Seit Oktober 2024 setzen wir uns als Kommunistische Frauen mit den Veröffentlichungen von „Stoppt Täter“ auseinander und in unterschiedlichen öffentlichen Stellungnahmen haben wir uns zu ihren Statements verhalten. Insbesondere mit der Stellungnahme im Mai 2025 haben wir für alle offengelegt, welche Konsequenzen wir bereits im Dezember 2024 daraus gezogen und organisatorisch umgesetzt haben. Allen Personen, die sich bisher nicht mit der Thematik auseinandergesetzt haben und sich für unsere Haltung interessieren, empfehlen wir daher unsere bisherigen Veröffentlichungen zu diesem Thema.
Wir waren zu jedem Zeitpunkt bereit unsere Selbstkritiken und Kritiken sowie die konkreten Veränderungen unserer Prinzipien und Methoden gegenüber Einzelpersonen, Organisationen und Betroffenen in persönlichen Gesprächen offenzulegen und sind dem Gesprächsbedarf anderer nachgekommen. Die Personen, die aktiv an den Veröffentlichungen von „Stoppt Täter“ mitgewirkt haben, hatten diese Bereitschaft nicht und lehnten alle Gesprächsangebote ab.
Wir haben unsere Strukturen, Methoden und Positionen in den letzten 1 ½ Jahren kritisch ausgewertet, weiterentwickelt und ausgewertete Fehler und Lücken korrigiert. Wir haben klare und konsequente Regeln und Abläufe im Umgang mit Beschuldigten und Tätern entwickelt, um den Fokus auf die Arbeit mit den Betroffenen legen zu können. Diese Arbeit weiterzuentwickeln ist und bleibt eine permanente Aufgabe, die zu keinem Zeitpunkt einfach abgeschlossen werden kann. Auch in Bezug auf die öffentlichen Vorwürfe sind wir unserer Verantwortung in diesem Sinne nachgekommen. Vor allem in Hinblick auf die letzte Veröffentlichung Ende Februar 2026, zu welcher sich die Genoss:innen der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) bereits ausführlich geäußert haben, ergibt sich auch für uns die Notwendigkeit, einen klaren Trennungsstrich zu ziehen und diese von „Stoppt Täter“ erzwungene Form der Auseinandersetzung zu beenden.
Wir haben ein aufrichtiges Interesse daran, mit allen fortschrittlichen und revolutionären Kräften den Kampf gegen das Patriarchat, patriarchales Fehlverhalten und Gewalt zu führen. Dazu gehört es, Methoden und Standards zu entwickeln, die uns als Organisation und als Bewegung in diesem Kampf weiterbringen. Ebenso schließt das nach unserem Verständnis einen kritischen und selbstkritischen Austausch über Fehler, Herausforderungen und Erfolge in dieser Arbeit unter revolutionären Kräften ein. Wir sind der Überzeugung, dass sich dieser Anspruch auch in unserer gesamten Praxis widerspiegelt und das, seitdem wir uns als Kommunistischer Aufbau im Jahr 2014 gegründet haben. Daher wollen wir zunächst auf diesen Eigenanspruch eingehen, bevor wir uns dem allgemeinen Umgang mit den Veröffentlichung und konkret „Stoppt Täter“ widmen.
Unser Kampf gegen das Patriarchat im Allgemeinen und patriarchale Gewalt im Konkreten
Die Arbeit zu konkreten Fällen von patriarchaler Gewalt ist ein Aspekt unserer Kämpfe gegen das Patriarchat. Seit über einem Jahrzehnt arbeiten wir am Aufbau von Strukturen, um gegen die konkreten Auswirkungen von patriarchalem Fehlverhalten und patriarchaler Gewalt zu kämpfen: Wir bieten Anlaufstellen für Betroffene und arbeiten mit ihnen zum Erlebten, wir schaffen Strukturen, in denen Frauen ihre Handlungsfähigkeit zurückgegeben wird, indem sie organisiert die Konsequenzen für patriarchales Fehlverhalten und Gewalt bestimmen. Im Zusammenhang damit stellen wir den Anspruch an alle, die Teil unserer Organisation sind, an der Umsetzung dieser Arbeit mitzuwirken. Darüber hinaus schulen wir gezielt: In der Arbeit mit Fällen von patriarchaler Gewalt, in theoretischen Fragen, die diesen Bereich betreffen und in der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Zusätzlich dazu führen wir praktische Kämpfe gegen alle Formen patriarchaler Unterdrückung. Die Auseinandersetzung mit patriarchaler Gewalt als einem alltäglichen und dennoch gravierenden Symptom des Patriarchats war für uns nie ein Nebenschauplatz. Nicht vor den Vorwürfen von „Stoppt Täter“, nicht heute.
Diese Auseinandersetzung stellt jedoch nur einen Teil der Arbeit dar, die wir machen. Als Organisation vertreten wir die Linie der Frauenrevolution. Das bedeutet, dass wir die Umwälzung der Geschlechterverhältnisse als einen revolutionären Prozess betrachten, der nicht losgelöst von der sozialistischen Revolution betrachtet werden kann. Konkret bedeutet das, dass die Frage des Patriarchats auf allen Ebenen eine Rolle spielt und nicht nur dann, wenn es konkretes Fehlverhalten von Männern gibt.
Wir organisieren Frauen auf allen Ebenen unserer Organisation und schaffen durch die Frauenorganisation ein Werkzeug, um uns sowohl nach innen als auch nach außen gegen das Patriarchat und für den Klassenkampf zu organisieren. Frauen erfahren bei uns besondere Förderung und Forderung und dort, wo wir es für notwendig erachten, haben sie besondere Rechte. Unser Ziel ist es, Frauen und andere unterdrückte Geschlechter als Revolutionär:innen zu stärken.
Wir arbeiten stetig an der Weiterentwicklung der Linie der Frauenrevolution. Eine Entwicklung, die über unsere theoretischen Veröffentlichungen nach außen sichtbar ist. Frauen unserer Organisation führen den Kampf gegen das Patriarchat selbstbewusst und auch nach außen sichtbar, auf der Straße, in Reden und in Bündnissen.
Organisationen und Personen, die mit uns in der Praxis zusammenkommen wissen, dass wir uns diese hohen Ansprüche stellen, uns an ihnen messen und kritisieren lassen. Wir sind bei weitem nicht fehlerfrei, aber den Anspruch das Patriarchat zu bekämpfen nehmen wir sehr ernst. Wir halten es für wichtig, unsere grundsätzliche Haltung und die Entwicklung der antipatriarchalen Arbeit an dieser Stelle zu spiegeln, da wir eine entwickelte und konsequente Arbeit in diesem Bereich vorzuweisen haben. Das von „Stoppt Täter“ konstruierte Bild und bewusst bespielte Klischee von einer Horde Tätern in irgendwelchen „wichtigen Funktionen“ ist absurd hat mit unserer Organisationsrealität wirklich nichts zu tun.
Die Rolle von „Stoppt Täter“ im Kampf gegen patriarchale Gewalt
Wir haben bereits den Anspruch formuliert, gemeinsam mit allen fortschrittlichen und revolutionären Kräften den Kampf gegen das Patriarchat und gegen patriarchale Gewalt zu führen und weiterzuentwickeln. Wir denken, dass „Stoppt Täter“ in diesem Kampf aber weder eine produktive Rolle einnimmt noch einnehmen will. In diesem Text geht es uns nicht mehr um eine Auseinandersetzung mit den Vorwürfen, sondern um die politische Funktion dieser Outingplattform und wie diese im Kampf gegen patriarchale Gewalt zu bewerten ist.
Ein zentraler Bestandteil unserer Kritik an „Stoppt Täter“ ist ihr eigener Umgang mit Betroffenen unter dem Deckmantel der Betroffenensolidarität. Denn außer Outings und Vorwürfe zu posten hat dieses Kollektiv zu keinem Zeitpunkt den Eigenanspruch formuliert, selber Verantwortung für die Arbeit zu den Vorwürfen zu übernehmen, die sie erreichen. Ihre Solidarität mit Betroffenen begrenzt sich darauf, ihre Erfahrungen zu nutzen, um Organisationen und Genossinnen öffentlich anzuprangern. Das geschieht vor allem mit dem Ziel, diese politisch zu isolieren. Aus ihrer Sicht sollen Betroffene durch diesen Umgang ermächtigt werden, ihr konkretes Vorgehen widerspricht diesem Vorsatz jedoch vollständig. Damit diese Kritik nachvollziehbar wird, werden wir sie anhand bestimmter Teilkritiken ausführen.
Um wen geht es „Stoppt Täter“ eigentlich?
In der Auseinandersetzung mit patriarchaler Gewalt sollte der Fokus die allseitige Arbeit mit der Betroffenen sein. Dazu gehören sowohl persönliche Gespräche, Unterstützung bei der Einordnung des Erlebten sowie die Stärkung der Betroffenen als politisch handlungsfähiges Subjekt. Da „Stoppt Täter“ aber lediglich eine Plattform zum Veröffentlichen von Outings und Kritiken ist, setzen sie sich weder professionell noch überhaupt systematisiert mit der realen Betroffenenarbeit auseinander. Stattdessen ziehen sie Betroffene aktiv hinein in eine öffentliche politische Auseinandersetzung, die nicht zufällig ausschließlich Outings im Zusammenhang mit konkreten Organisationen veröffentlicht. „Stoppt Täter“ zieht Betroffene in ihren Kampf gegen einzelne Organisationen und Personen hinein, ohne Rücksicht auf die Folgen und ohne, dass sie diese tatsächlich auffangen könnten. In Folge der Outings von „Stoppt Täter“ sind Betroffene damit konfrontiert, dass im ganzen Land in allen möglichen politischen Kreisen über das diskutiert wird, was sie zum Teil detailliert schildern. Die Erzählung, dass diese öffentliche Debatte im Kontext einer patriarchalen Gesellschaft vor allem Ermächtigung bringen soll, bestätigt sich in der Realität nicht. Outings, ohne organisierte Arbeit mit Betroffenen, bedeuten vor allem eine zusätzliche Belastung, sie schaden ihnen teilweise sogar aktiv. Insbesondere dann, wenn sensible Informationen über die Betroffenen veröffentlicht werden und das zum Teil auch ohne ihre Einwilligung und mit erfundenen Zusammenhängen. Das ist „Stoppt Täter“ aber ganz offensichtlich egal, solange es ihrer Zielsetzung nützt. Und dieses Ziel ist nicht die Ermächtigung von Betroffenen, sondern möglichst großer Schaden unter anderem für unsere Organisation und unsere Genoss:innen.
Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass im Zentrum der Veröffentlichungen nicht Gewalt ausübende Männer stehen und wie man diese stoppen könne, auch wenn der Name das suggeriert. Viel deutlicher als die Täter stehen im Zentrum der Outings einzelne revolutionäre Frauen und Organisationen, die bundesweite antipatriarchale Strukturen und Konzepte entwickelt haben und trotz dem massiven Diffamierungsdruck durch die Plattform auch weiterhin die Verantwortung für diese Arbeit übernehmen. Hier wird die patriarchale Dynamik letztlich selbst reproduziert: Frauen sollen Schuld sein an dem patriarchalen Fehlverhalten oder der Gewalt, die Männer ausüben. Die Verantwortung von Männern für ihr Handeln wird systematisch auf die Frauen übertragen, die mit diesen an ihrem Verhalten arbeiten.
Hätte „Stoppt Täter“ den Anspruch, eine produktive Rolle in der Weiterentwicklung der Arbeit zu patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt einzunehmen, dann würden sie ihrer Arbeit einen anderen Inhalt geben. Dann würden sie Verantwortung übernehmen Kritiken am allgemeinen Zustand der fortschrittlichen und revolutionären Bewegung zu leisten oder daran, dass ein großer Teil dergleichen sich heute noch gar nicht organisiert mit der Arbeit zu patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt, bzw. mit Betroffenenarbeit auseinandersetzt. Sie sehen ihre Aufgabe auch nicht darin, Lösungsansätze zu entwickeln, wie diese Situation verändert werden kann.
Fragwürdige Standards im Namen der Betroffenensolidarität
An der Stelle kommen wir auch zu unserer wichtigsten Kritik. „Stoppt Täter“ untergräbt das Prinzip der Parteinahme mit Betroffenen und schadet damit aktiv der Glaubwürdigkeit dieser. „Stoppt Täter“ hatte zu keinem Zeitpunkt ein Interesse an Aufklärung und im Namen der „Betroffenensolidarität“ setzen sie fragwürdige Standards im Umgang mit Informationen im Internet. Durch die bewusst manipulative Aufmachung des Accounts erzwingen sie Solidarität von außen, denn wer sich auf die Seite von Betroffenen stellen möchte, muss sich nach dieser Logik auch auf Grundlage der verbreiteten Inhalte parteiisch positionieren, muss die verbreiteten Inhalte von „Stoppt Täter“ als Grundlage der eigenen Meinungsbildung nehmen.
Das elementare Prinzip der Parteinahme mit Betroffenen kann so aber nicht funktionieren. Es lässt sich nicht einfach mit der Anonymität des Internets und der willkürlichen Verbreitung von unüberprüften Informationen verknüpfen und widerspricht der realen Arbeit mit Betroffenen mit vertraulichen Gesprächen, komplexen Entwicklungen und differenzierten Einschätzungen. Wer sich ernsthaft mit antipatriarchaler Arbeit und der Arbeit zu konkreten Fällen auseinandergesetzt hat, weiß das. Einordnungen zu machen, Entscheidungen zu treffen, das alles passiert auf einer deutlich komplexeren Grundlage als auf einem Text, den man über Chat oder Social Media zugeschickt bekommt. Auf dieser Grundlage ist es nicht möglich, eine allseitige Einschätzung und Einordnung über eine Situation zu machen und tatsächlich Verantwortung zu übernehmen. Aber die Leser:innenschaft kennt eben nur das, was ihnen von „Stoppt Täter“ formuliert und ausgewählt zum Lesen vorgelegt wird.
Unsere Aufgaben als revolutionäre Bewegung
Im Bezug auf die Rolle von fortschrittlichen und revolutionären Organisationen wollen wir insbesondere zwei Punkte in den Vordergrund stellen.
Erstens sollte es allen fortschrittlichen und revolutionären Organisationen zu denken geben, dass aus Sicht von „Stoppt Täter!“ jeder noch so gravierende Bruch mit grundlegenden Prinzipien einer solidarischen Haltung im Angesicht von Repressionsbehörden im Namen angeblicher „Betroffenensolidarität“ gerechtfertigt werden kann. Es braucht nur wenig Fantasie, um sich vorzustellen, wie einfach Zersetzungsarbeit durch die staatlichen Behörden selbst wird, wenn dieses Beispiel Schule macht – auch wenn wir das im konkreten Fall explizit nicht unterstellen. Die Aufschlüsselung vermeintlicher Organisationszusammenhänge, der Versuch durch psychischen Druck und Drohungen Ausschlüsse zu erpressen, der Versuch, nach außen politisch zu isolieren und nach innen zu zersetzen, das Veröffentlichen von Falschinformationen und faktische Outings von vermeintlichen Mitgliedern politischer Organisationen. Nichts davon hat etwas zu tun mit dem Kampf gegen das Patriarchat und der Verfassungsschutz freut sich sicherlich sowohl über diese „Quelle“ vermeintlicher Informationen und vielmehr noch an ihrer zersetzenden Wirkung. Dass solch ein konterrevolutionäres Verhalten öffentlich größtenteils unwidersprochen bleibt zeigt, dass das manipulative Vorgehen von „Stoppt Täter“ wirkt, und das ist ein Problem.
Zweitens und abschließend möchten wir bekräftigen, dass der Aufbau von Strukturen gegen patriarchales Fehlverhalten und Gewalt eine notwendige Aufgabe der gesamten politischen Widerstandsbewegung ist. Wie auch in allen anderen politischen Fragen sollten wir den organisierten Austausch untereinander fördern, um von Prinzipien und Methoden anderer zu lernen. Antipatriarchale Arbeit entsteht nicht auf dem Papier, sondern in der Praxis. Sie wird entwickelt in der Arbeit von Menschen mit Menschen, die ihrerseits den Umgang damit lernen müssen, sich Wissen und Fähigkeiten aneignen müssen. Dabei passieren Fehler und werden immer Fehler passieren. Anstatt also zuzulassen, dass das reale gesellschaftliche Problem von patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt auf einzelne Organisationen zugespitzt wird, sollten wir den Anspruch haben, uns bei der politischen Auseinandersetzung mit diesem Thema zu unterstützen, Differenzen zu diskutieren, Fehler zu erkennen und diese zu korrigieren.
Stärken wir den kollektiven Kampf gegen patriarchale Gewalt – solidarisch, politisch und organisiert.



