Der Unmut und die Unzufriedenheit der französischen Jugend gegen eine jahrelange Politik der Vernachlässigung versetzt Frankreich und die internationale Gemeinschaft in Aufruhr. Asbest befallene Schulen, im Winter unterkühlte und im Sommer überhitze Klassenzimmer, überfüllte Klassen, fast zehnstündige Schultage, ein Mangel an fähigem Lehrpersonal und die systematische Kürzungspolitik insbesondere staatlicher Schulen, auf die vor allem ärmere Teile der Bevölkerung angewiesen sind: Darauf ist die Jugend wütend und das zurecht.
Ihre Antwort? 2.000 Schulen und 90% der Universitäten bestreikt oder blockiert, Rauchwolken über den Großstädten Frankreichs und Hunderttausende auf der Straße. Auch im benachbarten Belgien kam es zu Schulblockaden, um Kürzungen im Bildungswesen zu verhindern. Was an einigen dutzenden Schulen begonnen hat, hat sich schnell zu einer Protestbewegung entwickelt, in der Schüler:innen, Studierende und Arbeiter:innen der Repression zu Trotz ihre Wut gegen die herrschende Politik gebündelt auf die Straße bringen. Denn auch der französische Imperialismus kürzt an allen Ecken und Enden und wälzt die Lasten der eigenen Kriegsvorbereitungen auf dem Rücken der Arbeiter:innen ab.
Der französische Staat nutzt deswegen auch verschiedene Mittel, um die Proteste einzudämmen, zu delegitimieren oder schlicht zu brechen. Medien und Politik hetzen gegen die „Linksextremisten“ im Parlament, die angeblich für die Ausbrüche der Aufstände verantwortlich seien. Währenddessen geht die französische Polizei mit äußerster Brutalität gegen die Proteste vor: Tränengas, Gummigeschosse, über 6.500 Festgenommene. Einem Jugendlichen wurde durch eine Polizeigranate sogar die Hand weggesprengt, einem anderen droht der Verlust des Augenlichts durch den Schuss eines Gummigeschosses ins Gesicht und ein weiterer wird nach einer OP seines Kiefers wahrscheinlich nicht mehr sprechen können.
Von der Jugend in Frankreich lernen
Während eine der größten Sorgen Jugendlicher hier in Deutschland die Auswirkungen von Krisen, Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten auf ihre Zukunft sind, schafft es weder die Jugend von sich aus noch wir als junge Kommunist:innen diese berechtigten Sorgen in eine größere Bereitschaft umzuwandeln, um gegen die Angriffe von oben und das System, was diese herbeiführt, anzukämpfen. Die Jugend in Frankreich zeigt uns aber, dass das keine Naturgegebenheit sein muss und die Jugend sich sehr wohl gegen sozialen Kahlschlag wehren und für ihre unmittelbaren Lern- und Lebensverhältnisse organisieren und kämpfen kann.
Auch zeigen die Proteste, wie es durchaus möglich sein kann, die Kämpfe verschiedener Teile unserer Klasse miteinander zu verbinden. So haben sich im Laufe der Bewegung neben Studierenden auch Arbeiter:innen den Schüler:innenprotesten angeschlossen. Wie bereits vergangenen Dienstag werden sie auch am kommenden Samstag zum ausgerufenen Aktionstag gegen steigende Preise und Inflation erneut zusammen kommen: Schüler:innen, Gewerkschaften, Studierende und Arbeiter:innen gegen Sozialkürzungen, steigende Preise, eine Politik von und für die Reichen und einen Aufrüstungskurs, der uns den Boden unter den Füßen wegreißt. Auch hier in Deutschland haben wir mit den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, verschiedenen Antikriegs-Haltungen in der Bevölkerung und den massiven Angriffen der Merz-Regierung auf unseren Lebensstandard Anknüpfungspunkte, um verschiedene Teile der Klasse zusammen zu bringen.
Auch zeigen uns die Streiks an den französischen Schulen die Grenzen der heutigen Schulstreikbewegung in Deutschland auf und ermöglichen zugleich, unseren Horizont zu erweitern. Sie zeigen, dass wir Schüler:innen zu mehr in der Lage sind, als nur große Streikdemos auf die Beine zu stellen. Wenn wir wollen, sind wir in der Lage, ganze Schulen, Städte und Länder in Aufruhr zu versetzen und uns Gehör zu verschaffen, wenn es uns nicht gegeben wird. Dann können wir real Druck auf die herrschende Politik ausüben und den bürgerlichen Staat auch in der direkten Konfrontation herausfordern.
Ihr Kampf ist unser Kampf – tragen wir ihn an die Schulen, Unis und auf die Straßen Deutschlands!
Ein kaputtgespartes Bildungswesen, überforderte Lehrkräfte und katastrophale Lernbedingungen sind auch schon seit Langem die Realität tausender Jugendlicher hierzulande. Der durch die Merz-Regierung angeführte und sich bereits im vollen Gange befindende Sozialabbau im Pflege- und Gesundheitswesen, im Bildungsbereich und bei der Jugend, bei der Rente und dem Arbeitsrecht und die Investition von hunderten Milliarden für die deutsche Kriegstüchtigkeit verschärfen die Situation nochmal um einiges. Geheime Papiere, die Streichungen im Jugend- und Behindertenbereich in Milliardenhöhe vorsehen oder das Einstampfen ganzer Studiengänge und Millionenkürzungen für Unis gehören mittlerweile zum guten Ton.
Ob in Frankreich, in Deutschland oder anderswo: Die Jugend wird niemals eine Perspektive haben, solange sie nicht die Ketten dieses kapitalistischen Systems zerbricht. Die weltweiten Aufrüstungskurse, die Sparpolitik zur Finanzierung der Kriegstreiberei und die Versuche in zahlreichen europäischen Ländern die Wehrpflicht wieder einzuführen sind alles Auswüchse eines Systems, dass von Kapitalist:innen, Banken und Unternehmen geführt wird und auch nur diesen Vorteile bringt.
Wenn die Jugend in Frankreich also ihre Schulen verbarrikadiert, ihre Unis besetzt und auf die Straße strömt, dann tun sie das aus den selben Gründen, wie wenn wir hier unsere Schulen bestreiken.
Lernen wir von den Kämpfen der Jugend in Frankreich und tragen wir ihre Wut auch in unsere Schulen, unsere Unis und auf unsere Straßen hierzulande! Gehen wir gemeinsam mit der französischen Jugend am 17. Oktober auf die Straße und machen deutlich, dass der Kampf der französischen Jugend auch unser Kampf ist – gegen Sozialkürzungen, Bonzenpolitik und Aufrüstung!




