Als junge Kommunist:innen ist es unsere Aufgabe, die proletarische Jugend für den Kommunismus zu gewinnen. Dafür müssen wir uns die politischen Entwicklungen und Widersprüche des Imperialismus anschauen, ihre Auswirkungen auf die Arbeiter:innenjugend analysieren und so Schlussfolgerungen für unsere Politik ziehen.
Die Entwicklung des imperialistischen Weltsystems
Die Welt hat sich verändert. Das System in dem wir leben, steuert immer direkter auf den nächsten Weltkrieg zu und alle imperialistischen Mächte versuchen sich in die bestmögliche Position dafür zu bringen. Das Ergebnis sind Milliardeninvestitionen ins Militär und die Kriegsindustrie, die Entflechtung internationaler Produktionsketten, verschärfter Wirtschaftskrieg, der Aufstieg reaktionärer und faschistischer Kräfte und zunehmend größere Angriffe auf die Arbeiter:innenklasse.
Die Macht der USA, die jahrzehntelang als imperialistischer Hegemon das Weltsystem dominierte, wird von ihrem chinesischen Rivalen immer offener in Frage gestellt. Die Versuche des US-Imperialismus diesen Wettlauf zu gewinnen, bestimmen dabei maßgeblich die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre und stellen schon jetzt die bekannte Weltordnung auf den Kopf.
Mit diesen Kriegsvorbereitungen geht auch ein internationaler Rechtsruck einher. International werden bürgerliche Staaten repressiver, dulden immer weniger Widerstand gegen ihre Pläne und die faschistische Bewegung erlebt einen Aufwind. In vielen Ländern sind ultrarechte und faschistische Kräfte an der Macht wie in den USA, Ungarn oder Argentinien, um Zustimmung zu ihrem politischen Kurs der verschärften Ausbeutung mit Gewalt herzustellen und ihre Interessen mit immer härteren Mitteln durchzusetzen.
In den letzten Jahren formierte sich aber auch vermehrt Widerstand gegen die Politik der Kapitalist:innen, die sich in verschärfter Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg äußert. In der Palästina-Solidaritätsbewegung, der Klimabewegung aber auch in verschiedenen Massenprotesten, Aufständen bis hin zu Regierungsstürzen hat die Jugend immer wieder eine besonders vorantreibende Rolle eingenommen und hat sich in diesen Bewegungen millionenfach politisiert.
Diese spontanen Bewegungen entstanden und entstehen aus der verschärften Weltlage und werden sich auch in Zukunft immer mehr häufen. Dieser Protest spitzt sich gerade in Regionen und Ländern zu, die durch die Imperialisten besonders stark ausgebeutet werden, wie zum Beispiel in Serbien, Indonesien, Nepal oder Bangladesch zu sehen war.
Die Lage des deutschen Imperialismus und der Arbeiter:innenjugend
Auch an Deutschland ziehen diese Entwicklungen nicht einfach vorbei. Der deutsche Imperialismus muss sich in der aktuellen Situation zurecht finden und hat besondere Probleme dabei. Die Konflikte zwischen der BRD und anderen Ländern, aber auch Konflikte zwischen anderen Ländern unter sich, verschlechtern die eigenen Exportprofite: Internationale Produktionsketten werden umstrukturiert und unterbrochen, aggressive Zollpolitik als wirtschaftliches Druckmittel eingesetzt und politische Bündnisse in Frage gestellt. All das macht es für den deutschen Imperialismus immer schwieriger, billig und viel zu exportieren. Sein jahrelanges Erfolgsmodell zwischen den verschiedenen Imperialisten zu taktieren und gute wirtschaftliche und politische Beziehungen zu ihnen aufzubauen, um sich zu einer massiven Exportmacht zu entwickeln, fällt ihm mit der sich zuspitzenden internationalen Lage zunehmend auf die Füße.
Durch dieses wirtschaftliche Schwächeln droht dem deutschen Imperialismus ein Abstieg in der Konkurrenz zu anderen imperialistischen Mächten. Zentrale Standbeine der deutschen Wirtschaft wie die Chemie-, Auto- und Schwerindustrie stecken in der Krise und seine eigenen Weltmonopole wie VW oder ThyssenKrupp schaffen es nicht, mit dem technologischen Fortschritt weltweit mitzuhalten.
Der deutsche Imperialismus setzt dabei alles daran, seine Position im imperialistischen Weltsystem beizubehalten und stellt sogar die Weichen, um sie bei der Neuordnung der Welt weiter auszubauen.
Dafür hat er in den letzten vier Jahren eine historische Aufrüstungsoffensive gestartet. Neben hunderten Milliarden für den Ausbau seiner militärischen Fähigkeiten möchte der deutsche Imperialismus vor allem die eigene Bevölkerung wieder an den Gedanken eines Krieges mit deutscher Beteiligung gewöhnen und den Großteil der Menschen hinter den eigenen Aufrüstungskurs versammeln. Besonders die Arbeiter:innenjugend steht im Kreuzfeuer dieser Propaganda und soll davon überzeugt werden, ihre Zukunft und Dienste in die Hände der deutschen Kriegstreiber zu legen. Konkrete Schritte hin zur Wiedereinführung der Wehrpflicht sollen dabei der Kriegsmaschinerie auch genügend Kanonenfutter bereitstellen.
Um diese Angriffe auf die Arbeiter:innenklasse und Arbeiter:innenjugend durchführen zu können, setzt der deutsche Staat zunehmend auf direkte Repression und weniger auf Integration von politischen Bewegungen und Kämpfen. Diese Notwendigkeit treibt alle bürgerlichen Parteien weiter nach rechts und stärkt die faschistische Bewegung. Die Art und Weise wie die Herrschenden ihre Angriffe auf unsere Klasse durchführen, verändert sich langsam – weg von langatmig vorbereiteten Angriffen hin zu größeren, direkteren Einschnitten in unseren Lebensstandard.
Die Wirtschaftskrise und die Kosten für die Aufrüstung und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft laden die Unternehmen und der deutsche Staat dabei auf uns Arbeiter:innen ab. Stellenabbau, Streichung von Sozialleistungen und Kürzungen gehören heute wieder zum guten Ton in der Kapitalist:innenpolitik.
Während die Herrschenden damit den Gürtel für unsere gesamte Klasse spürbar enger schnallen und der kleinere Geldbeutel der Eltern auch weniger finanzielle Freiheit für uns Jugendliche bedeutet, bekommen auch wir die Angriffe sehr direkt selbst zu spüren: Schließende Jugendclubs, gestrichene Kulturangebote, Kürzungen im Jugendbereich. Gar ganze Studiengänge werden eingestampft oder müssen mit anderen zusammengelegt werden, um die Einsparungen im Bildungswesen stemmen zu können.
Die Wirtschaftskrise veranlasst deutsche Monopole dazu zehntausende Arbeitsplätze über die nächsten Jahre zu streichen. Viele Unternehmen reduzieren in diesem Zuge auch ihre Ausbildungsplätze, was den Konkurrenzkampf um die begehrten Ausbildungsplätze nur weiter verschärft. Gleichzeitig suchen Unternehmen nach immer höher qualifizierten Fachkräften und die beruflichen Qualifikationen und Voraussetzungen, um zukünftig einen Job zu bekommen, wachsen immer weiter an während sich die Arbeitsbedingungen zunehmend verschlechtern.
Viele andere Angriffe mögen uns Jugendlichen zwar noch fern wirken, werden aber schnell auch zu unserer Realität werden: Die faktische Abschaffung des 8-Stunden-Tages durch die Einführung einer maximalen Wochenarbeitszeit, die Ersetzung des Bürgergeldes durch eine Grundsicherung mit härteren Sanktionsmöglichkeiten oder die Diskussionen rund um die Erhöhung des Renteneintrittsalters zeichnen eine düstere Zukunft.
Im Klassenkampf voran
Die Entwicklung des imperialistischen Weltsystems und die konkreten Angriffe durch die Herrschenden nehmen uns Jugendlichen zunehmend die Perspektive auf eine lebenswerte Zukunft. Während die Jugend in anderen Ländern mit Aufständen bis hin zu Regierungsstürzen auf diese Situation geantwortet hat, können wir in Deutschland diese Dynamik noch nicht beobachten.
Die Zuspitzung der Weltlage führt aber auch der Jugend im Herz der Bestie immer offener vor Augen, dass sie innerhalb dieses Systems keine Perspektive erwarten kann. Die Gedanken unserer Klassengeschwister werden immer mehr durch Sorgen über ihre Zukunft geprägt. Dadurch begeben sich viele von ihnen auf die Suche nach einer Alternative.
Die palästinasolidarische Bewegung, in denen Studierende eine tragende Rolle spielen aber auch die Großproteste von Schüler:innen gegen die Einführung des Wehrdienstgesetzes zeigen die Wut und das Potential, das in der Jugend schlummert. Diese ersten Funken einer kämpferischen Jugendbewegung müssen wir einfangen und zu einer lodernden Flamme der Revolution werden lassen. Proteste die sich heute noch gegen einzelne Symptome des Imperialismus richten, müssen wir in Klassenkämpfe verwandeln, die sich mit einer klaren Antwort gegen das gesamte System erheben: dem Kampf für den Sozialismus.
Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Jugend durch Krisen und Ungerechtigkeiten des imperialistischen Weltsystems wachgerüttelt und in die Arme des Widerstandes getrieben wird. Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, innerhalb der Arbeiter:innenjugend die Frage aufzuwerfen, in welchem System sie leben und ihre Zukunft verbringen will. Dort, wo die Jugend aktiv wird, müssen wir ansetzen, ihr Bewusstsein zu einem Klassenbewusstsein formen und sie langfristig in den Reihen des Kommunismus organisieren.
Unsere Aufgabe besteht darin, unsere jungen Klassengeschwister davon zu überzeugen, ihr gesamtes Vertrauen und Überzeugung in den Kampf für den Sozialismus als einzige Alternative zum kapitalistisch-patriarchalen System zu legen und mit dieser klaren Perspektive zum Anziehungspunkt für die proletarische Jugend in diesem Land zu werden.
Dafür werden wir in den nächsten Jahren lernen müssen, das Feuer der Jugend zu entfachen und dieses Potential konsequent im Kampf gegen den deutschen Imperialismus und seine Interessen zu richten. Wir wollen für die Arbeiter:innenjugend in Deutschland immer mehr zu dem Werkzeug werden, das sie so dringend braucht, um für eine eigene, selbstbestimmte Zukunft im Sozialismus zu kämpfen. Werden wir also dazu!


