Kommunistische Jugendmassenarbeit in der Krise

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Erklärung der Kommunistischen Jugend

Wir stehen am Beginn einer der schwersten Weltwirtschaftskrisen, die der Kapitalismus je gesehen hat. Auch die Jugend wird stark unter ihr leiden. Wie wir schon in unserem letzten Text „Krise heißt Kampf um unsere Zukunft“ festgehalten haben, werden wir die Generation sein, die für die Steuergeschenke an die Großkonzerne aufkommen muss, sofern wir uns nicht dagegen wehren.

Doch wie organisieren wir die Gegenwehr? Was sind unsere heutigen Aufgaben als junge KommunistInnen?

Noch ist die Krise nicht vollkommen durchgeschlagen. Die Aussetzung der Insolvenzpflicht für Unternehmen hat eine große Pleitewelle bisher hinausgezögert. Die Pleitewelle wird dabei ein Moment sein, an dem große Teile der ArbeiterInnenklasse die Krise zu spüren bekommen werden. Der deutsche Staat wird versuchen, sie soweit es geht hinauszuzögern und zu strecken. Schließlich ist es immer noch einfacher, mehrere kleine Feuer nacheinander zu löschen als ein großes auf einmal und damit große soziale Unruhen zu riskieren.

Dennoch gilt: Hunderttausende ArbeiterInnen werden ihre Jobs und Existenzen verlieren. Davon sind viele Jugendliche direkt oder auch indirekt (beispielsweise durch ihre Eltern) betroffen. Auch sie werden die kapitalistische Krise in all ihrer Härte zu spüren bekommen. Hier müssen wir anknüpfen, den Jugendlichen ihre Lage erklären und sie ermutigen, gemeinsam zu kämpfen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.
Bringt der deutsche Imperialismus die Krise nicht unter Kontrolle, ist es in Anbetracht ihrer miserablen Lage vielleicht ein Stück weit einfacher, proletarische Jugendliche für unsere Positionen zu begeistern und zu offeneren und radikaleren Kampfaktionen überzugehen. Doch auch, wenn er es nur zu kleineren Unruhen kommen lässt und diese unter Kontrolle bringt, werfen auch diese Fragen in den Massen auf, auf die wir die richtigen Antworten geben können und müssen.

Unsere Aufgaben als junge KommunistInnen

Als junge KommunistInnen sollte unser Ziel sein, an allen sich ergebenden Fronten des Kampfes aktiv zu sein und gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.
Die Erfahrungen der letzten Krisen – aber auch der letzten Wochen und Monate – zeigen, dass sich für uns viele, ganz verschiedene Möglichkeiten ergeben werden, die Herzen und Köpfe der proletarischen Jugend zu gewinnen.

Rassistische Polizeigewalt und Auseinandersetzungen mit der Polizei

Nicht nur die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Jugendlichen in Stuttgart und Frankfurt am Main zeigen: In der Jugend brodelt es. Wut und Frust stauen sich an. Viele Jugendliche sind nicht mehr bereit Polizeigewalt und Rassismus einfach so hinzunehmen. Gleichzeitig haben die Jugendlichen in Frankfurt am Main Parallelen zwischen dem faschistischen Terrornetzwerk innerhalb der hessischen Polizei und den PolizistInnen, denen sie tagtäglich auf der Straße begegnen, gezogen. Der ohnehin für viele alltägliche Ärger mit Personenkontrollen und Schikanen ist gerade durch Corona unerträglich geworden. Das Potential für Aufstände wächst.

Es ist an uns KommunistInnen, diese Potentiale in unseren Städten ausfindig zu machen. Wir müssen uns fragen: wo gibt es in unserer Stadt kleinere Auseinandersetzungen zwischen Jugend und Polizei? Denn genau dort müssen wir hin, um Kontakte zu knüpfen und den Kämpfen politischen Charakter zu geben.
Frankfurt und Stuttgart reihen sich ein in unzählige Fälle systematischer und rassistischer Polizeigewalt im ganzen Bundesgebiet. Viele migrantische Jugendliche nehmen die Polizei schon seit Langem als Feind wahr.

An fortschrittliche Tendenzen in den Jugendmassen müssen wir anknüpfen. Der instinktiven Ablehnung gegenüber der Polizei müssen wir mit einer Aufklärungsarbeit über ihre Geschichte, Funktion als Repressionsinstrument, Verbindungen zum Faschismus usw. begegnen.
Es darf nicht bei einfachen physischen Auseinandersetzungen um die Möglichkeit, draußen Partys zu feiern, bleiben. Der Hass vieler Jugendlicher gegen die Polizei muss in revolutionäres Potential umgewandelt werden.

Lage der arbeitenden Jugend

Junge ArbeiterInnen leiden besonders unter der Krise. Oft befinden sie sich ohnehin in atypischen, prekären Arbeitsverhältnissen. Durch Entlassungen z.B. in der Gastronomie und das Wegfallen vieler Ausbildungsplätze steigt die Jugendarbeitslosigkeit, was den Chefs wiederum mehr Freiraum gibt diejenigen Jugendlichen, die noch Arbeit haben, skrupelloser auszubeuten.
Schon jetzt ist dabei die Jugendarbeitslosigkeit gestiegen. Insbesondere in der Gastronomie verlieren viele Jugendliche Arbeitsplätze, die als Zuverdienst für sie notwendig sind. Ohne diesen ist ein würdevolles Leben oft nicht möglich. Fehlt das Geld aus einem Minijob, stehen sie oft vor Vereinzelung und Vereinsamung. Das müssen wir verhindern und aus ihrer Verzweiflung die Wut auf dieses System und den Willen es zu bekämpfen schaffen.

In dieser Krise waren es außerdem vor allem Studierende, die als erste ihre Jobs verloren haben, die sie wiederum für die Finanzierung ihres Studiums benötigen. Viele von ihnen sind wieder nach Hause gezogen.

Währenddessen wurden massiv Ausbildungsverträge für die beginnenden Ausbildungen zurückgezogen. Jeder vierte Handwerksbetrieb will in Zukunft überhaupt nicht mehr ausbilden. Wir müssen dafür sorgen, dass die Jugend Probleme wie die Unmöglichkeit ohne Zuverdienst zu studieren oder die allgemeine Perspektivlosigkeit wegen fehlender Ausbildungsstellen nicht einfach so hinnimmt und dass sie versteht, woher diese kommen.

Die Jugend ideologisch überzeugen!

Unsere bisherige Erfahrung zeigt: Sehr viele Menschen werden nicht aus persönlicher Betroffenheit KommunistInnen. Oft handelt es sich dabei um junge Menschen, die sich viel mit der Welt beschäftigen, Antworten auf ihre Fragen suchen und diese schließlich im Marxismus-Leninismus finden. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist diese Tendenz in der Jugend, unter anderem unter Studierenden, sehr ausgeprägt.
Denn wenn Bilder von Armut und Hunger um die Welt gehen, Börsencrashs und Massenentlassungen die Schlagzeilen bestimmen und die Regierung ein Rettungspaket nach dem anderen schnürt, drängen sich unweigerlich Fragen auf: Warum das Ganze? Woher kommt die Krise? Gibt es eine Alternative?

Marx‘ Kapital wird in Wirtschaftskrisen regelmäßig zum Bestseller. Und auch wir können diese Potentiale nutzen. Ganze Hörsäle lassen sich mit Vorträgen zur marxistischen politischen Ökonomie füllen. Es ist unsere Aufgabe, uns Wissen in diesem Bereich anzueignen und bereits Gelerntes aufzufrischen und zu vertiefen. Wir werden sehen, dass MitschülerInnen, KommilitonInnen und KollegInnen, die wir über Jahre als weitgehend unpolitisch erlebt haben, auf einmal verstehen wollen, wie die Welt funktioniert. Es ist unsere Aufgabe, ihnen die Antworten des Marxismus-Leninismus näher zu bringen und sie für den Sozialismus als einziger Alternative zu gewinnen.

Wenn wir unsere Arbeit gut machen und uns vor keiner Auseinandersetzung scheuen, werden wir aus dieser Krise gestärkt hervorgehen. Im Kampf gegen staatliche Repression, gegen Massenentlassungen und in der ideologischen Auseinandersetzung werden wir eine neue Generation von RevolutionärInnen heranziehen.
Machen wir uns also gemeinsam ans Werk!