Krise heißt Kampf um unsere Zukunft!

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Wir stehen am Beginn einer Wirtschaftskrise, die unser Leben in den nächsten Jahren prägen wird. Die Wirtschaftsexperten der Bourgeoisie sind sich bereits jetzt größtenteils einig, dass dies die schwerste Krise aller Zeiten wird. Was bedeutet die Krise für die Jugend?

Jede kapitalistische Wirtschaftskrise zeigt uns eindringlich, wie wenig uns dieses System zu bieten hat. Millionen werden entlassen, Sozialleistungen gekürzt. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt in Krisen in der Regel besonders stark an. Denn nachdem es den Lobbyisten der Kapitalisten eigentlich gar nicht schnell genug gehen kann bis wir unsere Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt zum Verkauf anbieten und sie deswegen auch vor zehn Jahren die Schulzeitverkürzung durchgesetzt haben, gibt es in der Krise keinen Bedarf an neuen Arbeitskräften. Erst recht nicht, wenn sie keine Qualifikationen und keine Berufserfahrung aufweisen.

Insbesondere Restaurants, Cafés und Unternehmen der Tourismus-Branche haben ihre Tätigkeit in den letzten Wochen teilweise über Nacht vollständig einstellen müssen. Gerade hier arbeiten aber vor allem junge Menschen, zum Beispiel weil sie neben Schule oder Universität so ihren Lebensunterhalt decken. Es hat sich hier sehr eindrücklich gezeigt, wie unsicher und letztlich rechtlos die Beschäftigungsverhältnisse vieler Menschen in dieser Branche sind, da hunderttausende einfach entlassen wurden. Die Besonderheiten der Corona-Krise kommen hier also als ein besonderer verschärfender Faktor gerade für die Jugend hinzu.

In Berlin beispielsweise sind gegenüber April 2019 28,2% mehr Jugendliche der Altersgruppe zwischen 15 und 20 arbeitslos, das ist der zweithöchste Anstieg der Arbeitslosigkeit nach betroffenen Gruppen – nur Ausländer sind noch schneller entlassen worden. Dieser enorme Anstieg ist unter anderem dadurch zu erklären, dass viele Betriebe bereits angebotene Ausbildungsplätze in der Krise zurückziehen. Einer Umfrage zufolge will sich jeder vierte Handwerksbetrieb aus dem Ausbildungsbetrieb zurückziehen.

Viele Studierende sind, da die Universitäten ihren Vorlesungsbetrieb eingeschränkt beziehungsweise digitalisiert haben, zu ihren Eltern zurück gereist. Ihre materielle Notsituation wird momentan dadurch noch verdeckt. Sobald sie aber wieder in ihrer Universitätsstadt leben wollen, werden sie vor dem Problem stehen, einen Arbeitsplatz zu finden.

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Die Krise heißt jedoch nicht nur, dass die individuelle Zukunft von Millionen Menschen zugleich in Frage gestellt wird. Kapitalistische Krisen sind zugleich der Moment, in denen altes Kapital vernichtet wird, Unternehmen pleite gehen und aufgekauft werden, sich andere hingegen durchsetzen und die Produktion sowie den Verkauf, letztlich also die ganze Gesellschaft ihrem Profitkalkül entsprechend umgestalten.

In der jetzigen Krise sehen wir eine Art Zwangsdigitalisierung, die durch Corona massiv beschleunigt wird. Man darf sich hier aber nicht täuschen: Es geht nicht um Bill Gates oder Echsenmenschen, die das Virus zu diesem Zwecke entworfen hätten, denn dieser Prozess war schon zuvor im Gang.

Sind wir ehrlich zu uns selbst, dann sehen wir, dass es nicht Corona gebraucht hat, damit wir unsere Daten an Facebook, Apple und Google abgeben. Der deutsche Imperialismus wird diese Krise nutzen wollen, um endlich auch mit eigenen Monopolen von diesem Trend zu profitieren.

Begleitet wird dieser Prozess durch gesteigerte staatliche oder staatlich verordnete Überwachungsmaßnahmen, auch wenn sie (noch) nicht alle durchgesetzt werden konnten: Corona-Apps, Anwesenheitslisten in Restaurants, Aufrufe zum bargeldlosen Bezahlen, Vorstöße zur schrittweisen Abschaffung des Bargelds.

Ein weiterer Vorstoß, der den Kapitalisten schon lange am Herzen lag, wird nun momentan beschleunigt durchgesetzt: Home-Office. Überall wo es möglich ist, bevorzugen unsere Ausbeuter es, wenn sie weniger Büroarbeitsplätze finanzieren müssen und zusätzlich dazu übergehen können, uns einfach ein bestimmtes Pensum Arbeit für jeden Tag zu verordnen. So schön die Vorstellung erst mal klingen mag: Stress und Arbeitsintensität werden sich so massiv erhöhen.

Gleichzeitig wird wie in jeder Krise von unten nach oben umverteilt. Während die Regierung über Jahre die Politik der „schwarzen Null“ gefahren und Bildungs- und Gesundheitssystem kaputt gespart hat, ist nun auf einmal Geld da: Für Puma, Adidas, Lufthansa und Co.

In den Klassenkämpfen dieser Krise wird also ausgehandelt, in was für einer Gesellschaft wir den größten Teil unseres Lebens als heute jugendliche Menschen verbringen werden: Wollen wir unser ganzes Leben mit einer Allianz aus Digitalkonzernen und staatlichen Behörden teilen? Wollen wir die gesteigerte Arbeitsintensität durch Home-Office widerspruchslos hinnehmen? Wollen wir diejenigen sein, die später mit ihren Steuergeldern die Milliardengeschenke bezahlen sollen, die jetzt an die Großkonzerne verteilt werden?

Kein Kapitalismus ohne Krisen

Wollen wir die Krisen mit all ihren für uns furchtbaren Begleiterscheinungen nicht mehr ertragen, dann gibt es nur eine realistische Lösung: Revolution. Der Kapitalismus muss beseitigt werden, denn aus den Widersprüchen zwischen enormen Reichtum in den Händen einer kleinen Minderheit und relativer Armut bei der großen Mehrheit der Gesellschaft entwickeln sich diese Krisen gesetzmäßig.

Es geht hier jedoch nicht nur um die Frage, ob die Generationen, die nach uns kommen, eines Tages ohne Zukunftsängste aufwachen. Die momentane Zuspitzung der Widersprüche im Imperialismus stellt die bereits von Rosa Luxemburg gestellte Frage wieder auf die Tagesordnung: Sozialismus oder Barbarei.

Schon alleine die gegenseitigen Beschuldigungen der Imperialisten, Corona als Biowaffe auf die Welt losgelassen zu haben sind – berechtigt oder nicht – ein Ausdruck davon, wie offen die Widersprüche mittlerweile ausgetragen werden. Die Gewehre und Bomber in den zahllosen Stellvertreterkriegen überall auf der Welt hat Corona ohnehin nie zum Schweigen gebracht.

Die massive Kapitalvernichtung sowie beschleunigte Verarmung der ArbeiterInnen verengt die ökonomischen Spielräume jeder imperialistischen Großmacht. Es ist eine reale Gefahr, dass sie in den nächsten Jahren einen großen imperialistischen Krieg als Ausweg aus dieser Lage suchen.

In der Krise für unsere Zukunft zu kämpfen, heißt aus all diesen Gründen für den Sozialismus zu kämpfen. Denn der Kapitalismus hat uns keine Zukunft zu bieten.