Sozialistische Planwirtschaft

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Planwirtschaft und sozialistische Demokratie sind eng miteinander verbunden. Das Eine ist vom Anderen nicht trennbar. Einem politischen System, das den Willen und die Interessen der absoluten Mehrheit der Bevölkerung zum Ausdruck bringt, kann nur ein Wirtschaftssystem entsprechen, das ihren Interessen dient. Ein solches Wirtschaftssystem wiederum muss auf gesellschaftlicher Planung basieren und um dauerhaft zu funktionieren, müssen alle Menschen an der Planung mitwirken.

Teil der Broschüre: Unsere Alternative Sozialismus!

In diesem Text werden wir darlegen was die kommunistische Planwirtschaft von der kapitalistischen Marktwirtschaft unterscheidet. Wir werden erläutern, wie Planung, Produktion und Verteilung im Sozialismus organisiert werden. Sowie die Frage behandeln, ob Menschen ohne kapitalistische Anreize zu Anstrengungen bereit sind und schlussendlich klären, dass Planwirtschaft nicht Mangelwirtschaft bedeutet.

Marktwirtschaft und Planwirtschaft

Die Wirtschaftstheoretiker des Kapitalismus sprechen seit jeher von der „unsichtbaren Hand des Marktes“, die die Produktion und Verteilung im Kapitalismus reguliert. Tatsächlich herrscht wirtschaftlich gesehen im Kapitalismus eine ungeheure Unordnung, geradezu ein großes Chaos, ganz im Gegensatz zum Sozialismus.

Hunderttausende von Unternehmen treten in jedem kapitalistischen Land auf diesem „Markt“ als Anbieter auf. Wie schafft der Kapitalismus es dennoch, dass die Waren, die benötigt werden, gekauft werden können? Er schafft es nicht.

Erstens ist ein Großteil derjenigen, die sich gerne bestimmte Produkte oder Dienstleistungen kaufen würden, dazu rein finanziell nicht in der Lage, das betrifft vor allem die ArbeiterInnenklasse.

Zweitens; wo der Markt die Produktion reguliert, geschieht dies unter ungeheuren gesellschaftlichen und individuellen Kosten. Der Markt „bestraft“ (eigentlich leiden die ArbeiterInnen darunter) den Unternehmer der ein Produkt anbietet, das keiner entsprechenden Nachfrage gegenübersteht. Der Preis des Produktes fällt, wenn die Nachfrage geringer als das Angebot ist und der Kapitalist muss seine Produktion auf ein anderes Produkt umstellen, nachdem es eine größere Nachfrage gibt, wenn er nicht weiter Verlust machen will.

Dass zu viele Waren (von Zahnbürsten bis zu Häusern) für die kaufkräftige Nachfrage produziert wurden, wird in einer kapitalistischen Marktwirtschaft immer erst offensichtlich, wenn sich der Überschuss bereits im Bereich von Millionen und Milliarden überschüssiger Waren bewegt. Dieser Überschuss wird dann schlagartig entwertet. Es kommt zu kapitalistischen Überproduktionskrisen, in denen Millionen arbeitslos werden, weil sie zuvor „zu viel“ produziert haben.

Ungeheure, gesetzmäßige Überschüsse stehen im Kapitalismus dennoch dem Elend von Milliarden Menschen gegenüber, die sich all die Früchte dieser Produktionsweise nicht leisten können. Wenn sich keine Käufer mit ausreichend Geld finden, werden die überschüssigen Waren einfach vernichtet. Schon alleine deswegen, kann die Marktwirtschaft nie zu einer wirklich nachhaltigen und ressourcenschonenden Produktionsweise werden.

Die Idee stattdessen gemeinschaftlich und planmäßig zu produzieren, also den Markt vollständig durch den Plan zu ersetzen, ist älter als Marx und Engels. Sie haben jedoch diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt. Sie haben aus einem schönen Traum ein tatsächlich umsetzbares Konzept gemacht.

Marx und Engels beschreiben den Sozialismus, als Gesellschaft, in der Alle im Besitz der Produktionsmittel sind, diese nach einem einheitlichen Plan im Dienste der Gesellschaft verwenden und ebenso gemeinsam die Produkte aufteilen und konsumieren.

Die weitere Entwicklung des Kapitalismus hat noch höher entwickelte Grundlagen für eine solche Produktionsweise gelegt. Die Methoden der kapitalistischen Produktion müssen von der ArbeiterInnenklasse vom Kopf auf die Füße gestellt werden und auf die ganze Gesellschaft ausgeweitet werden.

Denn obwohl wir schon in der Schule lernen, dass Planwirtschaft ein Ding ökonomischer Unmöglichkeit sei, beweist selbst die Realität des heutigen Kapitalismus das genaue Gegenteil. Bereits heute wird die Produktion gewaltiger Konzerne, die teilweise mehr Werte schaffen als ganze Länder, überaus planmäßig organisiert. Hunderttausende ArbeiterInnen beschäftigen sich jeden Tag mit solchen Planungsaufgaben, um zu gewährleisten, dass jede Phase der Produktion nahtlos an die andere anschließt.

Unsere Voraussetzungen um eine funktionsfähige Planwirtschaft zu schaffen sind also um ein vielfaches besser, als die der russischen ArbeiterInnen, die vor über hundert Jahren den ersten sozialistischen Anlauf starteten.

Die Enteignung der Ausbeuter

Im Kapitalismus jedoch sind die Produktionsmittel noch in den Händen verschiedener Unternehmer. Bevor überhaupt an den Aufbau einer sozialistischen Planwirtschaft zu denken ist, müssen diese erst einmal enteignet werden.

Die erste und zunächst wichtigste Form des gesellschaftlichen Eigentums im Sozialismus ist das Staatseigentum. Solange die Räte ein lebendiges Rückgrat des sozialistischen Staates darstellen und sich dieser durch sie in den Händen der ArbeiterInnenklasse befindet, repräsentiert der Staat die ArbeiterInnen als kollektive Eigentümer aller Produktionsmittel.

Diese Enteignung muss mit der Zerschlagung der alten kapitalistischen Macht unmittelbar einhergehen. Noch in der Revolution müssen wir ArbeiterInnen die Produktion übernehmen und sie unseren vorherigen Ausbeutern entreißen.

Als Erstes werden wir dabei die strategisch bedeutsamsten Betriebe übernehmen: Rüstungsindustrie, Transport und Logistik, Verkehr und Kraftwerke, Nahrungsmittel und Kommunikation. Es geht darum auch auf ökonomischem Gebiet die Macht der Kapitalisten möglichst schnell zu zerschlagen und die Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Dabei hat ein Betrieb mit tausenden Beschäftigten, ganz offensichtlich Priorität gegenüber einem Betrieb, in dem 20 ArbeiterInnen ausgebeutet werden.

Bei vergangenen Versuchen, den Sozialismus zu verwirklichen, wurden immer wieder auch Zugeständnisse an einzelne kleinere Eigentümer gemacht, ihre Enteignung verzögerte sich etwas. Gerade gegenüber KleinbürgerInnen, also Unternehmer, die nur in einem sehr begrenzten Maße fremde Arbeitskräfte ausbeuteten, hat man sich im allgemeinen bemüht, das Prinzip der Freiwilligkeit anzuwenden.

Diese Flexibilität ist genau richtig und notwendig. Maßgebend ist, dass der Fortschritt hin zu einer vollständigen Zentralisierung der Produktion in den Händen der Gesellschaft ständig vorangetrieben wird und die vorübergehend verbleibenden kapitalistischen Eigentumsformen eben keine Bedrohung für die junge sozialistische Macht darstellen.

Jedoch spricht vieles dafür, dass die heutigen Kioskbesitzer oder Franchise-Nehmer weniger eng mit „ihrem“ Betrieb verbunden sind als die russischen Bauern 1917. Die russischen Bauern hatten nach Jahrhunderten schlimmster Ausbeutung gerade erst durch die (demokratische) Revolution eigenes Land erhalten. Dementsprechend klammerten sie sich an dieses frisch erworbene Eigentum. Zunächst musste die Revolution mit ihnen den Kompromiss schließen, dass sie als Kleineigentümer wirtschaften konnten. Später war die Verbundenheit zum Eigentum noch immer so stark, dass man sich entschied, Genossenschaften als Form des Kollektiveigentums einzuführen. Einem Großteil der Kleinbürger heute in Deutschland gehört jedoch ihr Betrieb ohnehin nicht selbst, sondern einer Bank. Ihre materielle Lage bessert sich somit durch die Einführung des Sozialismus ebenfalls sehr schnell. Eine zersplitterte Bauernklasse wie in Russland existiert heute in Deutschland nicht, was die Aufgabe der Vergesellschaftung aller Produktionsmittel nur erleichtern kann.

Die Planerstellung

Die Planwirtschaft kann erst beginnen, sobald die Gesellschaft einen Plan entwickelt hat. Sie muss ihren Bedarf an jedem Gut ermitteln und einschätzen. Der Bedarf an Materialien leitet sich dabei aus dem Bedarf an den Endprodukten ab.

Die Wirtschaftsplanung im Sozialismus muss dabei verschiedene Bereiche berücksichtigen, auf die der gesellschaftliche Reichtum und auch die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte sowie Produktionsmittel aufgeteilt werden müssen. Marx und Engels sprechen hier von verschiedenen Fonds. Betrachten wir zunächst den Bereich der Konsummittel.

Als erstes fällt uns hierbei die Aufgabe ein, zu ermitteln, welche Konsumgüter (Lebensmittel, Kleidung usw. usf.) die Menschen benötigen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Hierbei geht es nicht nur um die Menge, sondern auch um die Qualität: Welche Kleidung ist gefragt? Was sind die Ernährungsgewohnheiten, wie verändern sie sich? Nach welchen Büchern besteht große Nachfrage, nach welchen geringere? Hierzu sind verschiedene Mechanismen denkbar. Beispielsweise, dass BürgerInnen über die Verkaufsstellen, an denen sie ihre Lebensmittel erhalten, unmittelbar Rückmeldung geben, was sie benötigen. Es ist offensichtlich, dass die Entwicklung von Computern, Internet und Künstlicher Intelligenz für diese Vorgänge eine Vielzahl neuer Möglichkeiten öffnet, auf die beispielsweise die Sowjetunion noch nicht zählen konnte.

Eine sozialistische Gesellschaft muss bei der Planung aber auch einbeziehen, dass sie nicht nur Güter für den individuellen Konsum produzieren kann. Es gibt menschliche Bedürfnisse, die nur gesellschaftlich befriedigt werden können wie Kultur, Bildung, sowie die Versorgung von Kindern und alten Menschen. Genauso der Unterhalt einer Armee oder anderer staatlicher Stellen, insofern sie für den Erhalt oder die Verteidigung der Revolution notwendig sind. Je nach politischer Lage und Schärfe des Kampfes mit den imperialistischen Ländern, kann dies auch einen beträchtlichen Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts erfordern.

Wie verhält es sich nun mit den Produktionsmitteln? Rohmaterialien und Maschinen müssen kontinuierlich weiter produziert werden, um den ständigen und unvermeidlichen Verschleiß der Produktionsmittel auszugleichen. Andernfalls bricht die Produktion ein. Will man die Produktion sogar erweitern, um noch mehr gesellschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen oder neue Technologien einzuführen, muss dementsprechend auch die Produktion der Produktionsmittel zuerst wachsen. Zuletzt müssen Reserven an den meisten Gütern angelegt werden, als Vorsorge für Engpässe oder Naturkatastrophen.

Benötigt die Gesellschaft Güter irgendeiner Art, die nur aus dem Ausland zu bekommen sind, so wird der sozialistische Staat diese im Zweifelsfall auch in den kapitalistischen Ländern kaufen. Der sozialistische Staat hat das Außenhandelsmonopol inne. Das heißt nur er darf eventuelle Überschüsse der Produktion ins Ausland verkaufen, um im Tausch dafür Waren aus dem Ausland einzuführen. Auch die für den Export notwendigen Produkte werden bei der Planerstellung berücksichtigt, ebenso wie die geplanten Importe.

Die Erstellung des Plans wird dabei von einer Kommission geleitet, die vom obersten Rat – dem höchsten Gremium der Rätedemokratie – bestimmt wird. Diese Plankommission zentralisiert jegliche Informationen über die im Besitz der Gesellschaft befindlichen Produktionsmittel und baut ihren Plan darauf auf. Der Plan wird anschließend in der Struktur des Rätestaates von oben nach unten durch seine verschiedenen Ebenen geschickt, um in allen betroffenen Gremien diskutiert zu werden.

Regionale Gremien diskutieren, ob der Plan mit den Bedürfnissen der Entwicklung ihrer Region übereinstimmt und ArbeiterInnen in den Betrieben diskutieren, ob der im Plan vorgesehene Beitrag ihres Betriebes realistisch, zu niedrig oder zu hoch angesetzt ist. Auf diesen Anmerkungen aufbauend, wird der Plan zur zentralen Plankommission zurückgeschickt und nach einer weiteren Überarbeitung vom obersten Rat beschlossen. Die ganze Gesellschaft wirkt somit am Ende mit an der Erfüllung eines von ihr diskutierten und beschlossenen Planes.

Die Produktion im Sozialismus

Insgesamt ist eine sozialistische Gesellschaft dazu in der Lage, um ein vielfaches produktiver zu wirtschaften als eine kapitalistische Gesellschaft auf gleichem technologischem Niveau. Arbeit für die Luxusgüter der Kapitalisten, gewaltige Transportrouten, Werbung und der ständige Konkurrenzkampf um die Kundschaft, sowie die Arbeit von Bankern, Versicherungsangestellte und anderen Bürokraten wird überflüssig. Es gibt auch keine ökonomische Notwendigkeit für Arbeitslosigkeit mehr, wie es im Kapitalismus noch der Fall ist. Die Gesellschaft versorgt sich als Ganzes und kann somit auch jeden an den anfallenden Arbeiten beteiligen. Alle arbeiten, aber unter Umständen müssen sie nicht mehr so lang oder intensiv arbeiten wie im Kapitalismus.

In der sozialistischen Sowjetunion war eine der ersten Maßnahmen die Einführung eines Achtstundentages, was damals fast auf der ganzen Welt noch nicht durchgesetzt worden war. Wenige Jahre später führte man den Siebenstundentag ein, für besonders belastende Arbeiten sogar den Sechsstundentag. Ein Standard, der zum Beispiel im kapitalistischen Deutschland selbst heute noch nicht erreicht wurde.

Alles spricht dafür, dass bei dem heutigen Stand der Produktivkraftentwicklung sogar eine noch deutlich stärkere Arbeitszeitverkürzung denkbar wäre. Diese Arbeitszeitverkürzung dient allerdings nicht nur einer Verlängerung der Freizeit und Erholungsphasen für die ArbeiterInnen, sie ist zugleich eine Voraussetzung dafür, dass die ArbeiterInnen sich zu wirklichen LeiterInnen des Staatsapparats entwickeln können, in dem sie sich kollektiv bilden und alle wichtigen Aspekte des politischen und gesellschaftlichen Lebens ausführlich diskutieren. Die freigewordenen Ressourcen werden auch genutzt, um die ständige Weiterbildung der ArbeiterInnen sowohl in ihrem Beruf als auch in gesellschaftlichen Fragen zu ermöglichen.

Im Kapitalismus wird die Natur ewig ein letztlich vernachlässigbarer Faktor bleiben, bis die Zerstörung unserer Umwelt soweit fortgeschritten ist, dass die Profite der Kapitalisten unmittelbar gefährdet sind. Selbst dann wird es aber keinen konsequent „grünen Kapitalismus“ geben können. Der Drang, die Produktionskosten und somit auch Maßnahmen für den Umweltschutz möglichst gering zu halten und die Produktion ins Unermessliche auszuweiten, lässt sich in diesem System nicht beseitigen. Erst der Sozialismus in seiner Kombination aus Rätedemokratie und Planwirtschaft ermöglicht der Gesellschaft eine bewusste Entscheidung zu treffen: Den Schutz der natürlichen Umwelt der Menschheit zu einem übergeordneten Ziel der Planwirtschaft zu machen und alle dafür notwendigen Maßnahmen und Anstrengungen zu unternehmen. Konkret zum Beispiel Recyclingmethoden auch dann anzuwenden, wenn es kurzfristig weniger Aufwand erfordern würde, Rohstoffe erneut aus der Erde zu gewinnen und das alte Produkt zu vernichten.

Die Verteilung der Güter

Der Sozialismus wird die Lebensbedürfnisse der ganzen Bevölkerung umfassender, sicherer und kostengünstiger befriedigen können, als der Kapitalismus das je vermochte. Denn der Sozialismus kommt ohne alle oben genannten „falschen Kosten“ des Kapitalismus aus.

Dennoch: Auch wenn das durchschnittliche Lebensniveau wie zum Beispiel in den ersten Jahren der Sowjetunion schnell steigen kann, ist die Frage wie die Güter verteilt werden keine Banalität. Wie wird das organisiert?

Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen dem Sozialismus – der niederen Stufe des Kommunismus – und dem Kommunismus ist sein Verteilungsprinzip. Der Kommunismus ist das schlussendliche Ziel der KommunistInnen und er zeichnet sich bezüglich der Güterverteilung durch das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ aus.

Im Kommunismus soll also jeder soviel für die Gesellschaft leisten, wie in seinen Fähigkeiten liegt und dafür ganz frei nach seinen Bedürfnissen, die gesellschaftlichen Reichtümer nutzen dürfen. Bevor dieses Prinzip jedoch in der ganzen Gesellschaft angewendet werden kann, müssen vermutlich mehrere Generationen in kommunistischem Sinne erzogen werden. Als notwendiges Zugeständnis an das oft genug noch egoistische Denken der Menschen wendet daher der Sozialismus das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung!“ an.

Konkret heißt das, dass die Menschen weiterhin Löhne beziehen und zwar entsprechend ihrer Leistung, von denen sie sich dann aus dem gesellschaftlichen Vorrat von Konsumtionsgütern versorgen können. Auch wenn es dann noch Geld gibt, spielt es eine vollkommen andere Rolle als im Kapitalismus. Man könnte ebenso gut Gutscheine an die Menschen verteilen, mit dem sie entsprechend der von ihnen geleisteten Arbeit, Anspruch auf einen gewissen Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts erhalten.

Das sozialistische Verteilungsprinzip bedeutet dabei nicht etwa, dass an den Methoden des Kapitalismus festgehalten wird, vielmehr erreichen wir hier erstmalig ein echtes Leistungsprinzip. Denn in allen vorherigen Gesellschaftsformen, den Kapitalismus eingeschlossen, haben immer diejenigen am meisten vom gesellschaftlichen Reichtum erhalten, die tatsächlich am wenigsten Arbeit geleistet haben – nämlich die Ausbeuter.

Es wäre auch falsch, wenn wir eine unüberwindbare Mauer zwischen die Anwendung des Leistungsprinzips und die Verteilung nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ziehen würden. Auch bei den bisherigen Anläufen zum Sozialismus wurden beide Verteilungsprinzipien durchaus kombiniert. So wurden ergänzend zum Lohn nach Leistung, Nahrungsmittelgutsscheine für Grundnahrungsmittel entsprechend der Zahl der Familienmitglieder ausgegeben.

Der Sozialismus basiert auf der Mitwirkung aller Menschen in der Gesellschaft. Die Organisierung von lokalen oder regionalen Verteilstellen, anstelle von kapitalistischen Supermärkten, wurde historisch des öfteren von Konsumgenossenschaften, also ArbeiterInnen, die sich zu diesem Ziel zusammengeschlossen hatten, durchgeführt. Es ist ein sinnvolles Element der Planwirtschaft, da so selbstorganisiert von den Menschen in einem bestimmten Viertel ihr eigener Bedarf bestimmt wird und an die höheren Stelle der Planwirtschaft in Form von Produktanfragen weitergeleitet wird.

Preise im Sozialismus

Während das schlussendliche Ziel der KommunistInnen die Abschaffung des Geldes ist, bleibt es im Sozialismus unter anderem aus oben genannten Gründen zunächst notwendig, um die Verteilung der gesellschaftlichen Reichtümer zu regeln.

Grundsätzlich werden Preise im Sozialismus vor allem eine Größe sein, die den gesellschaftlichen Arbeitsaufwand, der in einem Produkt steckt, zum Ausdruck bringt. Preise und Buchführung der einzelnen Betriebe und Wirtschaftszweige sind somit eine Voraussetzung, um überhaupt den Überblick über das wirtschaftliche Leben der Gesellschaft erhalten zu können.

Sie bilden sich dabei aber nicht im ständigen Kampf zwischen Angebot und Nachfrage wie im Kapitalismus heraus, wo die Preise diverser Produkte weit über ihren Wert steigen bzw. darunter fallen. Sie werden vielmehr im Zuge der Aufstellung des Wirtschaftsplans festgelegt.

Dabei kann die Gesellschaft durch ihre Preispolitik auch auf einem weiteren Weg bewusst Einfluss auf das Wirtschaftsleben nehmen. So wurden historisch immer alle grundlegendsten Bedarfsgüter stark vergünstigt angeboten, um die Armut und ihre Folgen möglichst schnell auszumerzen. Luxusgüter hingegen wurden vergleichsweise teurer angeboten, um dies auszugleichen.

Dennoch können die Preise nicht vollkommen willkürlich festgelegt werden, da es unmittelbar zu schweren Missverhältnissen in der Wirtschaftsplanung führt, wenn die Preise vollkommen losgelöst von der für die Produktion eines bestimmten Guts notwendigen Arbeit festgelegt werden.

Anreize im Sozialismus

Wie oben geschildert, muss eine kommunistische Moral, mit der die Arbeit von einer Pflicht zu einem inneren Bedürfnis wird, erst über Jahrzehnte und Generationen entwickelt werden. Der Sozialismus kann sich offensichtlich nicht wie der Kapitalismus darauf verlassen, demjenigen, der „zu langsam“ oder „zu wenig“ arbeitet, einfach mit Arbeitslosigkeit und Hunger zu drohen. Um zu verhindern, dass in einer Gesellschaft, die in dutzenden Generationen zum Egoismus erzogen wurde, die Arbeitsproduktivität einbricht, die zuvor nur durch die Diktatur der Kapitalisten im Betrieb aufrecht erhalten worden war, müssen andere Wege gefunden werden.

In bisherigen Anläufen zum Sozialismus wurde hierzu der Stücklohn eingeführt, wo dies möglich war. So, dass wer einen größeren Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum leistete, auch einen entsprechend größeren Anteil davon konsumieren konnte.

Darüber hinaus wurden ArbeiterInnen, die besondere Leistungen für die Gesellschaft erbrachten, materiell und immateriell belohnt. Für Erfindungen und Verbesserungen des Produktionsprozesses oder besonders herausragende Leistungen gab es sowohl Prämien als auch Auszeichnungen wie zum Beispiel „Held der Arbeit“. Wer sich die Realität in modernen kapitalistischen Betrieben ansieht, sieht schnell: Der Kapitalismus geht selbst von der Wirksamkeit solcher Anreizsysteme aus, auch wenn sie unter den heutigen Bedingungen ganz anders als im Sozialismus angewendet werden.

Eins jedoch haben die bisherigen Versuche, den Sozialismus aufzubauen gezeigt: Materielle Anreize helfen der jungen ArbeiterInnenmacht von Anfang an ein hohes Produktivitätsniveau zu gewährleisten, was für den Sozialismus, der immer – ob friedlich oder unfriedlich – im Wettbewerb mit dem Kapitalismus steht, überlebensnotwendig ist.

Jedoch führen derlei materielle Anreize zu neuen Problemen, wenn sie einseitig überspitzt und immer weiter ausgebaut werden. Dann wird aus einer Krücke, um einen Umgang mit den egoistischen Merkmalen des Kapitalismus zu finden, eine Instrument, welches diese alten Traditionen zementiert.

In der Sowjetunion wurden diverse Methoden der Kollektivprämien erprobt, auch um das Bewusstsein der sozialistischen Menschen weiterzuentwickeln. Sie wurden ausgeschüttet, wenn der Betrieb bestimmte, im Plan angegebene Kennzahlen überschritt. Heute können wir aus diesen Erfahrungen schöpfen.

Ein Problem, das sich dabei oft zeigte. Egal wie leitende Gremien der Planwirtschaft die Anreize setzten, Möglichkeiten zur Manipulation boten sich in vielen Fällen: Wurde das Produktionsvolumen nicht nach Stückzahl, sondern nach Masse bestimmt, wurden zum Teil schwerere, aber minderwertige Materialien verbaut. Ging es nur nach der Stückzahl, wurde schnell, aber ineffizient und mit hohem Materialaufwand gearbeitet.

Insgesamt zeigt sich: Die Prämien und Anreize alleine reichen keinesfalls, um ein kommunistisches Bewusstsein entstehen zu lassen. Gelingt dies nicht ebenfalls, ist die Planwirtschaft auf lange Sicht dazu verdammt, unzählige Anreize zu setzen, um die unerwünschten Nebeneffekte des vorherigen auszugleichen.

An ihre Stelle muss Stück für Stück das Bewusstsein gesetzt werden, dass im Sozialismus die eigene Anstrengung dem Individuum und der ganzen Gesellschaft zu einem besseren Leben verhilft und nicht wie im Kapitalismus nur die Ausbeuter reicher macht.

Technologischer Fortschritt ohne Konkurrenz

Ist jedoch technologischer Fortschritt ohne Konkurrenz und materielle Anreize denkbar?
Selbstverständlich werden wir im Sozialismus WissenschaftlerInnen ebenfalls entlohnen, sodass sie sich voll und ganz ihrer Leidenschaft im Interesse der Gesellschaft widmen können. Zu glauben, dass mit der Abschaffung der kapitalistischen Konkurrenz, die Wissenschaft zum Erliegen kommt, setzt voraus zu glauben, dass diese Konkurrenz heute die Triebfeder der Wissenschaft sei. Aber ist es glaubwürdig, dass die genialsten Köpfe des Kapitalismus, nur aus Gewinnsucht handeln? Gibt es nicht unzählige andere, einfachere, weniger anstrengende, ja sogar vielversprechendere Wege schnell reich zu werden, als ausgerechnet WissenschaftlerIn zu werden?

Hierzu ein Beispiel aus der heutigen Produktionsweise: Computerprogramme wie Linux oder LibreOffice werden mit offenem Quellcode entwickelt. Das heißt, jede/r ProgrammiererIn und NutzerIn kann die Struktur des Programms einsehen und verbessern. Durch die Zusammenarbeit von Tausenden sind auf diesem Weg Programme entstanden, deren Qualität die von kommerziell vertriebener Software erreicht und in vielen Bereichen sogar in den Schatten stellt.
Durch die Entwicklung eines sozialistischen Bildungssystems, werden höhere wissenschaftliche Erkenntnisse für die breitesten Teile der Bevölkerung zugänglich. Der Sozialismus wird sich somit auf intellektuelle Potentiale stützen können, die der Kapitalismus aufgrund der Unterdrückung der ArbeiterInnen niemals erreichen konnte.

Dieser Aspekt kommt noch stärker zum Tragen, weil anders als im Kapitalismus, die ArbeiterInnen, wenn sie Vorschläge für die Verbesserung der Produktion machen, keine Angst haben müssen, dass diese nur verwendet werden, um die Ausbeutung zu perfektionieren.

Auch werden die ForscherInnen im ganzen Land von den unsinnigen Methoden des kapitalistischen Wettbewerbs erlöst. Sie müssen nicht mehr ihre eigenen Erkenntnisse, Thesen und Theorien bis kurz vor der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse vor der wissenschaftlichen „Konkurrenz“ geheim halten, sondern können diese miteinander austauschen und sich gegenseitig unterstützen.

Die Rolle des Individuums in der Planwirtschaft

Schon Marx und Engels waren davon überzeugt, dass erst die Befreiung der Gesellschaft im Sozialismus eine wirklich freie Entwicklung aller Individuen ermöglichen würde. Was spricht für diese Behauptung?

Zunächst ermöglicht die Befreiung von ständigen materiellen Sorgen, die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und die Verkürzung des Arbeitstages, durch die Verteilung der notwendigen Arbeit auf die Schultern der ganzen Gesellschaft, ganz offensichtlich, dass sich die Einzelnen freier entfalten und ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen nachgehen können.

Weiterhin sind unseren Entscheidungen im Kapitalismus äußerst enge Grenze gesetzt, die im Sozialismus ganz oder zum Teil wegfallen. Wie und was produziert wird, liegt heute vollständig außerhalb unseres Machtbereiches, es wird einfach von den Kapitalisten bestimmt. Auch wenn wir diese Entscheidungen im Sozialismus nicht als Individuum treffen können, erhalten wir die Möglichkeit daran mitzuwirken.

Die Möglichkeiten eines Individuums, sich zu entfalten, werden im Sozialismus deutlich größer, schon allein weil die durchschnittliche Arbeitszeit viel geringer als heute sein wird. Das Potential, aus der Leidenschaft einen Beruf zu machen, besteht ebenfalls weiter. Nur werden nicht mehr kapitalistische Talentschmieden, die den größtmöglichen Gewinn aus einem Menschen pressen wollen, über die Zukunft von Menschen entscheiden, sondern die Organe der Rätemacht.