es in der neuen Welle des Feminismus mit der Stadtguerillabewegung auch radikale und kapitalismuskritische Kräfte gab, so gelangte der antipatriarchale Kampf doch zunehmend unter bürgerliche Führung, was sich bis heute durchgesetzt und zur Integration des Frauenkampfes ins bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftssystem geführt hat. Eine feministische Bewegung, die den Rahmen des Kapitalismus nicht sprengen will, wird aber immer auf kleine Schönheitskorrekturen am patriarchalen System begrenzt bleiben. Dieser Zustand zeigt uns Kommunist:innen unsere Schwächen und Fehler auf. Umso mehr ist es unsere Verantwortung, unsere Rolle im Kampf für die Befreiung der Frau bewusst wahrzunehmen und den Frauen unserer Klasse Alternativen zur feministischen Organisierung zu bieten – sei es durch Frauenmassenorganisationen oder kommunistische Frauenorganisationen.

Denn Topmanagerinnen zum Trotz, die große Masse von uns bleibt bis heute in einer den Männern gegenüber benachteiligten gesellschaftlichen Position. Noch immer nehmen Millionen Frauen in diesem Land „freiwillig“, durch wirtschaftlichen Druck oder aufgrund von patriarchaler Gewalt die Rolle der Hausfrau ein, auch wenn die meisten von ihnen zugleich auch als Arbeiterinnen ausgebeutet werden. Nur auf dieser Grundlage kann ein Wirtschaftssystem und eine Kultur bestehen, in der unsere Körper zur Ware werden; Gewalt und Femizide für diejenigen von uns, die aus dieser Rolle ausbrechen wollen, zur traurigen Tagesordnung gehören. Diese Lebensumstände prägen unser Bewusstsein und gehen mit spezifischen Kämpfen einher, die insbesondere von den Frauen unserer Klasse geführt werden, da sie als erstes mit den Widersprüchen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung in produktive und reproduktive Arbeit konfrontiert werden.

Frauenorganisationen und gemeinsamer Kampf – Kein Widerspruch, sondern Bedingung

Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern aufzuheben erfordert jedoch den gemeinsamen Kampf der Arbeiter:innenklasse gegen die kapitalistische Klassengesellschaft als Ganzes. Denn diese nährt sich unter anderem von der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und ist der Hauptprofiteur dessen, dass Männer durch das Patriarchat selber zu Unterdrückern ihrer Klassenschwestern werden. Eine kommunistische Frauenorganisation als Bestandteil einer kommunistischen Kader:innenorganisation ist hierbei kein Widerspruch, genauso wenig wie eine proletarische Frauenbewegung im Widerspruch zur Arbeiter:innenbewegung steht.

Die Einsicht in die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes für die sozialistische Revolution hebt den Widerspruch zwischen den Geschlechtern der Arbeiter:innenklasse nicht auf. Im Gegenteil – diese Einheit herzustellen, die Spaltung zwischen den Geschlechtern aufzuheben, erfordert eine Anerkennung der Ungleichheit, die sich politisch und organisatorisch in den eigenen Strukturen widerspiegeln muss. Dass sich die Frage nach der Frauenorganisierung überhaupt sowohl historisch als auch heute stellt, ist eben selbst nur das Ergebnis davon, dass die Kämpfe der Arbeiterinnen nicht nur identisch sind mit den Kämpfen unserer männlichen Klassengeschwister.

Klar ist, dass das richtige Verhältnis zwischen den Kämpfen und Forderungen der Arbeiterinnen und dem gemeinsamen Klassenkampf, genauso wie das richtige Verhältnis zwischen Kommunistischer Organisation und ihrer Frauenorganisation, immer wieder diskutiert und neu hergestellt werden muss. Die Sicherstellung, dass dieses Verhältnis nicht auf Kosten der Frauen unserer Klasse verschoben wird, indem ihre spezifischen Kämpfe und Interessen aufgegeben oder auf den Nebenschauplatz verdammt werden, muss jedoch unter Führung der Kommunistinnen selbst erfolgen. Aus der Geschichte des Frauenkampfes zu lernen heißt anzuerkennen, dass keine unserer Fortschritte ohne die Führung von Frauen selbst erkämpft wurden – und dass gleichzeitig die Integration ins bürgerliche System um so leichter ist, ohne Kommunistinnen, die diesen Kampf organisiert in revolutionäre Bahnen lenken.

Deshalb: Kämpfen wir als Frauen organisiert und als Klasse vereint für den Sozialismus und den Wiederaufbau einer proletarischen Frauenbewegung!

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