Unsere Auswertung zum „Rheinmetall entwaffnen“-Camp in Köln

Anfang September fand zum sechsten Mal das „Rheinmetall Entwaffnen“-Camp statt. Zum zweiten Mal in Folge hatte es sich die Aufgabe gesetzt, den Kampf gegen die Kriegstreiber:innen in Köln auf die Straßen zu tragen. Auch wir vom Kommunistischen Aufbau und der Kommunistischen Jugend haben uns am Camp und an den Aktionstagen beteiligt, die wir als wichtigen Beitrag zum antimilitaristischen Kampf in Deutschland betrachten.

Die Aktionen rund um das Camp waren vielseitig: Von zahlreichen Workshops und Vorträgen auf dem Camp über das Verteilen von Flyern im Stadtteil, an Betrieben, vor Universitäten und an Schulen bis hin zu Blockaden und Angriffen auf Akteur:innen der Militarisierung.

Mit der Klasse – Für die Klasse

In den Wochen vor dem Camp und vor allem während des Camps selbst haben wir uns auf verschiedene Arten direkt an unsere Klasse gewandt, um für den Kampf gegen Kriegstreiberei und Sozialabbau zu werben und zum „Rheinmetall Entwaffnen“-Camp und den Aktionen einzuladen. Mit Plakaten, Stickern und Parolen an den Wänden haben wir dazu beigetragen, das Kölner Stadtbild antimilitaristisch und sozialistisch zu prägen. Mit einem ausführlichen Flyer (Wie bekämpfen wir Kriege? – Verlinken!), laminierten Plakaten, einer Wandzeitung, einer Ausstellung und Kundgebungen haben wir inhaltlich Position bezogen und unsere Klasse auf verschiedenen Ebenen direkt angesprochen.

Donnerstag: Blockade der Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich

Als Beitrag zu den „Rheinmetall Entwaffnen“-Aktionstagen haben wir am Donnerstagmorgen gemeinsam mit anderen kommunistischen Organisationen eine Blockade der Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich organisiert. Neben dem „normalen” Kasernenbetrieb haben wir damit auch einen wichtigen Standort des Personalmanagements der Bundeswehr blockiert und dafür gesorgt, dass die dort ansässigen zivilen Mitarbeiter:innen in den Urlaub geschickt wurden.

Mit der Blockade konnten wir zeigen, dass auch 2026 größere Blockaden von militärischer Infrastruktur erfolgreich sein können, wenn sie sorgsam organisiert sind – trotz hochgerüstetem Polizeiapparat. Auch schlossen sich dieser Blockade über eine halb-öffentlich organisierte Anreise vom Camp noch weitere Personen an. Parallel zur Blockade haben wir im angrenzenden Stadtteil Köln-Longerich Flyer verteilt, in denen wir über die Blockade berichteten und die Anwohner:innen dazu einluden, sich diese anzuschauen. Dabei haben wir in den Straßen und Häuserblocks rund um die Kaserne viel Zuspruch für die Blockade erfahren.

Während der Aktion bewies sich insbesondere der Kampfgeist der Blockierenden. Parolen rufend, singend und untereinander eingehakt haben die Aktivist:innen es der Polizei schwer gemacht, die Blockade zu räumen, und ein gemeinsames Kampfgefühl geschaffen.

Dass die Blockade dem Staat ein Dorn im Auge war, zeigte sich spätestens an der massiven Gewalt, die die Polizei beim Räumen der Blockade anwandte. Neben Schlägen, Tritten und Schmerzgriffen kam es in einigen Fällen zu geschlechtsspezifischer und sexualisierter Polizeigewalt. Durch gezieltes Würgen, Anfassen im Intimbereich sowie sexualisierte und rassistische Erniedrigungen haben die eingesetzten Polizeieinheiten versucht, uns zu brechen und von unserem Kampf abzuhalten.

Doch wie schon im letzten Jahr erreichten sie dieses Ziel nicht. Durch den Zusammenhalt im Kessel, die hohe Moral der Blockierenden und die Solidarität von zwei Kundgebungen von außen konnten wir ihre Strategie der Vereinzelung durchbrechen.

Noch am Donnerstagabend haben wir mit einer spontanen Kundgebung und anschließenden Demonstration auf die Repression geantwortet. In Köln-Ehrenfeld, in der Nähe des Camps, haben wir Passant:innen über die Blockade und die Repression der Polizei informiert und unseren Kampf gegen den deutschen Imperialismus auf die Straßen getragen. Insbesondere die von Frauen und trans Personen angeführte Spontandemonstration zurück zum Camp bildete einen kämpferischen Tagesabschluss.

Samstag: Großdemonstration, Kessel und Spontandemos

An der Großdemonstration am Samstag der Aktionswoche nahmen wir zusammen mit anderen revolutionären Kräften als Internationalistischer Block teil. Bereits auf dem Weg zum Startpunkt der Demonstration am Kölner Hauptbahnhof hielt die Polizei Teile unseres Blocks an und kesselte mehrere Teilnehmende kurzzeitig ein.

Trotz dieses Einschüchterungsversuchs setzte sich der Demozug mit mehreren Tausend Demonstrierenden nach einer kurzen Anfangskundgebung kämpferisch in Bewegung. Bereits nach wenigen hundert Metern entschied sich die sichtlich überforderte Polizei, die Demo anzugreifen und revolutionäre Kräfte einzukesseln. Über mehrere Stunden wurde so erst eine größere, später eine kleinere Gruppe von ca. 200 Demonstrierenden festgehalten und am Weiterlaufen gehindert. Sowohl von außen als auch von innen versuchten die eingeschlossenen Demonstrierenden zeitweise, den Kessel aufzubrechen, was jedoch durch äußersten Gewalteinsatz der Polizei verhindert wurde. Durch die Angriffe der Polizei kam es zu zahlreichen Verletzungen unter den Demonstrierenden, teilweise mussten Menschen ins Krankenhaus transportiert werden.

Im Kessel selbst waren es vor allem kommunistische Jugendliche, die den Kampfgeist hochhielten und mehrere Stunden lang Parolen riefen und Lieder sangen. In den Seitenstraßen und entlang der zwischenzeitlich von den Bullen aufgebauten Station zur Feststellung der Identität aller Eingekesselten kam es in den darauf folgenden Stunden zu spontanen Solidaritätsbekundungen, Kundgebungen und Versammlungen. Von dort aus wurde mit anhaltenden Parolenrufen, Redebeiträgen und Gesang die Moral der Eingeschlossenen hochgehalten. Parallel dazu kam es in der Südstadt zu einer größeren Spontandemonstration revolutionärer Kräfte.

Nach mehreren Stunden, in denen die Solidarität rund um den Kessel in der Innenstadt nicht abklang, sondern vielmehr noch verstärkt wurde, entließ die Polizei die Eingeschlossenen schließlich bis auf wenige Ausnahmen ohne weitere Kontrollen. Festgehalten werden kann, dass die Polizei bei weitem nicht alles, wozu sie technisch und praktisch in der Lage ist, politisch rechtfertigen und durchsetzen konnte.

Genau diesen Rückzug der Repressionsbehörden nutzten wir und andere revolutionäre Kräfte, um vom Ort der Einkesselung aus eine spontane Demonstration mit mehreren hundert Menschen zurück zum Camp zu organisieren. Rund acht Stunden nach Beginn der Demonstration konnten wir diese entlang der ursprünglich angemeldeten Route kämpferisch und unter dem Applaus vieler Passant:innen beenden. Unter anderem am Hohenzollerndamm und auf der Venloer Straße stimmten auch Cafégäste in unsere Parolen ein.

Einige Lehren aus RME 2026

Die Klasse ist gegen den Krieg

Ob am Camp, auf Kundgebungen in der Innenstadt, beim Flyern im Stadtteil, vor Betrieben, während der Blockadeaktion, auf der Antirepressionskundgebung am Donnerstag oder am Rande der Großdemonstration am Samstag – wir haben überall den Kontakt zu unserer Klasse gesucht. Wir konnten in zahlreichen Gesprächen erleben, dass die Mehrheit der Arbeiter:innenklasse nicht hinter dem Kriegskurs der Regierenden steht. Unsere Erfahrungen der letzten Wochen, vor allem aber der Camptage selbst, zeigen: Nicht nur viele Jugendliche, sondern breite Teile unserer Klasse sind offen für antimilitaristische und kommunistische Inhalte – wenn wir uns die Mühe machen, sie ihnen zu vermitteln.

Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass die Arbeit in unserer Klasse und die Teilnahme an Aktionscamps, wie denen von „Rheinmetall Entwaffnen”, nicht im Widerspruch zueinander stehen. Während solcher Aktionscamps können wir unsere Kräfte bündeln und in kurzer Zeit besonders intensiv und breit arbeiten. Wir profitieren dabei vom breiten Interesse und der medialen Öffentlichkeit, die die Aktionen über die Woche hinweg geschaffen haben. Diese Arbeit ersetzt natürlich nicht die langfristige Arbeit im Stadtteil, an den Schulen und Universitäten, in den Betrieben und an allen Orten, an denen unsere Klasse lebt und arbeitet. Sie kann diese Arbeit jedoch befeuern und uns als Kommunist:innen und als ganze Klasse Motivation und Antrieb für den täglichen Kampf liefern.

Repression hält uns nicht auf

Trotz einer groß angelegten Kriminalisierungskampagne im letzten Jahr und anhaltender Repression gegen Aktivist:innen aus dem antimilitaristischen Spektrum ist es dem deutschen Staat in den letzten Monaten weder gelungen, den Kampfgeist der antimilitaristischen Bewegung noch den Zuspruch aus der Bevölkerung zu brechen.

Auch in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass ein zentrales Element des Widerstands gegen die Repression die eigene Moral und die Überzeugung von der Legitimität des Kampfes gegen Kriegstreiberei und Sozialabbau mit allen Mitteln sind. Die gegenseitige Solidarität über Organisationsgrenzen und Spektren hinweg hat diesen Widerstand zusätzlich befeuert.

Auch wenn wir als Kommunist:innen und die antimilitaristische Bewegung insgesamt bei weitem noch lange nicht die Schlagkraft haben, um dem deutschen Staat gegenüber tatsächlich unsere Positionen durchzusetzen, boten sich während der Aktionswoche immer wieder Gelegenheiten, in denen der Staat und die Polizei aus politischen Gründen Lücken ließen. Als Kommunist:innen haben wir es dieses Jahr mehr als zuvor geschafft, zum richtigen Zeitpunkt entschlossen in diese Lücken vorzustoßen.

Aktionen gegen die Kriegstreiberei sind nötig und möglich

Im unmittelbaren oder mittelbaren Zusammenhang mit dem Camp der „Rheinmetall entwaffnen“-Kampagne fanden auch in diesem Jahr zahlreiche und vielfältige Aktionen statt, die auch die enorme polizeiliche Drohkulisse nicht verhindern konnte. Dabei wurden von Kriegen profitierende Unternehmen zum Beispiel aus der Rüstungsindustrie bei nächtlichen Angriffen symbolisch als Kriegstreiber markiert oder durch Sabotageaktionen materiell direkt geschädigt, teilweise auch in anderen Regionen des Landes. Ebenso konnte die Massenblockade der Lüttich-Kaserne und andere grenzüberschreitende Aktionen wie Materialblockaden am Freitag Sand ins Getriebe der Kriegsmaschinerie streuen.

Ohne Zweifel ist es eine Stärke der antimilitaristischen Bewegung in Deutschland, das sie in ihrer Gesamtheit ein so breites Spektrum von Aktionsformen anwendet, wie wir es in der ersten Septemberwoche erlebt haben. Darauf können wir aufbauen. Zugleich zeigte sich zumindest in der Aktionswoche eine Tendenz dazu, dass die gemeinsame Schnittmenge im Bezug auf eben diese Aktionsformen dünner wird. So bildeten neben dem Camp die Großdemonstration am Samstag und die Demonstration am 1. September selbst die einzigen großen gemeinsamen Aktionen, die von einem Großteil der Campteilnehmer:innen gemeinsam getragen wurde. Und selbst die Großdemonstration bei Abschluss der Aktionswoche zerfiel aufgrund der Polizeirepression faktisch nach wenigen hundert Metern auf der Demonstrationsroute in verschiedene Aktionskomplexe.

Insgesamt ziehen wir dennoch ein positives Fazit der „Rheinmetall Entwaffnen“-Tage. Sowohl unsere Organisation als auch die antimilitaristische Bewegung als Ganzes sind an den Herausforderungen gewachsen. Sei es in den Stunden des Widerstands im Kessel, bei diversen Aktionen auf der Straße oder in der Logistik, die hinter einem großen Camp steckt. Viele Genoss:innen sind in den Tagen über sich hinausgewachsen und konnten wertvolle Erfahrungen sammeln.

Gedanken zur Weiterentwicklung des antimilitaristischen Kampfes

Der Ursprungsgedanke und die große inhaltliche Stärke der „Rheinmetall entwaffnen“-Kampagne ist aus unserer Sicht den Kampf gegen Militarismus und Aufrüstung direkt mit dem Kampf gegen die direktesten kapitalistischen Profiteure von Kriegen und Kriegsvorbereitung hier zu verbinden. Wollen wir als antimilitaristische Bewegung an diese positive Tradition anknüpfen, müssen wir zugleich berücksichtigen, welche Veränderungen sich in der gesellschaftlichen Stimmung und der sozialen Realität in Deutschland ergeben.

Nicht nur für „Rheinmetall entwaffnen“ im Besonderen, sondern ebenso für uns als Kommunist:innen und die antimilitaristische Bewegung sehen wir es aktuell als besondere Herausforderung, nicht bloß dabei stehen zu bleiben traditionelle Aktionsformen aufzugreifen und fortzuführen, sondern sie unserer sich verändernden Realität entsprechend anzupassen.

Die fortschreitende Militarisierung sowie massiv anwachsenden Kapitalanlagen in der Rüstungsindustrie bieten uns dabei zahlreiche Anknüpfungspunkte – beispielsweise in Form von neuen Standorten der Rüstungsindustrie im Bau- oder Planungsstadium oder immer häufiger werdenden militärischen Übungen und Manövern im Inland.

Dabei sollte es unser Anspruch sein, die antimilitaristische Arbeit so zu gestalten, dass es uns im wachsenden Maße gelingt, Teile der Bevölkerung zu aktivieren und zu politisieren, die bisher kein Teil unserer Bewegung sind. Um ihn zu realisieren müssen wir einen solchen Anspruch sowohl in kreative Diskussionen über unsere Aktionsformen als auch über die Anlässe für unsere bundesweiten Aktionen übersetzen.

Hieraus ergeben sich für uns Fragen wie die folgenden: Wie kann es gelingen, die bundesweite Mobilisierung für einen konzentrierten Aktionszeitraum mit einer längerfristig angelegten Arbeit mit der Bevölkerung zum Beispiel im direkten Umkreis eines im Bau befindlichen Rüstungsstandorts zu verbinden? Wie lassen sich Aktionsformen wie die Massenblockade vor der Kaserne in Köln so weiterentwickeln, dass Anwohner:innen im Umfeld nicht nur lauthals ihre Sympathie kundtun, sondern selbst zum aktiven Teil der Aktion werden?

Mit der Anfang September in Köln aus den gemeinsamen Aktionen auf der Straße gezogenen Kraft und Motivation wollen wir den Kampf gegen Aufrüstung und Militarisierung in den nächsten Monaten in den verschiedensten Regionen Deutschlands fortführen und vertiefen. Stets mit dem Gedanken diesen Kampf bei den nächsten Aktionen von „Rheinmetall Entwaffnen“ oder anderen Gelegenheiten wieder zusammenzuführen.

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