Die Arbeit im Sozialismus

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In seinem Werk „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“, schreibt Friedrich Engels, die Arbeit sei „die erste Grundbedingung menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, dass wir in gewissem Sinne sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.“

Teil der Broschüre: Unsere Alternative Sozialismus!

Unter dem Begriff Arbeit verstehen wir, dass die Menschen ein besonderes Verhältnis miteinander und mit der Natur eingehen, um ihre Existenzgrundlagen zu produzieren. In jeder Gesellschaftsperiode verändert sich der Charakter der Arbeit entsprechend mit der herrschenden Produktionsweise. Seit Entstehung der Klassengesellschaft ist der sich verändernde Charakter der Arbeit stets geprägt worden von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Dies wird sich im Sozialismus grundlegend ändern.

Der Charakter der Arbeit im Sozialismus

Der Sozialismus ist die erste Gesellschaftsordnung seit dem Entstehen der Klassengesellschaft, in der es keine Ausbeutung des Menschen mehr durch den Menschen gibt. Auch wenn es zu Beginn und bis zum Übergang zum Kommunismus noch nach und nach verschwindende Klassen und entsprechende Klassenunterschiede gibt, so wandelt sich doch der Charakter der Arbeit im Sozialismus grundlegend.

Die Arbeit im Sozialismus ist im Gegensatz zur Arbeit im Kapitalismus eben keine Arbeit mehr, die sich privat angeeignet wird, sondern sie wird zu einer unmittelbar gesellschaftlichen Arbeit. Egal in welchem Teil der Wirtschaft gearbeitet, egal was produziert wird, es wird direkt zum Wohle, zum Nutzen und zum Verbrauch der gesamten Gesellschaft und nicht zur privaten Aneignung durch einige wenige Kapitalisten produziert. Aus dem kollektiven gesellschaftlichen Besitz der Produktionsmittel folgt eben auch der kollektive Verbrauch der erzeugten Produkte.

Mit dem Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen hört auch die Arbeitskraft auf eine Ware zu sein, da der Kapitalist sie sich nicht mehr als fremde Arbeit aneignen kann. Ein Teil des durch alle ArbeiterInnen geschaffenen Mehrprodukts bleibt jedoch auch im Sozialismus zum Aufbau der neuen Gesellschaft erhalten. Es wird jedoch nicht mehr für den unaufhaltsam wachsenden Profit und Reichtum eines Kapitalisten, sondern für die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft und damit für die ständige Ausweitung des Lebensstandards der Allgemeinheit gearbeitet.
Die Arbeit im Sozialismus wird zudem wissenschaftlich organisiert werden. So werden zum Beispiel zusammenhängende Arbeitsschritte nicht mehr künstlich auseinandergerissen und an andere ArbeiterInnen oder gar andere Betriebe ausgegliedert. Das wird eine große Fehlerquelle und Quelle für unnötige Mehrarbeit ausmerzen.

Die Arbeit im Kapitalismus ist für viele ArbeiterInnen eine große physische und psychische Belastung. Die Arbeit im Sozialismus wird so organisiert werden, dass sie die ArbeiterInnen nicht mehr in Massen krank macht. Nachtarbeit und schwere bzw. gefährliche Arbeiten werden auf das nötigste beschränkt werden. Gleichzeitig wird hier die Arbeit auf viel mehr Schultern verteilt und in besonders belastenden Arbeitsbereichen die täglichen und wöchentlichen Arbeitszeiten deutlich unter die gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeiten reduziert werden. Auch beim Thema Arbeitssicherheit werden sofort umfassende Maßnahmen getroffen, um die Zahl der Arbeitsunfälle unter allen Umständen so niedrig wie möglich zu halten. Im Kapitalismus führen fehlende Schutzmaßnahmen und die herrschende Arbeitshetze jährlich zu unzähligen getöteten und verletzten ArbeiterInnen.

Gleichzeitig garantiert der sozialistische Staat jedem Menschen eine Einkommenssicherung im Alter, bei Krankheit und sonstiger Arbeitsunfähigkeit. So wird den ArbeiterInnen ein massiver existenzieller Druck genommen, den sie heute spüren, da Alter, Krankheit und Arbeitsunfähigkeit im Kapitalismus oft Armut und Hunger bedeuten.

Arbeit als Recht und Pflicht

Im Gegensatz zum Kapitalismus, der sich zur Aufrechterhaltung seiner Gewaltherrschaft ein gigantisches Heer an Arbeitslosen, eine sogenannte industrielle Reservearmee, hält, wird es im Sozialismus keine Arbeitslosigkeit mehr geben. Die Arbeitslosigkeit als solches und erst recht die chronische Massenarbeitslosigkeit größerer Teile der ArbeiterInnenklasse, wie wir sie im Imperialismus kennen, werden im Sozialismus keine Existenzgrundlage mehr haben.

Die Arbeit wird zu einem für jeden Menschen garantierten Recht, welches in der Verfassung des sozialistischen Staates festgehalten und in der Realität umgesetzt wird. Gleichzeitig bedeutet dieses Recht ein garantiertes Mindesteinkommen, von dem man gut leben kann. Dazu gehört auch das Recht, den Beruf frei nach den eigenen Veranlagungen und Fähigkeiten, dem eigenen Bildungsstand in Verbindung mit den konkreten Bedürfnissen der sozialistischen Gesellschaft wählen zu dürfen. Alle künstlichen Hindernisse der freien Berufswahl und Ausübung des erlernten Berufs werden beseitigt werden. Gleichzeitig wird die im Kapitalismus oftmals vorherrschende lebenslange Bindung an einen Berufszweig aufgehoben. Allein die im Sozialismus dauerhaft schnelle Produktivkraftentwicklung wird eine kontinuierliche Weiterbildung und Erschließung immer neuer Berufsfelder notwendig machen. So wird es möglich werden, in einem Arbeitsleben auch sehr unterschiedliche Berufsfelder kennenzulernen und zu erlernen.

Die sozialistische Gesellschaft wird gleichzeitig nicht dulden, dass sich einzelne auf der Arbeit der Gesellschaft ausruhen und von ihrem Reichtum leben, ohne selbst etwas dazu beizutragen. Daher wird es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Arbeit im Sozialismus geben. Die Arbeit wird für alle arbeitsfähigen Teile der Gesellschaft zu einer allgemeinen Pflicht an der Gesellschaft. Dabei werden alle Menschen, die nicht arbeiten können, vor allem Kinder, ältere Menschen und Kranke durch die Gesellschaft selbstverständlich mitversorgt.

In der sozialistischen Gesellschaft wird sich die gesellschaftlich notwendige Arbeit, anders als im Kapitalismus, auf alle Schultern der Gesellschaft verteilen, dadurch werden wir alle viel weniger arbeiten müssen. Hinzu kommt, dass nicht nur die ehemaligen Millionäre und ihre Familien nun ebenfalls zur Arbeit herangezogen werden, sondern auch all ihre HausdienerInnen und andere Angestellten nun zum Wohle der Gemeinschaft arbeiten können. Dies gilt ebenso für die Abschaffung jeglicher unproduktiven Arbeit, in der heute Millionen Menschen beschäftigt sind. Dazu gehört etwa der gigantische imperialistische Beamtenapparat, die bürgerlichen Parlamentarier und ihr Angestelltenheer, die Lobbyisten, die gesamte Werbebranche und alle Menschen, die in den Branchen zur Befriedigung der scheinbaren Luxus-Bedürfnisse der Bourgeoisie beschäftigt sind.

Arbeit als Bedürfnis

Auch wenn die Ausbeutung der Arbeit durch den Aufbau des Sozialismus überwunden wird, so ist die Arbeit hier für viele noch nicht zu einem wirklichen Bedürfnis geworden, sondern bleibt weiter ein Mittel zum Leben und einzige Quelle zum Erwerb des Lebensunterhaltes.

Gleichzeitig hat jedoch, anders als im Kapitalismus, im Sozialismus jede/r einzelne ArbeiterIn ein unmittelbares Interesse an dem Erfolg der Arbeit, da sie ihr/ihm unmittelbar zugute kommt. Die Arbeit wird so immer mehr zu einem persönlichen Bedürfnis und erfüllt eine produktive gesellschaftliche Funktion.

Jede Steigerung der Produktivität und jeder Erfolg in der Entwicklung der Produktivkräfte ist ein direkter Erfolg der sozialistischen Gesellschaft und der einzelnen ArbeiterInnen. Durch die Vergrößerung und Verbesserung der Produktion wird sich der gesellschaftliche Reichtum und damit auch der persönliche Reichtum der ArbeiterInnen erhöhen.

Gleichzeitig gibt es im Sozialismus nach wie vor eine Verteilung der Güter, die an der individuellen Arbeitsleistung ansetzt. Hier wird es auch noch verschiedene Methoden der materiellen Anreize geben, um von Anfang an eine hohe Arbeitsdisziplin und Produktionsniveau im Sozialismus erreichen zu können (siehe mehr im Text zur sozialistischen Planwirtschaft). Ebenso streben wir natürlich eine Gesellschaft an, in der jeder Mensch nach seinen Fähigkeiten an der Schaffung des Reichtums der Gesellschaft mitwirkt und nach seinen Bedürfnissen an diesem Reichtum teil hat. Dies wird jedoch erst im Kommunismus vollständig möglich sein.

Doch bereits im Sozialismus werden sich gigantische Entwicklungsmöglichkeiten durch die Veränderung des Charakters der Arbeit und das Bewusstsein der ArbeiterInnen auftun. „Das Bewusstsein, dass die Arbeiter nicht für den Kapitalisten, sondern für ihren eigenen Staat, für die eigene Klasse arbeiten – dieses Bewusstsein ist eine gewaltige Triebkraft für die Entwicklung und für die Vervollkommnung unserer Industrie“2 so beschreibt Stalin das Bewusstsein der sowjetischen ArbeiterInnenklasse im Herbst 1927 gegenüber einer amerikanischen ArbeiterInnendelegation.

Mit dem sich verändernden Bewusstsein über den Charakter der Arbeit im Sozialismus und den ersten Ansätzen, dass diese Arbeit von einer zwingenden Notwendigkeit zu einem Bedürfnis wird, entwickelt sich auch die sozialistische Arbeitsmoral und Arbeitsdisziplin. Beide sind entscheidend für den weiteren sozialistischen Aufbau.

Sozialistischer Wettbewerb

Im Sozialismus wird die Arbeit nicht mehr unter dem kapitalistischen Zwang stattfinden. Die ArbeiterInnen werden nicht mehr dazu verdammt sein, willenlose Lohnsklaven zu sein. Vielmehr werden sie zu bewussten und aktiven Subjekten im gesamten Prozess der Produktion und Konsumtion.

Mit dem Bewusstsein, dass die Verbesserung, Weiterentwicklung und Ausdehnung der Produktion im Sozialismus nicht mehr den Reichtum der Kapitalisten mehrt und die eigene Armut reproduziert, sondern die eigenen Lebensbedingungen und die aller ArbeiterInnen unmittelbar verbessert, wird sich eine neue sozialistische Arbeitsmoral und Arbeitsdisziplin entwickeln.

Die ArbeiterInnen werden nicht mehr nur ihre Stunden abarbeiten oder versuchen stumpf ihre Verträge zu erfüllen, sondern werden bewusst an der Übererfüllung des Plans arbeiten. Denn nun haben sie erstmals ein eigenes Interesse an den von ihnen produzierten Produkten. Die Jahrhunderte anhaltende Entfremdung der ArbeiterInnen von der Arbeit, bei der sie Waren produzierten mit denen sie in keinem Eigentumsverhältnis standen, wird im Sozialismus aufgelöst.

Der sozialistische Wettbewerb ist ein zentrales Instrument zur Organisierung der bewussten Arbeit für die Höherentwicklung der sozialistischen Gesellschaft und Produktion, sowie die produktive Nutzung der persönlichen Initiative für die Entwicklung der Gesellschaft. Der Wettbewerb ist gleichzeitig eine wichtige Methode zur Entwicklung der kollektiven Masseninitiative im Sozialismus.

Der sozialistische Wettbewerb ist ein solidarischer Wettstreit um die Produktion, Motivation und das Bewusstsein allseitig qualitativ und quantitativ höher zu entwickeln. Er wird in den Abteilungen der Betriebe, in den Schulen und Forschungseinrichtungen, ja überall in der Gesellschaft organisiert. Das besondere an diesem Wettbewerb ist, dass es keine Verlierer gibt.

So wird zum Beispiel durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität einzelner Abteilungen, Betriebe etc. auch das allgemeine Lohnniveau der ArbeiterInnen nach und nach immer weiter steigen. Es profitieren somit alle ArbeiterInnen unmittelbar von diesem solidarischen Wettstreit zur Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft.

Der Wettbewerb richtet sich hier nicht auf Entwicklung von Konkurrenz, sondern auf die größtmögliche kollektive Ausweitung der organisatorischen und ökonomischen Erfolge. Ebenso wie auf die Vervollkommnung und Weiterentwicklung der Technik und Produktion. Durch die dauerhafte Verbesserung der Produktqualität, der Senkung von Kosten und Abfallprodukten wächst der gesellschaftliche Reichtum.

Dieser Wettbewerb verändert den Charakter der Arbeit nach und nach und vervollkommnet ihn in seiner sozialistischen und später kommunistischen Ausprägung. Parallel ändert er auch die Sicht der Menschen auf die Arbeit. Sie wird von einer täglichen Last zu einem Dienst an der Gesellschaft.

Dabei ist die Einheit und Zusammenarbeit zwischen Produktion, Forschung und Entwicklung und Konsumtion eine Besonderheit, die es so im Kapitalismus nicht geben kann, die ebenfalls massive Kräfte zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Produktion freisetzt.

In den sozialistischen Ländern setzten sich zur Organisierung des sozialistischen Wettbewerbs sogenannte „Brigade-Bewegungen“ durch. Hier standen die verschiedenen Abteilungen eines Betriebs in solidarischem Wettbewerb miteinander. Ihr gemeinsames Ziel war die Übererfüllung des Plans und die Verbesserung der Organisation der Arbeit. Die überwältigenden Ergebnisse dieser Bewegung zeigten das ungeheure Potential des Proletariats, welches sich entfaltet, wenn sich der Charakter der Arbeit und das entsprechende Bewusstsein dazu verändert.

Zusätzlich zum sozialistischen Wettbewerb gab es in der Sowjetunion zum Beispiel die sogenannte Subotnik-Bewegung. Von den Mitgliedern der Kommunistischen Partei und besonders klassenbewussten ArbeiterInnen angeführt, arbeiteten die TeilnehmerInnen dieser Bewegung zusätzlich zu ihrer normalen Arbeitswoche auch an den Samstagen – ohne dafür bezahlt zu werden. Die Bewegung entwickelte sich nach der sozialistischen Oktoberrevolution im Jahr 1919 massenhaft zum Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten russischen Wirtschaft, zur Industrialisierung des Landes und zum Aufbau einer neuen sozialistischen Gesellschaft. Die Teilnahme an den Subbotniks war freiwillig und drückte die besondere Verbundenheit der ArbeiterInnen mit dem aktiven Kampf für den Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft und einer ihr entsprechenden Wirtschaft aus.

Beseitigung der Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit

Eine weitere besondere Eigenschaft der Arbeit im Sozialismus ist die Überwindung der Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit. Mit der Entstehung des Privateigentums und der Klassengesellschaft hat sich auch in der gesellschaftlichen Arbeit eine klare Aufgabenteilung entwickelt. Die Arbeit hat sich in geistige und körperliche Arbeit gespalten, wobei seit Jahrtausenden die geistige Arbeit größtenteils ein Privileg der herrschenden Klassen und die körperliche Arbeit Aufgabe der unterdrückten Klassen ist. Heute drückt sich dieses Verhältnis in der Produktion meist konkret durch die Trennung in hauptsächlich leitenden oder ausführenden Tätigkeiten aus.

Im Sozialismus wird dieser gesellschaftliche Gegensatz nach und nach immer weiter aufgehoben. In dem Maße, in dem die sozialistische Gesellschaft sich auf alle Gebiete des Lebens und Arbeitens ausbreitet und gezielt aufgebaut wird, in dem Maße wird die gesellschaftliche Trennung von körperlicher und geistiger Arbeit zurück gedrängt werden.

Durch die gezielte Hebung des allgemeinen technischen und kulturellen Niveaus der gesamten Gesellschaft kommt es nach und nach zu einer Angleichung der technischen und geistigen Fähigkeiten zwischen ArbeiterInnen und der sozialistischen Intelligenz. Dies darf jedoch nicht als Automatismus verstanden werden, sondern ist eine bewusste gesellschaftliche Entwicklung, welche es zu erkämpfen gilt.

Die bisherige Trennung in geistige und körperliche Arbeit kann jedoch nur durch eine Revolutionierung aller Gebiete der Gesellschaft überwunden werden. Dazu zählt auch die Überwindung von einseitig körperlicher oder geistiger Ausbildung, sowie die Neuordnung von Arbeitsfeldern, des Arbeitstages und Ablaufes. Konkret wird dies etwa die Heranziehung von allen Teilen der Gesellschaft zur körperlichen Arbeit in der Produktion bedeuten. Gleichzeitig werden Entwicklung und Forschung nicht mehr von der Produktion abgeschottet, sondern in engster Verbindung zueinander durchgeführt.

Eine vollkommene Überwindung der Trennung zwischen geistiger und körperlicher Arbeit wird gesamtgesellschaftlich jedoch erst im Kommunismus erreicht sein. Nichtsdestotrotz wird auch die Einheit von körperlicher und geistiger Arbeit einen Gradmesser für die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft darstellen.

1 Marx/Engels, Werke Bd. 20, S. 444
2 J.W. Stalin, Werke Bd. 10, S. 104